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RU-Kurier  > Ausgabe 21

Hildegard Veira / Thomas Henn

Symbole verstehen lernen

Hinweise und Materialien zur Sakramentenpropädeutik

 

Einleitende Bemerkungen:

In der religiösen Bildung in der Schule kommt es nicht nur auf eine religiös christliche Erziehung im engen Sinn an. Vielmehr zeigen vielfältige Erfahrungen und Untersuchungen, dass die heutigen Jugendlichen gravierende Mängel und Defizite im Zugang zu und Umgang mit religiösen und immateriellen Sachverhalten haben. Sie haben oft keine religiöse Sprache oder Ausdrucksweise mehr gelernt. Ihre Sensibilität und Sehnsucht nach Halt und Hilfe im Religiösen ist sehr wohl vorhanden. Meist können sie aber selbst diese nicht mehr artikulieren.

Deshalb ist es meist notwendig und wichtig, bevor sie mit den eigentlichen Inhalten der Religion konfrontiert werden, ihre Bedürfnisse und Ausdrucksweisen im vorreligiösen Bereich wahr zu nehmen und ihnen dort Hilfestellung zu geben.

Die Bausteine wollen den Sch in dieser Richtung einen Raum für ihre Erfahrungen lassen und ihnen Hilfen geben, diese adäquat auszudrücken. Sie müssen diese Erfahrungen in ihrem Leben und in ihrer Umgebung entdecken und fest machen können. Nur so können sie dann selbst entscheiden, ob sie den Schritt in den Bereich der konkreten Religion mit ihren Formen und Riten gehen wollen. Ihre Religiosität kann sich dann auch in Richtung auf die konkreten Sakramente der Kirche hin entfalten.

Der erste Schritt in den Vorarbeiten bestand deshalb für uns darin, die Lebenswelt der Sch in den Blick zu nehmen und ihre Formen und Gegenstände zu erheben, mit denen sie Gefühle und Empfindungen ausdrücken. Wir wollten weiter ihr Vorwissen bzgl. religiöser Ausdrucksformen und Symbolik kennen lernen.

Auf diesem empirischen Hintergrund versuchen die Bausteine aufzubauen.

Wir meinen, dass erst nach einer solchen sakramentalen Propädeutik der Weg offen ist zu den eigentlichen Sakramenten. Freilich sollten auch diese in einer für heutige Jugendliche verständlichen Sprache und Form gespendet werden. Hier eröffnet sich dann der Raum der eigentlichen Sakramentenkatechese und -pastoral in der Gemeinde. Schulischer RU kann diese meistens aufgrund der sehr gemischten Zusammensetzung der Klassen nicht leisten.

Die Lehrpläne gehen, wenn überhaupt, nur sehr allgemein auf die Bereiche Symbole und Sakramente ein.

 

Zur Symbol- und Formensprache Jugendlicher

Immer wieder hört man im Zusammenhang mit der Sakramentenerziehung von der Sprachlosigkeit ja dem Analphabetismus der jungen Menschen gegenüber den Zeichen und Riten der Kirche. Wir haben uns deshalb auf den umgekehrten Weg gemacht. In unserem schulischen Umfeld in Hauptschulen haben wir Schülerinnen und Schüler nach ihren eigenen alters- und gruppenspezifischen Umgangs- und Ausdrucksformen bzw. ihren Zugängen zu traditionellen religiösen und/ oder kirchlichen Zeichen gefragt. Die Ergebnisse sollen schlaglichtartig skizziert werden.

Jugendliche verbringen in ihrer Wahrnehmung den größten Teil ihrer Freizeit mit Freunden bzw. in der Clique. Sie haben weitgestreute Interessen, die von sportlichen Tätigkeiten bis zum Spielen am Computer reichen. Er scheint für sie ein „Spielzeug" wie viele andere früher zu sein. Jugendliche mögen Computerspiele, meistens weil dort viel Action ist und wenn sie technisch gut gemacht sind. Sie empfinden und sehen sie distanziert als Spiel.

Bei der Begegnung mit Gleichaltrigen haben sie oft bestimmte Rituale wie Umarmung, einen bestimmten Ausdruck oder eine Geste.

Ihrer Familie messen sie einen großen Stellenwert zu. Sie stellt oft den Halt und die Sicherheit dar, von der aus die Welt entdeckt und erobert wird. Hier scheint sich eine Diskrepanz aufzutun zwischen der Wahrnehmung von Eltern und Erwachsenen und der Jugendlicher. Familie erleben sie vor allem beim gemeinsamen Essen, Fernsehen und im Urlaub. Es gibt aber auch Jugendliche für die Familie eher negativ besetzt ist.

Viele junge Menschen haben einen Gegenstand, der für sie besonders wichtig und wertvoll ist. Er wird meistens mitgetragen. Mit ihm verbinden sie besondere Erinnerungen an bestimmte Menschen oder Ereignisse. Als wichtig schätzen viele auch Statussymbole wie Handy, Computer etc. ein.

Ganz anders stellt sich allerdings ihre Wahrnehmung der Umgebung dar. Dort haben die jungen Menschen nur eine diffuse Vorstellung von Zeichen und Symbolen. Am meisten nennen sie Verkehrszeichen und Hinweisschilder. Von den Zeichen und Symbolen im religiösen und kirchlichen Bereich ist das Kreuz das mit Abstand bekannteste. Bei allen anderen wie z.B. Hostie, Kerze, Taube gibt es jeweils nur noch einzelne Vorstellungen. Generell weiß die Mehrzahl der Jugendlichen wenig damit anzufangen. Sie haben auch nur vage Vorstellungen über den Sinn und die Bedeutung der Zeichen. Meist bringen sie sie nur allgemein mit Jesus, Gott, Glaube oder Kirche in Verbindung.


Inhalt

Editorial S. 3

Hildegard Veira / Thomas Henn, Symbole verstehen lernen S. 4

– Symbol Wasser S. 8

– Symbol Feuer S. 40

– Symbol Hände S. 46

– Symbol Baum S. 63

Statements

„Was ist guter Religionsunterricht?“

– Thomas Barkowski S. 74

– Joachim Hartmann S. 75

– Günter Krönert S. 75

– Berthold Wechs S. 78

AutorInnen S. 79

Ulrich Geißler / Wolfgang Rieß, „Projekt Weltethos“, Quiz zur Ausstellung S. 80

Meldungen

– Auszeichnung für Robert Scheller S. 86

– Vollversammlung der Religionslehrer/innen S. 87

– Weltkongress für das Katholische Schulwesen S. 87

– Auf dem Weg zu einer Wohlfühlschule

– Dokumentation

KEsS vorgestellt S. 88

Schulpastoral, schulübergreifendes Projekt „Sinnenpfad“ in Marktheidenfeld S. 89

Buchbesprechungen S. 90

Personalia S. 92

Adventskalender

– Bonifatiuswerk S. 93

– DPSG, Aktion „Friedenslicht“ S. 94

abm, OBJEKTIV – Behinderung, Medien und Schule S. 95

AGFO, Adressen der Ordensgemeinschaften S. 97