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RU-Kurier  > Ausgabe 23

Gertrud Bayer

Advents- und Weihnachtssymbole - Für Kinder deuten - Mit Kindern erleben

1. Entstehung des Projektes

Am Anfang des Projektes: „Weihnachtssymbole und ihre Bedeutung“ stand das Unbehagen der traditionellen weihnachtlichen Schulveranstaltungen. Trotz großen Bemühens, mit der Klasse eine Weihnachtsfeier mit einem Krippenspiel, Liedern, Gedichten und meditativen Elementen zu gestalten, hatte ich das Gefühl, die Kinder nicht wirklich zu erreichen. Auch wünschte ich mir ein aktives Mitwirken der Eltern.

Aus Unterrichtsgesprächen fand ich heraus, dass vielen Kindern die christliche Botschaft fremd erschien und die christliche Symbol- und Bilderwelt unverständlich war. So stellte sich für mich die Aufgabe, eine Form zu suchen, die den Kindern angemessen und sinnvoll erschien und auch die Eltern mit einbezog. Es entstand bei mir die Idee, zusammen mit den Eltern und Kindern eine „Arbeitsausstellung“ aufzubauen, die mit Texten und Materialien, die ich vorwiegend aus Beiträgen der Adventskalender „Wir sagen euch an: Advent“ des Bistums Essen aus den Jahren 1990 bis 2002 zusammenstellte, den Kindern die Bedeutung der adventlichen und weihnachtlichen Symbole näher bringen sollte.

Im Rahmen des Elternabends im Oktober stellte ich den Eltern mein Vorhaben vor. Viele Eltern waren von der Idee begeistert und schon zu diesem Zeitpunkt bereit, sich einzubringen und an der Ausstellung mitzuarbeiten. Ich traf mich ein weiteres Mal mit den Eltern, die ihre Mitarbeit zugesagt hatten. Es bildeten sich Arbeitsgruppen, die jeweils einen Ausstellungstisch für je ein Advents- oder Weihnachtssymbol gestalteten. Kurz vor dem 1. Advent wurde dann die Ausstellung in der Schule von den Eltern und Kindern meiner Klasse und von mir selbst im Vorraum der Klassenzimmer, dort wo sie für alle Schüler der Schule zugänglich war, aufgebaut. Auch die anderen Lehrer und Klassen konnten die Ausstellung anschauen und mit ihr arbeiten. Ich hatte eine Mappe mit den Schüler-Arbeitsblättern und den Geschichten gut sichtbar bei der Ausstellung deponiert, auf die jeder Lehrer Zugriff hatte.

 

2. Durchführung des Projektes

In Bildern, Symbolen, Liedern, Ritualen des Weihnachtsfestes zeigt sich unser Glaube an den Gott, der uns nahe ist. Werden diese Symbole jedoch nicht mit Lebenserfahrung gefüllt, so werden sie zu oberflächlicher Weihnachtsfolklore.

Deshalb war es mir wichtig, die Kinder hinter die Kulisse der Weihnachtssymbole schauen zu lassen, damit sie so die Erfahrung machen konnten, dass Gott ihr Leben begleitet, dass all ihre Ängste, die Sehnsucht nach Geborgenheit in Gott ein Zuhause finden.

Die Symbole des Lichtes, des Barbarazweiges, der Sterne, der Engel, die Nikolauslegenden, die Weihnachtsgeschichte u.a. ließen uns erfahren und spüren, dass der Himmel die Erde berührt. Dabei war es für mich wichtig, den Symbolen ihre Kraft zu lassen, d.h. sie nicht einseitig kognitiv erklären zu wollen. Oftmals brauchte ich keine erklärenden Worte, und nur durch Bilder, die Symbole an sich, Gesten, Lieder schienen die Kinder zu erspüren, dass Gott ihnen nahe ist.

Neben dem Erzählen der Legende von der Hl. Barbara war es mir z.B. wichtig, mit den Kindern in die Kälte zu gehen, jedes Kind einen Barbara-Zweig schneiden zu lassen, in eine Vase zu stellen, jeden Tag Wasser auffüllen zu lassen und zu schauen, bis der Zweig an Weihnachten Blüten trieb. Unbewusst wurde die Hoffnung der Kinder gestärkt, dass mitten im Winter neues Leben aufblühen kann.

Beim Symbol Licht zündeten wir in der Dämmerung eine Kerze an und sangen gemeinsam ein Adventslied. Die Kinder nahmen die Wärme des Kerzenlichtes unbewusst und intuitiv wahr, sie erahnten etwas vom lebensspendenden Gott, der in jeder Weihnachtserfahrung unser Leben hell macht.

Beim Erzählen der Geburtsgeschichte Jesu ist es möglich, mit den Kindern in einen echten Stall zu gehen und die Geschichte dort zu erzählen. Der Geruch, die Wärme der Tiere – auch hier können die Kinder erahnen: Jesus begegnet mir in der Wärme des Lebens, aber auch in all dem „Mist“, der sich in meinem Leben ansammelt.

Auch die Herbergssuche, den Kindern erzählt oder von ihnen gespielt, wird sich in die Seele einprägen. Indirekt können sie an dieser Geschichte lernen: Wie Josef und Maria sind auch wir unterwegs, um einen Platz zu finden. Dass dies nicht immer leicht ist, können gerade die Kinder nachempfinden, deren Elternhaus zerbrochen ist, die nicht wissen, wohin sie gehören. Für diese Kinder kann die Herbergssuche Trost und Hoffnung sein, dass auch sie wie Maria und Josef einen Platz finden werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

In all den Vollzügen merkten die Kinder, dass sie und alle Menschen unterwegs sind, voller Hoffnung und Sehnsucht, dass Advent auch Warten bedeutet. Vielen fällt das Warten schwer. Und dennoch gehört das Warten zu unserem Leben, macht Ereignisse erst kostbar. Warten heißt, dass ich mich ausrichte, meine Aufmerksamkeit und Konzentration ganz auf das Kommende konzentriere. Dieses Warten vollzog ich mit den Kindern bewusst: Wir bauten mit Holzklötzen am Boden vor der Weihnachtsausstellung die Stadt Nazareth als Ausgangspunkt auf. Zielpunkt war Bethlehem mit der noch leeren Krippe – dazwischen ein mit Sackleinen gelegter Weg mit 24 Steinen. In Nazareth machten sich Maria und Josef (Egli-Figuren) auf den Weg. An jedem Tag durfte ein Kind Maria und Josef einen Stein vorsetzen. An jedem Tag war ein Symbol „Thema“: z.B. das Symbol Adventskranz, der Barbarazweig, das Licht, Nikolaus, der Stern, der Engel u.a. Dieses Symbol wurde an entsprechender Stelle auf den Weg gelegt. Am letzten Tag dann, ganz nahe an der Krippe lag ein kleines symbolisches Geschenk. Das sollte bedeuten: Gott schenkt sich uns.

Ich ließ die Kinder auf einen kleinen Zettel einen guten Wunsch für ein anderes Kind aufschreiben. Die Zettelchen wurden dann in als kleine Geschenkpäckchen gestaltete Streichholzschachteln an den Christbaum gehängt. Jedes Kind durfte sich nun eine Streichholzschachtel mit einem guten Wunsch vom Baum und mit nach Hause nehmen.

Schenken bedeutet ursprünglich, jemandem etwas einschenken, wenn er Durst hat. Heute haben viele Kinder keinen Durst mehr nach Süßigkeiten und Spielsachen. Der Durst nach Liebe, Zuwendung, Wertschätzung aber ist geblieben. Dieses den Kindern immer wieder zu schenken, heißt Weihnachten leben.


3. Bausteine zum Projekt: Advents- und Weihnachtssymbole und ihre Bedeutung
Beispiele: Barbarazweig - Symbol Licht - Symbol Engel (siehe Anhang!)

Weitere Bausteine zu den Symbolen: Grüner Tannenzweig – Adventskranz – Adventskalender
– Weihnachtsmann und Hl. Nikolaus – Stern – Mistelzweig – Lebkuchen, Spekulatius, Zimt-sterne und Christstollen – Christbaum – Krippenfiguren – Gold, Weihrauch und Myrrhe der Drei Weisen können im Katechetischen Institut ausgeliehen werden.


4. Präsentation des Projektes

Am Ende des Projektes stand eine Weihnachtsfeier zusammen mit den Eltern der Klasse. Die Kinder hatten sich im Unterricht in Arbeitsgruppen zusammengefunden und sich für ein Symbol entschieden, das sie allen Eltern im Rahmen der Weihnachtsfeier vorstellen wollten. Sie erarbeiteten mit Hilfe der Informationstexte des Unterrichts kleine Texte zu ihrem Symbol. Am Abend der Weihnachtsfeier stellten sie sich hinter den Tisch mit dem jeweiligen Symbol und trugen den Beitrag den Eltern vor. Es wurde auch an gegebener Stelle ein Adventslied mit Orff-Begleitung gesungen und gespielt, bei dem Symbol "Barbarazweig“ ließen wir die Knospen mit Tülltüchern aufblühen und sangen dazu das Lied: „Knospen springen auf“ und beim Symbol „Licht“ führte eine Gruppe einen Lichtertanz vor, beim Symbol „Engel“ trugen einige Kinder das Gedicht; „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein“ vor und einige Kinder öffneten sich so weit, dass sie allen erzählten, wer ihr Engel ist.

Am Ende der Weihnachtsfeier gab es ein Plätzchenbüffet und die Kinder machten zusammen mit ihren Eltern ein kniffeliges Rätsel zur Ausstellung, das nur lösbar war, wenn man die Bilder und Dinge der Ausstellung nochmals genau anschaute und die Texte dazu las. War der Lösungssatz gefunden, wurden die Kinder mit einem goldenen Stoffstern belohnt, den sie sich anstecken durften.

Die Rückmeldung der Kinder und der Eltern war sehr positiv.

Ich denke, dass die Kinder und auch die Eltern so die Möglichkeit hatten, der christlichen Weihnachtsbotschaft und ihren Gehalten individuell zu begegnen, dass sie die weihnachtliche Botschaft: „Gott ist im Menschen erfahrbar“ erspüren oder zumindest erahnen konnten.