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Julius Döpfner (1913-1976)

Bischof von Würzburg, Bischof von Berlin, Erzbischof von München und Freising, Kardinal

Für die Menschen in den Trümmern von Würzburg wurde er zum Träger der Hoffnung, in der geteilten Stadt Berlin sorgte er für die Christen im Westen wie im Osten, und von München aus half Julius Kardinal Döpfner der katholischen Kirche auf dem Weg in die Zukunft. Als einer der vier Moderatoren des Zweiten Vatikanischen Konzils und Präsident der daraus folgenden Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland in Würzburg setzte er Maßstäbe für die moderne christliche Glaubensgemeinschaft. Kardinal Karl Lehmann würdigte ihn als eine der großen Bischofsgestalten des 20. Jahrhunderts.

Julius Döpfner wurde in Hausen bei Bad Kissingen am 26. August 1913 als viertes von fünf Kindern geboren. Seine Eltern waren Julius Matthäus Döpfner, ein Hausdiener im Kurhaus „Teutonia“, und Maria Döpfner, von Beruf Zugehfrau. Der Vater starb, als Julius erst zehn Jahre alt war, die Mutter elf Jahre später. Als Klassenbester legte Julius 1933 das Abitur ab und erhielt ein Stipendium für das Collegium Germanicum der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Dort wurde er am 29. Oktober 1939 zum Priester geweiht. In Rom lernte Julius Franz König kennen, den späteren Kardinal von Wien. Von Königs Primizbild stammt das Wort des ersten Korintherbriefes, das Julius als Wahlspruch führen wollte und das ihn ein Leben lang nicht losließ: „Praedicamus Christum Cruzifixum – Wir verkünden Christus, den Gekreuzigten“.

1941 promovierte er zum Doktor der Theologie mit einer Arbeit über John Henry Newman. Zurück in Deutschland verbrachte er von 1941 bis 1944 Kaplansjahre in Großwallstadt, Schweinfurt und Gochsheim. 1944 wurde er Präfekt im Würzburger Kilianeum, 1945 Subregens am Priesterseminar. Nach eigenem Bekunden wollte Döpfner Seelsorger werden, "Pfarrer einer Gemeinde, sonst nichts". Doch es kam anders: Als Nachfolger von Bischof Matthias Ehrenfried weihte ihn der Bamberger Erzbischof Josef Otto Kolb am 14. Oktober 1948 zum Bischof von Würzburg, ein Amt, das er bis 1956 inne haben sollte.

Für Döpfner selbst war seine Ernennung zum Bischof ein „richtiger Schrecken“. Der äußere Rahmen für die Weihe in der notdürftig eingedeckten Neumünsterkirche – der Dom glich einem Trümmerfeld – war bescheiden. Für die unübersehbare Menschenmenge, die ihren neuen Bischof nach der Zeremonie begeistert feierte, spielte das keine Rolle. „Es verschlug mir den Atem, als diese Menschen mir in großer Herzlichkeit zujubelten“, erinnerte sich Döpfner später. Mit 35 Jahren war er der jüngste katholische Bischof Europas.

Sein Verständnis des Amts brachte er in seinem ersten Hirtenbrief auf den Punkt: „Im Zeichen meines Wahlspruchs will ich der erste Kreuzträger des Bistums sein, indem ich frohgemut die schmerzende Last trage, die sich unter den Ehrungen des Bischofsamtes verbirgt, und all euer Leid in väterlicher Hirtensorge mit euch teilen.“ Glaubwürdigkeit und konsequentes Handeln zeichneten Döpfner aus. "Wohnungsbau ist Dombau" war eines seiner Schlagworte in der unmittelbaren Nachkriegszeit: Wohnraum zu schaffen war dem Gründer der Wohnungsbaugenossenschaft Sankt Bruno Werk wichtiger als die Errichtung prunkvoller Kirchen. Für ihn hatte die Sorge um die Menschen Vorrang vor allem Sonstigen.

Rückblickend sagte Döpfner über seine Würzburger Jahre „Man sagte manchmal, der junge Bischof von Würzburg sei ein streitbarer Herr. Aber eines kann ich sagen: Alles klare Zupacken in der Auseinandersetzung geschah stets aus der Verantwortung vor der Botschaft Christi und aus der Sorge für die Menschen.“ Ein Anliegen war dem Bischof aber auch die Restaurierung von 48 und der Neubau von 43 Kirchen. Über allem Einsatz für Würzburg vergaß Bischof Julius nicht die beiden damals noch zum Bistum gehörenden thüringischen Dekanate Saalfeld und Meiningen. Bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt besuchte er die dortigen Gemeinden.

Ein "Wechsel der Welten" war die Ernennung zum Bischof von Berlin durch Papst Pius XII. am 15. Januar 1957. Mit seiner Inthronisation im März 1957 stand er plötzlich mitten auf der Weltbühne an der Grenzlinie der großen Politik in Ost und West. Teile seines Bistums lagen in der DDR und der Bischof versuchte Stadt und Bistum zusammenzuhalten. Als äußeres Zeichen der Einheit ließ er die Kirche „Maria Regina Martyrum“ nahe der NS-Hinrichtunsstätte Plötzensee errichten.

Wurde ihm später auch die Einreise in das Gebiet der DDR versagt, so kritisierte er doch immer wieder von West-Berlin aus die religionsfeindlichen Maßnahmen der DDR-Regierung. Beim Katholikentag 1958 erwies sich Julius Döpfner als der führende Sprecher der katholischen Kirche in Deutschland, im gleichen Jahr berief ihn Papst Johannes XXIII. als jüngsten Kardinal der katholischen Kirche ins Kardinalskollegium. 1960 vollzog Döpfner in der berühmten „Hedwigspredigt“ die Aussöhnung mit Polen.

Doch bereits nach viereinhalb Jahren musste er die geteilte Stadt wieder verlassen: Am 30 September 1961 wurde er als Erzbischof von München und Freising inthronisiert und übernahm am 1. Oktober den Vorsitz der Freisinger Bischofskonferenz. Trotz seiner vielen Verpflichtungen setzte sich der Kardinal wiederum voll für sein Bistum ein. Im Bereich Ökumene stand er in Berlin schnell in gutem Verhältnis zu Landesbischof Dibelius und auch in München gestaltete sich das Verhältnis zu Landesbischof Dietzfelbinger als offenes und vertrauensvolles Gespräch.

Von 1963 bis 1965 war Kardinal Döpfner Moderator beim Zweiten Vatikanischen Konzil. Das Konzil und die damit verbundene Erneuerung der Kirche von innen her war der wichtigste Abschnitt in seinem Leben. Mit den Kardinälen Leo Jozef Suenens und Giacomo Lercaro bestimmte er entscheidend die fortschrittliche Richtung des Konzils. Da für Döpfner die Seelsorge die bedeutendste Aufgabe des priesterlichen Dienstes war, drängte er darauf, dem Konzil eine pastorale Ausrichtung zu geben. Zu seinen wichtigsten Anliegen zählten die Frage nach der Würde des Menschen, nach seinen Grenzen und seiner Beziehung zur Gesellschaft. In der Sicht Döpfners war es nötig, eine katholische Anthropologie zu entwerfen, endlich den Laien als einen getauften und geistgestärkten Christen aufzuwerten und neben der hierarchischen Struktur die Gemeinschaft der ganzen Kirche mit dem Geist Jesu zu erfüllen. Sein Engagement für die Laienbewegung hatte er bereits mit der Gründung der Katholischen Akademie Domschule in Würzburg bewiesen.Der Antrieb seines Engagements war, dass er die Not des heutigen Menschen erkannte, seine Unruhe und Angst, sein Verlangen nach Frieden und Gerechtigkeit.

Besonders lag Döpfner auch die Priesterausbildung am Herzen: Die Priesteramtskandidaten sollten Kontakt mit den Menschen haben und durch Praktika in Fabriken oder Einrichtungen der Caritas Erfahrungen sammeln. „Es ist nicht übertrieben, wenn heute noch lebende Konzilsväter betonen, dass Döpfner eine der stärksten Antriebskräfte des Konzils war. Er stand ganz in der Konzilsarbeit und das Konzil war die bestimmende Größe in seinem Leben geworden“(Professor Klaus Wittstadt).

1965 wurde Döpfner zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Die Würzburger Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland von 1971 bis 1975, deren Präsident Döpfner war, verstand er als umfassendes „Unternehmen im Blick auf die Eindeutschung des Konzils“ (Bischof Paul-Werner Scheele). Ein wichtiges Anliegen war ihm, möglichst viele Gläubige in das Konzilsgeschehen einzubeziehen. „Wir müssen das Konzil herüberholen in unseren Alltag“, sagte Döpfner. Hier sprach er sich auch für ein Schuldbekenntnis gegenüber den Juden aus. Oft bezog er öffentlich Stellung gegen jede Form von Ausländerfeindlichkeit.

Döpfners Interesse für die ökumenischen Themen der Synode war durch seine Berliner Zeit verstärkt worden. In der mehrheitlich protestantischen Stadt arbeitete er intensiv mit der evangelischen Kirche zusammen. Ein weiteres Anliegen war Döpfner das Wohl der Arbeiterschaft. Die Würde des Menschen sollte gewahrt werden. Einen gerechten Lohn, Wohnung und Nahrung betrachtete er als Voraussetzung für die Entwicklung des Glaubens. Bei der synodalen Diskussion um den Zölibat bezog er dagegen eine traditionelle Position: Der Zölibat sei tabu, für Veränderungen sei die Zeit noch nicht reif.

Seiner fränkischen Heimat blieb Döpfner sein Leben lang verbunden. Immer wieder schöpfte er Kraft aus seiner Heimat und dem Glauben seiner Vorväter. „Im Grunde seines Herzens blieb Julius Döpfner ein Leben lang Franke und Würzburger,“ so Kardinal Karl Lehmann. Für die Hausener blieb er „der Julius vom Berg“, der sich nie wie ein unnahbarer Kirchenfürst hinter den Titeln „Exzellenz“ oder „Eminenz“ versteckte.

Am 24. Juli 1976 erlag Julius Kardinal Döpfner in München einem Herzinfarkt. Den vielen Konferenzen, Visitationen, Auslandsreisen - noch wenige Wochen vor seinem Tod nach Afrika - war das Herz des fast 63jährigen nicht länger gewachsen. Die dringend nötige Erholung im Urlaub war dem Kardinal nicht mehr vergönnt: Am Morgen seines ersten Ferientags starb er in der Pforte des Bischofshauses. Zahlreiche Persönlichkeiten in aller Welt gedachten seiner. „Auf Kardinal Döpfner trifft das Wort zu: Im Dienen verbrauche ich mich“, charakterisierte ihn der CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß. Bernhard Vogel, Kultusminister von Rheinland Pfalz sagte „Kardinal Döpfner war der deutsche Kirchenführer, der die katholische Kirche in die Gegenwart geführt hat“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentierte: „Der Tod des Kardinals Döpfner macht bewußt, dass die katholische Kirche einen für sie lebenswichtigen Mann verloren hat, ohne den auszukommen ihr schwerfallen wird.“

Jerzy Staus

Literatur:
Hartl, Christian. Wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten – Spuren der Kreuzesspiritualität Julius Kardinal Döpfners in seinem Leben und in seiner Verkündigung. Würzburg: Echter 2001.

Wittstadt, Klaus. Julius Döpfner: Sein Weg zu einem Bischof der Weltkirche in Bilddokumenten. Würzburg: Echter 2001.

Würzburger Diözesan-Geschichtsblätter, Band 58 und Ergänzungsband, Würzburg: Echter 1996.