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Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (1545-1617)

Julius Echter war mehr als vierzig Jahre Fürstbischof von Würzburg und Herzog in Franken. Er gründete die Würzburger Universität und das Juliusspital als Hospital für Arme und Waise und ließ Hunderte von Kirchen und Schulen bauen. Durch einen strengen Sparkurs, eine Verwaltungsreform und den Einzug von weltlichen und geistlichen Vermögen führte er das Bistum aus der Verschuldung, ohne die Steuern erhöhen zu müssen. Er erneuerte das gesamte Rechtswesen im Staat. Allerdings führte Echter auch die Gegenreformation mit großer Härte durch und vertrieb viele Protestanten aus ihrer Heimat. Zudem war er eine der treibenden Kräfte der Hexenverfolgung und ist damit für den Tod von Tausenden unschuldiger Menschen verantwortlich. Julius Echter starb am 13. September 1617 an den Folgen einer Darminfektion.

Echter wurde am 18.März 1545 als zweites von neun Kindern in Mespelbrunn im Spessart geboren. Sein Vater war der kurmainzische Rat Peter III. Echter, seine Mutter Gertraud geb. Gräfin von Adolzheim. Die Eltern waren tief gläubig. Für seine Ausbildung verschaffte Peter Echter seinem Sohn 1554 zunächst eine Pfründe am Kollegialstift Sankt Peter und Alexander in Aschaffenburg. Nach einigen Monaten erhielt er eine Pfründe am Domstift in Würzburg, wechselte jedoch wegen der Residenzpflicht erst 1557 nach Würzburg, 1559 nach Mainz und dann nach Köln. Von 1559 bis 1561 besuchte er in Mainz und Köln wahrscheinlich das Jesuitenseminar.

Von 1561 bis 1566 studierte er an den streng katholischen Universitäten von Löwen und Duai, ging wegen kriegerischer Unruhen nach Paris, dann nach Angers. Die Hugenottenunruhen zwangen ihn 1567 nach Pavia (Italien) zu übersiedeln. In Rom legte er die Abschlussprüfungen ab.

Als Lizentiat der Rechte kam Echter nach Würzburg und wurde am 15. Oktober 1569 in das Domkapitel aufgenommen. Fürstbischof war damals Friedrich von Wirsberg, der einem vollkommen desolaten Bistum vorstand. Die geistlichen Gebiete des Bistums waren nicht identisch mit denen weltlicher Herrschaft, viele Ländereien und Dörfer waren verpfändet, die meisten Adeligen und damit auch ihre Untertanen protestantisch geworden. Zahlreiche Burgen, Kirchen und Schlösser hatte der Bauernkrieg in Schutt und Asche gelegt. Die Mißstände in der Kirche, die zur Reformation geführt hatten, dauerten an. Pfarreien wurden von Domherren an Verwandte und Bekannte vergeben, die meist keinerlei theologische Ausbildung besaßen. Die Domherrn waren hauptsächlich an ihren eigenen Einkünften interessiert. Beamte erledigten ihre Arbeit nachlässig oder überhaupt nicht, Akten wurden nicht mehr geführt, Bestechungsgelder und Vetternwirtschaft waren üblich. Eine Regierung fand kaum noch statt.

Echter machte schnell Karriere: Im April 1570 übernahm er das Amt des Domscholasters (Domschulmeister), im August zusätzlich das des Domdechanten (Geschäftsführer des Domkapitels). Nach dem Tod Wirsbergs im November 1573 wurde der relativ unbekannte Echter völlig überraschend zum neuen Fürstbischof gewählt. Das Domkapitel vermeinte mit ihm einen unauffälligen und eher schwachen Regenten zu wählen, eine völlige Fehleinschätzung. Am 4. Dezember 1573 trat er sein Amt an, an Pfingsten 1575 wurde er zum Bischof geweiht.

Seine erste Aufgabe sah Julius Echter in der Beseitigung der Mißstände in der Verwaltung. 1574 erließ er eine neue Kanzleiordnung, die die Arbeitsfähigkeit wieder herstellte und Gebühren zur Sanierung der Staatsfinanzen festlegte. Die finanzielle Situation entspannte sich soweit, dass das Bistum schon nach kurzer Zeit Schulden tilgen konnte, obwohl gleichzeitig die Steuern gesenkt wurden. Außerdem initiierte der neue Fürstbischof zahlreiche Rechtsreformen wie etwa die Erneuerung der Prozessordnungen. Er erließ eine Feuerschutzordnung, sorgte mit der Waldordnung für zügige Aufforstung und ging gegen Kreditwucher vor. Die Wirtschaft wurde geordnet, eine Straßeninstandhaltungsverordnung erlassen und soziale Fragen neu geregelt. Allerdings gilt Echter auch als einer der größten Hexenverfolger. Allein 1617 wurden im Bistum mehr als 300 angebliche Hexen hingerichtet.

Ein Kernanliegen Echters war die Gegenreformation. Er ließ verwaiste Priesterstellen neu besetzen und ungeeignete Pfarrinhaber ersetzen, meist durch Jesuitenmönche. Protestanten wurden aufgefordert, die Religion zu wechseln oder das Land zu verlassen. In der Diözesanvisitation von 1585 bis 1587 besuchte er persönlich alle größeren Orte, um die Gegenreformation zu forcieren. Er richtete Volksmissionen ein und ließ mehr als 300 Kirchen bauen oder restaurieren. Sein Vorgehen war erfolgreich: Während der schwedischen Besatzung im Dreissigjährigen Krieg blieben die meisten Einwohner katholisch.

In der Reichspolitik war das Bistum zu Echters Zeit eher isoliert. Die Ursache war seine wenig rühmliche Rolle beim sogenannten „Fuldaischen Handel“. Das Fuldaer Domkapitel und die protestantischen Fürsten hatten ihn 1576 aufgefordert, die Regierungsgewalt im Hochstift Fulda zu übernehmen. Die Bemühungen des Fürstabts Balthasar von Dernbach um die Gegenreformation und die Besserung des Domkapitels brachten Fürsten und Domkapitulare gegen diesen auf. Im Mai 1576 wurde Balthasar abgesetzt und floh nach Mainz, wo er Papst und Kaiser um Hilfe bat. Die Übernahme von Fulda wurde für null und nichtig erklärt und Papst Gregor XIII. drohte Echter mit dem Kirchenbann, falls Würzburg Fulda nicht wieder herausgeben würde. Echter bestand auf einer gerichtlichen Klärung, die Würzburg 1602 verlor und zu Schadensersatz und Übernahme der Prozesskosten verurteilt wurde.

Im zersplitterten Deutschland gehörte das Bistum zunächst dem "Landsberger Bund" an, einer Vereinigung katholischer und protestantischer Fürsten. Er ermöglichte dem Fürstbischof, 1595 gefahrlos die Gegenreformation durchzuführen, wurde jedoch 1598 aufgelöst. 1609 trat Würzburg dem Verteidigungsbund der "Katholischen Liga" bei. Im Frühjahr 1610 fielen denn auch protestantische Ansbacher Truppen ein, was Echter veranlasste, selbst Verteidigungsmaßnahmen zu ergreifen. Bereits im Herbst 1610 standen seiner Landwehr 40 000 Musketiere zur Verfügung. Die zersplitterten Grenzen des Bistums versuchte er in einer Arrondierungspolitik zu glätten. Verpfändete Ländereien wurden eingelöst und neue von verschuldeten Fürsten gekauft.

Große Verdienste erwarb sich der Fürstbischof auf sozialem Gebiet durch die Gründung der Universität und des Juliusspitals. In Würzburg hatte es bereits unter Fürstbischof Johann von Egloffstein 1402 eine Universität gegeben, die jedoch bald nach dessen Tod 1411 geschlossen wurde. Das Bistum war weder in der Lage, Priester noch weltliche Beamte selbst auszubilden. Am 11. Mai 1575 erwirkte Echter daher von Kaiser und Papst die Rechte für den Betrieb einer katholischen Universität.

Das Domkapitel stand allen Versuchen Echters zum Ausbau der Hochschule entgegen, da es eine Zunahme des Einflusses der Jesuiten befürchtete. So betrieb der Bischof die Finanzierung mit Hilfe der Klöster. 1582 begann Echter mit dem Bau eines neuen Universitätsgebäudes, des neuen Priesterseminars und der Universitätskirche. 1589 stiftete er das Priesterseminar. Als erster Universitätsrektor wurde Echter selbst gewählt. Auch auf dem Land war Echter um die Bildung besorgt und förderte das Schulwesen.

Gegen den erneuten Widerstand des Domkapitels ließ er 1576 den Grundstein für ein großes Armenspital mit Waisenheim legen, das heutige Juliusspital, gestiftet am 12.März 1579. Das Krankenhaus entstand unter anderem auf einem seit der Vertreibung der Juden verwilderten jüdischen Friedhof. Auch in Arnstein, Dettelbach, Ebern, Gerolzhofen, Haßfurt, Heidingsfeld, Iphofen, Karlstadt, Königshofen, Mellrichstadt, Münnerstadt, Neustadt, Röttingen und Volkach ließ Echter Spitäler einrichten.

Literatur:

Julius Echter und seine Zeit, hg. Friedrich Merzbacher 1973.