Franz Ludwig Freiherr von Erthal (1730-1795)
Fürstbischof von Würzburg und Bamberg
Franz Ludwig von Erthal baute die barocken Hochstifte Würzburg und Bamberg innerhalb von 16 Jahren zu aufgeklärten Staatswesen um. Sein Wesen war von fast puritanischen Zügen gekennzeichnet, er regierte sein Land mit tiefer Frömmigkeit und regierte mit großer Empfindsamkeit für die Not der Menschen. In geistlichen Fragen stand die Seelsorge anders als bei manchem seiner Vorgänger bei ihm an erster Stelle. Bis zu 150 Stunden in der Woche soll der ebenso gütige wie ernste Regent gearbeitet haben. Der Fürstbischof verstand sich ganz im Sinne der Aufklärung als ”erster Diener seines Staates”, als Priester war sein Ziel, das Muster eines „guten Hirten” zu geben.
Erthal wurde am 16. September 1730 in Lohr am Main geboren, damals zum Erzbistum Mainz gehörig. In Mainz, Würzburg, Bamberg, Rom und Wien studierte er Theologie und Rechtswissenschaft und wurde dann Domherr in Würzburg und später in Bamberg. 1763 ernannte ihn der barocke Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim Regierungspräsidenten des Hochstifts Würzburg. Als Gesandter am Kaiserhof hinterließ er einen so guten Eindruck, dass Joseph II. ihn zum Kaiserlichen Konkommissär ernannte. Er betraute Franz Ludwig 1768 mit der verantwortungsvollen Aufgabe der Visitation des Reichskammergerichts in Wetzlar. Erthal blieb sieben Jahre, wechselte dann an den Immerwährenden Reichstag nach Regensburg, ehe er im Frühjahr 1779 von den Domkapiteln in Bamberg und Würzburg einstimmig zum neuen Fürstbischof gewählt wurde.
Als Fürstbischof von Würzburg und Bamberg wirkte nach dem aufgeklärt-absolutistischen Grundsatz: “Alles für die Untertanen, aber alles durch den Fürsten.“ Anders als sein Vorgänger Adam Friedrich von Seinsheim war Erthal war kein Freund von weltlichen Vergnügungen. Bei Hofe gab es keine Jagden und Opernaufführungen mehr, die Lotterie schaffte er ab, weil sie den Charakter verderbe, aus der Residenz ließ er Bilder entfernen und schloss das Hoftheater. Den Theaterfundus ließ er zugunsten eines Waisenhauses verkaufen.
Die Sorge um die Armen, die einen Großteil seiner rund 410 000 Untertanen ausmachten, war ein Grundpfeiler seines Schaffens. Er richtete in Dörfern und Städten Armeninstitute ein und erließ bereits 19 Tage nach Regierungsantritt Armengesetze, die sogar die Säkularisation überdauerten: Sie bildeten die Grundlage für die Armengesetze des Königreichs Bayern von 1816. Einen Großteil der fürstlichen Domänengüter verteilte er an seine Untertanen. Nach Auffassung von Kirchenhistoriker Klaus Wittstadt kann Erthal in seiner Sorge um das Eindämmen von Hunger, Armut und Krankheit als ”erster Sozialbischof” gelten. Würzburg und Bamberg waren damals nahezu reine Agrarstaaten. So war es bedeutsam , dass Erthal in Würzburg eine Tierarzneischule gründete und an der Bamberger Universität einen Lehrstuhl für Veterinärmedizin einrichten ließ.
Bildung und medizinische Versorgung lagen Erthal sehr am Herzen. Er führte Mädchenschulen ein, erhöhte die Besoldung der Lehrer, setzte sich für eine bessere Ausbildung des medizinischen Personals ein und ging gegen Kurpfuscher vor. Er ließ das Würzburger Juliusspital zu einem modernen Lehrkrankenhaus weiterentwickeln und gründete mit dem Allgemeinen Krankenhauses in Bamberg ein Klinikum von europäischer Geltung. Krankenkassen, Witwen- und Waisenkassen entstanden. Die Universitäten in Würzburg und Bamberg reformierte er mit der ihm eigenen Gründlichkeit.
Im Geiste der Aufklärung reformierte er die Erziehung des Klerus. Er verlangte er ein an pastoralen Gedanken ausgerichtetes Theologiestudium. Als guter Kanzelredner mit einer klaren, einfachen Sprache reiste er selbst durch die Pfarreien, um ”dem armen Landvolck das Evangelium zu verkündigen”. Der Verehrer Kants bemühte sich, den katholischen Glauben mit den geistigen, politischen und gesellschaftlichen Forderungen der Zeit in Einklang zu bringen. In der Theologie verteidigte er Reformer wie den Dogmatiker Franz Oberthür oder den ”fränkischen Voltaire” Franz Berg gegen konservative Angriffe.
Erthal war durchaus auf seinen Machterhalt bedacht. Dennoch schloss er sich nicht jenen Erzbischöfen an, die sich durch die 1785 in München eingerichtete päpstliche Nuntiatur in ihren Rechten bedroht fühlten und in der Emser Punktation von 1786 eine von Rom fast unabhängige deutsche Nationalkirche forderten. Reichspolitisch stand Erthal zu Kaiser Joseph II. und weigerte sich folgerichtig dem Fürstenbund Friedrichs II. beizutreten.
Nach einem arbeitsamen Leben starb Erthal am 14. Februar 1795 in Würzburg. Nachrufe bestätigten ihm ”rastlose Sorge für die Untertanen” und sprachen von einem Oberhirten, ”der nur für sein Volk lebte”.
Jerzy Staus
Literatur:
Michael Renner, Franz Ludwig von Erthal. In: Fränkische Lebensbilder, hg. Pfeiffer, Gerhard. Band I. Würzburg: Schöningh 1967, S.286 ff.
|