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Pater Clemens Fuhl (1874-1935)

Pater Clemens Fuhl wurde am 18. Juni 1874 als Vinzenz Fuhl in Aidhausen bei Schweinfurt geboren. Sein Vater übte den Beruf eines Landwirts und Töpfermeisters aus und hatte sechs Kinder. Als er im Alter von 40 Jahren starb, geriet die Familie in große Not.

Nur durch das Engagement seines Heimatpfarrers Georg Weimer konnte Vinzenz Fuhl ab 1888 das Gymnasium in Münnerstadt besuchen. Dort lernte er Pater Pius Keller kennen, der seine geistige Entwicklung entscheidend prägte.

Nach dem Abitur 1893 trat Vinzenz in den Augustinerorden ein und empfing den Namen Clemens. Er studierte in Würzburg Theologie und wurde am 1. August 1897 zum Priester geweiht. 1902 trat Pater Clemens das Amt eines Definitors (Beraters des Provinzials) an und wurde Novizenmeister im Münnerstädter Augustinerkloster. Drei Jahre später berief man ihn zum Sekretär des Provinzials, 1908 zum Klerikermagister, schließlich zum Prior in Münnerstadt, zum Religionslehrer am dortigen Gymnasium und zum Direktor der Ritaschwestern. Allmählich weiteten sich seine Aufgaben auf die ganze Provinz aus. P. Clemens wurde Provinzsekretär, Provinzrat und Provinzvikar, bis ihn seine Mitbrüder 1920, 1924 und 1927 zum Provinzial wählten.

In diesem Amt bemühte er sich erfolgreich um den Ordensnachwuchs: Im Mitgliederkatalog der deutschen Provinz von 1925 wird ein Anstieg auf 57 Patres und 47 Brüder genannt. In den neun Jahren seines Provinzialats (1920-1929) errichtete er in vier Klöstern neue Internate, außerdem in Würzburg und Münnerstadt Brüderschulen. Dadurch wuchs allein die Zahl der Laienbrüder von 50 auf 156. In seiner Amtszeit gab es den größten Zuwachs an Ordensmitgliedern in der Geschichte der deutschen Augustiner.

1922 gingen auf Pater Clemens Geheiß die ersten deutschen Augustiner nach Nordamerika, primär um während der Reparations- und Inflationszeit Geld für den rasant anwachsenden Orden zu verdienen. Aus dieser Initiative entstand zunächst eine Vizeprovinz und 1968 die Provinz Sankt Joseph mit Häusern im Norden der USA und in Kanada. 1929 reiste Pater Clemens selbst nach Amerika und legte dort die Leitung der Heimatprovinz nieder. Trotz seiner schweren gesundheitlichen Beeinträchtigung – er hatte nur noch einen Lungenflügel – übertrug man ihm 1931 in Rom als Generaloberen die Leitung des gesamten Augustinerordens. In der Ausübung dieses Amtes starb Pater Clemens am 31. März 1935 in der 3650 Meter hoch gelegenen bolivianischen Hauptstadt La Paz an einer Lungenlähmung infolge der Höhenkrankheit Soroche.

Der Seligsprechungsprozess für Pater Clemens wurde 1962 eröffnet. Er gilt neben Pater Pius Keller, für den 1934 ebenfalls ein Seligsprechungsprozess eingeleitet wurde, als größter Förderer und Erneuerer des Augustinerordens in Deutschland.

Von seinem Wesen her sei Pater Clemens eher zurückhaltend und kontemplativ gewesen. Dennoch habe er bis zur letzten Konsequenz ein Leben der Pflichterfüllung für seinen Orden geführt. Er habe klare Führungsarbeit geleistet und kühne Planungen begonnen und auch erfolgreich durchgeführt (Günter Beaugrand). Geschätzt wurde er wegen seiner hilfsbereiten und verständnisvollen Güte sowie seiner Gottesliebe, die sich im Alltag bewährte.

Jerzy Staus

Literatur:
+ Günter Beaugrand. Die neuen Heiligen: Große Christen auf dem Weg zur Heilig- oder Seligsprechung. Augsburg 1991.
+Thomas Beckmann und Adolar Zumkeller: Geschichte des Würzburger Augustinerklosters von der Gründung im Jahre 1262 bis zur Gegenwart. Würzburg: 2001.