Pater Pius Keller (1825-1904)
Als Sohn des Landwirts Johannes Keller und seiner Frau Margarethe kam Pius Keller am 30. September 1825 in Ballingshausen bei Schweinfurt auf die Welt. Er wurde nach seinem Vater auf den Namen Johannes getauft. Nach dem Besuch des Münnerstädter Augustinergymnasiums von 1837 bis 1844, nahm Johannes in Würzburg das Studium der Philosophie, Altphilologie und Theologie auf. 1846 trat er in das Würzburger Priesterseminar ein, ein Jahr später beendete er seine Studien mit dem Prädikat „sehr gut“. 1849 sollte ein ereignisreiches Jahr für ihn werden: Bischof Georg Anton von Stahl weihte ihn zum Priester, er nahm eine Stelle als Lateinlehrer in Münnerstadt an und wurde zudem als „Weltpriester“ in den Orden der Augustiner aufgenommen, von dem er den Namen Pius erhielt. Als jüngster Mitbruder wählte man ihn bereits 1853 zum Prior des Augustinerkonvents Münnerstadt. Dieses Amt übte er zunächst bis 1859 aus, als er zum Generalkommissär der deutschen Augustinerklöster berufen wurde. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland nur zwei Augustinerklöster: Würzburg und Münnerstadt. Von 1865 bis 1870 war er Prior seiner ersten Neugründung, des Klosters von Germershausen (Eichsfeld), danach wieder Prior von Münnerstadt. 1872 –1881 wirkte Pater Pius als Generalassistent für sämtliche Augustinerklöster in Deutschland, Holland, Belgien, Polen und Böhmen. Er blieb bis 1895 Generalkommissär und wurde dann zum ersten Provinzial der wiedererrichteten deutschen Augustinerprovinz berufen. Bis 1897 übte er mit Ausnahme der Germershausener Jahre zusätzlich noch seine Tätigkeit als Gymnasiallehrer in Münnerstadt aus. Bis zu seinem Tod am 15. März 1904 gründete Pater Pius in Fuchsmühl (Oberpfalz) und Fährbück bei Würzburg zwei weitere Konvente. Die herausragende Leistung von Pius Keller liegt in der Erneuerung des Augustinerordens in Deutschland nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In Münnerstadt durfte er nur Novizen aufnehmen, die Lehrer am dortigen Gymnasium werden wollten. So suchte er nach einer Möglichkeit, außerhalb Bayerns Klöster zu gründen. Als ihm der Bischof von Hildesheim das verlassene Kloster von Germershausen anbot, griff Pater Pius zu. Doch waren die Lebensbedingungen dort so karg, dass die Augustiner drohten, wieder in ihre Heimat zurück zu gehen. Pius zog daraufhin als Prior nach Germershausen und arbeitete, hungerte und betete solidarisch mit ihnen. Die Lebensweise des Paters sei „sehr streng“, sein Wesen „von einer leisen Unerbittlichkeit“ gewesen. Er habe abgetragene Kleider getragen und sich sein Zimmer auch im Winter nicht heizen lassen. Dennoch habe er sich sein ganzes Leben hindurch ein „menschliches, mitfühlendes Herz bewahrt. (Günter Beaugrand) Bereits zu Lebzeiten wurde Pater Pius wie ein Heiliger verehrt. Im Januar 1934 eröffnete Bischof Dr. Matthias Ehrenfried in Würzburg den Seligsprechungsprozess. Kurz vor Abschluss vernichtete der Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 jedoch sämtliche Unterlagen. 1956 wurde das Verfahren von Bischof Dr. Julius Döpfner erneut eröffnet und die Akten noch im selben Jahr nach Rom weitergeleitet. Dort wurde 1960 der Schriftenprozess abgeschlossen. Eine Entscheidung steht jedoch immer noch aus. Im Münnerstädter Augustinerkloster gibt es einen Gedenkraum mit Möbeln und Schriftstücken aus dem Besitz von Pater Pius. In der Klosterkirche ist an seiner Grabstädte eine Gedenktafel angebracht. Jerzy Staus Literatur: + Günter Beaugrand. Die neuen Heiligen: Große Christen auf dem Weg zur Heilig- oder Seligsprechung. Augsburg 1991. |