Die Bekehrung
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| Bekehrungsszene: Augustinus liest den Römerbrief B. Gozzoli, 1465 |
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Nun schlug für Augustin die Stunde der Bekehrung. Die Confessiones schildern sie mit hohem sprachlichen Können. Augustin spricht "von einem großen Aufruhr im Innern seines Hauses" (conf. 8,19). Er stürmt auf seinen Freund Alypius zu, der schon seit der Zeit in Karthago seine geistige Entwicklung mitverfolgte: "Hast du das gehört? Ungebildete stehen auf und reißen den Himmel an sich, und wir mit unserer Bildung ohne Herz wälzen uns in Fleisch und Blut". In diesem Zustand ging er in der Garten. Er ließ sich dort unter einem Feigenbaum nieder. Als müßte er nochmals die Qualen seiner manichäischen Irrtümer vom doppelten Willen durchleiden, klagte er sich unter Tränen heftig an: "Wie lange noch, wie lange morgen und morgen? Warum nicht jetzt? ... Solches sprach ich ... Und siehe, da höre ich eine Stimme aus dem Nachbarhaus, ob es ein Knabe oder ein Mädchen ist, weiß ich nicht, die in singendem Ton oftmals wiederholt: 'Nimm und lies! Nimm und lies!' Sofort veränderte sich mein Antlitz und ich begann gespannt nachzudenken, ob Kinder in irgendeinem Spiel derartiges zu leiern pflegen, aber ich erinnerte mich nicht, je solches gehört zu haben. So hielt ich den Strom meiner Tränen zurück und erhob mich; denn ich konnte es nicht anders deuten, als daß mir von Gott befohlen werde, ein Buch zu öffnen und dort das erste Kapitel zu lesen, das ich finden würde". So kehrte er eilends zu Alypius zurück, wo er die Briefe des Apostels liegengelassen hatte. Er greift danach und liest Röm 13,13f.: "Nicht in Gelagen und Zechereien, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Hader und Eifersucht, ziehet vielmehr den Herrn Jesus Christus an und pflegt nicht das Fleisch zur Erregung eurer Lüste". Weiter wollte er nicht lesen, denn Licht erfüllte sein Herz, und alle Finsternis war wie zerstoben (conf. 8,28-30). Die Taufe und die ersten philosophisch ausgerichteten Schriften
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| Augustinus wird von Ambrosius getauft Marchigiana-Schule (15. Jahrh.) |
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Bald nach der Bekehrung gab Augustin sein Lehramt in Mailand auf. Er zog sich mit einer kleinen Schar von Verwandten, Freunden und Schülern auf das Landgut Cassiciacum, unweit Mailand, zurück, das ihm sein Freund Verecundus für einige Zeit zur Verfügung stellte (conf. 9,3). Dort verbrachte er den Herbst und auch den Anfang des Winters in philosophischen Gesprächen, mit Vergillektüre, Meditation und Gebet. Dort entstanden auch seine ersten uns überlieferten Schriften. Im Winter kehrte er zur Vorbereitung auf die Taufe, die er in der Osternacht aus den Händen des Bischofs Ambrosius empfing, nach Mailand zurück (conf. 9,6). Noch in diese Zeit seines zweiten Mailänder Aufenthaltes fallen die Arbeiten an den ersten eines auf viele Bände geplanten Unterrichtswerkes zu den Freien Künsten. Ziel dieser neu konzipierten Enzyklopädie war eine Reform des gesamten Unterrichtswesens. Die neuen Lehrbücher sollten das pädagogisch-didaktische Anliegen verfolgen: "die Lernenden vom Körperlichen zum Unkörperlichen zu führen" (retr. 1,6).
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