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Der Schriftsteller und sein immenses literarisches Werk (1)

a) Das apologetische Schrifttum

Gewiß hatte das kirchliche Amt Augustins Arbeitsfeld und Lebensrhythmus verändert. Trotzdem blieb er auch während seines Episkopates allem voran Theologe und Schriftsteller. Seine bleibende Bedeutung gründet letztlich in den großen theologischen Werken, die er erst als Bischof in Angriff nahm und die er darum auch bewußt als eine Dienstleistung an der Kirche verstanden wissen wollte. Dies zeigt sich bis in die Wahl der Themen. Innerhalb seiner Werke kann man drei, durch apologetische Zielsetzungen bestimmte, größere Themenbereiche unterscheiden: den antimanischäische, den antidonatistischern und den antipelagianischen. Antimanichäische Themen beschäftigten Augustin schon in Rom, in Thagaste  und während seiner Presbyterzeit in Hippo. Bald nach seiner Bischofsweihe schrieb er noch neben einigen kleineren Abhandlungen seine insgesamt 33 Bücher umfassende Auseinandersetzung mit dem Manichäerbischof Faustus. Um die Wende zum 5. Jahrhundert verebbte allmählich das antimanischäische Schrifttum, da die Manichäer - freilich auch durch die staatliche Gesetzgebung - so gut wie besiegt waren.

Das gegen die Donatisten gerichtete Schrifttum Augustins, dessen Abfassungszeit sich auf rund 25 Jahre erstreckt, umfaßt in der kritischen Textausgabe der Österreichischen Akademie der Wissenschaften nicht weniger als ein Dutzend Titel. Als Bischof führte er mehrere Debatten mit den Donatistenführern, von denen einige im Wortlaut festgehalten und veröffentlicht wurden.

Noch während der antidonatistischen Kontroverse beginnt um 412 die dritte apologetische Periode im schriftstellerischen Schaffen Augustins, die Bekämpfung des die Rolle der Gnade im Rechtfertigungsprozeß hintansetzenden Pelagianismus. Auch dabei erreichte Augustin durch seine unermüdliche Auseinandersetzung mit den Gegnern die Verurteilung der Pelagianer nicht nur seitens der Kirche, sondern auch seitens des Staates. Sein letztes Werk gegen den Pelagianer Julian blieb unvollendet, weil der Tod ihm gleichsam die Feder aus der Hand nahm.

Augustin bekämpfte indes in seinen Schriften auch andere Häresien wie z.B. die Arianer und die gnostischen Priszillianisten als Anhänger der Irrlehren des Origenes. Noch zwei Jahre vor seinem Tode verfaßte er auf Drängen des Diakons Quodvultdeus in Karthago ein Handbuch der Häresien, De haeresibus, in dem er nicht weniger als 88 verschiedene Irrlehren beschrieb und beurteilte. Wirft man einen Blick auf die Titel seiner Werke, so kann einem allein schon aufgrund dieser Einsichtnahme die dominierende Rolle des Apologetischen nicht entgehen. Zweifelsohne war der Bischof von Hippo einer der größten Apologeten der Kirche, und dennoch erschöpfte sich sein theologisches Interesse nicht in der Apologetik.