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Der Schriftsteller und sein immenses literarisches Werk (2)

b) Das exegetische

Werk Zu nennen ist darüber hinaus vor allem das exegetische Werk. Zwar war Augustin kein Philologe wie Origenes oder Hieronymus, dennoch dürfte es kaum einen anderen Schriftsteller in der alten Kirche gegeben haben, der bis in seine sprachliche Diktion hinein die Bibel so zum Fundament seines Denkens gemacht hat wie er. Schon in Thagaste schrieb er gegen die Manichäer einen Kommentar zu den Kapiteln 1 und 2 der Genesis. Als Priester legte er die Bergpredigt aus, ebenso den Galaterbrief. Den Römerbrief behandelte er sporadisch. Ein begonnener Kommentar dazu blieb ein Torso. Kaum zum Bischof geweiht, plante er ein 4 Bücher umfassendes Werk über die christliche Wissenschaft, De doctrina christiana. In den ersten 3 Büchern dieser vielleicht als Handbuch für das theologische Studium konzipierten epochalen Schrift entfaltete er die Prinzipien seiner Hermeneutik und auch viele Einzelanweisungen für die Bibelexegese. Teile des 3. und das ganze 4. Buch vollendete er erst vor seinem Tode. Um 400 beschäftigen ihn Fragen zu den Evangelien, Quaestiones euangeliorum), und Probleme der Evangelienharmonie, De consensu euangelistarum. Mit der Auslegung des Schöpfungsberichtes der Genesis befaßte er sich insgesamt in 7 Werken. Zu nennen ist der 12 Bücher umfassende Kommentar De Genesi ad litteram, an dem er 13 Jahre lang (401-413) arbeitete. Ebenfalls über ein Jahrzehnt lang behandelte er in 124 Predigten oder Traktaten das Johannesevangelium und in 10 Traktaten den ersten Johannesbrief. Seine Auslegung des ganzen Psalters - Enarrationes in Psalmos - erstreckt sich sogar auf beinahe 3 Jahrzehnte (392-420). Zum exegetischen Werk zählen ferner die Notizen zum Buch Hiob, Adnotationes in Iob (um 399), die Untersuchungen zum Heptateuch Locutiones in Heptateuchum sowie die Quaestiones in Heptateuchum (um 419), schließlich die noch um 427 veröffentlichte Sammlung von Schriftzitaten, Speculum de scriptura sacra.

c) Die moral- und pastoral-theologischen Schriften

Eine eigene Gattung bilden die sogenannten moraltheologischen Schriften, die - ungefähr ein Dutzend - Augustin während seines Episkopates zu verschiedenen Fragen der Seelsorge (z.B. Enthaltsamkeit, Ehe, Jungfräulichkeit, Witwenschaft, Totenkult etc.) verfaßt hat. Ebenfalls pastoraltheologische Motive dürften ihn um 400 veranlaßt haben, etwas über die katechetische Unterweisung zu schreiben. Er gab in diesem Büchlein De cathecizandis rudibus nicht nur Anweisungen über die Methode der Einweisung in die christliche Lehre, sondern auch Beispiele eines katechetischen Unterrichtes. Wie eng überhaupt Augustin die Seelsorge mit der Theologie verband, zeigt das Buch Über Glaube, Hoffnung und Liebe, das er um 421-423 auf Verlangen eines gewissen Laurentius verfaßt hat. Dieser, so berichtet Augustin in seinen Retractationes (retr. 2,63), habe von ihm ein Handbuch, ein 'Enchiridion' erbeten. Wer allerdings meint, Augustin habe darin zu gleichen Teilen jeweils vom Glauben, von der Hoffnung und von der Liebe geschrieben, der sieht sich enttäuscht. Das erbetene Büchlein wurde schlicht ein Kompendium der Dogmatik, in dem die Darlegung der Glaubenswahrheiten den größten Teil ausfüllt.

d) Das Korpus der Briefe

Bei aller Dringlichkeit und Vorrangstellung der Seelsorge, die Augustin als Bischof anerkannte und um deren Anforderung gerecht zu werden er sich auch ehrlich bemühte, vergaß er mitnichten, daß die Seelsorge ohne die Theologie leer läuft und versandet. Die Verflechtung von Seelsorge und Theologie kennzeichnet sein kirchliches Amtsverständnis. Dies zeigt das umfangreiche Korpus seiner Briefe (246 überlieferte, ein Achtel der Gesamtzahl), durch die er auf die gebildete Welt von damals nicht weniger einwirkte als durch seine Bücher.