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Widmung des CAG 2 und des Tagungsbandes des Augustinus-Studientages 2003 an Staatsminister Dr. Thomas Goppel MdL

Verehrter Herr Vorsitzender Dr. Goppel, Ew. Eminenz, Ew. Exzellenz, Ew. Gnaden, lieber P. Provinzial, liebe Mitglieder der Gesellschaft, sehr geehrte Gäste, meine Damen und Herren.

Als wir vor 25 Jahren mit dem Projekt Augustinus-Lexikon begonnen haben, hörte ich von der Möglichkeit einer Herstel­lung von Texten mit Hilfe der elektronischen Datenverarbei­tung. Noch im Herbst 1979 stellte ich bei der Deutschen For­schungsgemeinschaft einen zusätzlichen Antrag auf Erstellung eines sogenannten KWIC-Index aller Werke Augustins.

Unter der Leitung des für mich zuständigen Dogmatikerkollegen Karl Lehmann aus Freiburg reiste damals eine Gutachter­kommission hierher an, die den Antrag sozusagen auf Herz und Nieren zu prüfen hatte. Nach der Beratung der Gutachter sagte mir Professor Lehmann: Herr Kollege Mayer, wir haben Ihren Antrag genehmigt, aber Sie müssen mir versprechen, binnen zwei Jahren damit fertig zu werden und unverzüglich wieder zur Arbeit am Lexikon zurückzukehren. Ich hatte ihm mein Wort gegeben.

Nun lag 1982 der Index, ein in der Fachwelt begehrtes Instru­ment der Augustinus-Forschung vor. Fast täglich erreichten uns aus aller Welt Bitten um einschlägige Listen, die damals noch per Post versandt werden mussten. Sehr rasch erkannten wir, dass unser Index durch eine Lemmatisierung, d.h. durch Zuordnung der einzelnen Wortformen zu einer Leitform qua­litativ erheblich verbessert werden könnte. Allein, die Deut­sche Forschungsgemeinschaft war nicht bereit, auch diese Ar­beit zu finanzieren.

Was nun tun? Da kam mir die Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung zu Hilfe. Der Vorstand gab grünes Licht, von der Deutschen Bischofskonferenz erhielt ich für zwei Jahre eine halbe BAT 2 Stelle finanziert und die Univer­sität Gießen engagierte sich mit ihrem Rechenzentrum sowie mit der Zuweisung mehrerer studentischer Hilfskräfte. Bei meiner Verabschiedung aus Gießen war diese Arbeit abge­schlossen. Inzwischen gab es die CD-Rom und wir veröffent­lichten das Produkt zum Zeichen des Dankes unter dem Titel Corpus Augustinianum Gissense – Das Gießener Augustinus-Korpus.

Das Echo in der Fachwelt war abermals mehr als zufrieden­stellend. Rezensionen aus dem In- und Ausland rühmten das CAG. Professor Albert Raffelt, ein exzellenter Kenner elektro­nischer Textausgaben, schrieb im Organ Informationsmittel für Bibliotheken 4 (1996) 705-710: «... das CAG gehört zu den Pionierunternehmen elektronischer Datenverarbeitung in der Theologie. ... Die Palme aus der Sicht kritischer Edition, Zi­tatverifikation, praktischer Aufbereitungen ... Einrichtung ei­ner hilfreichen Arbeitsumgebung für Augustinus-Studien ge­bührt zweifelsohne dem CAG. ... Auch technisch gehört das CAG zu den führenden Arbeitsmitteln und übertrifft die mir bekannten vergleichbaren Datenbanken wesentlich».

Seit meiner Rückkehr aus Gießen nach Würzburg wurde auch diese Erstauflage des CAG – nunmehr im Zentrum für Augus­tinus-Forschung mit Hilfe einer völlig neu konzipierten Soft­ware des Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier auf allen Ebenen ihres Informationsan­gebotes erheblich verbessert.

Im Unterschied zum CAG 1 er­hielt das CAG 2 dank der Initiative des Verlegers Dr. Breiten­stein ein dem augustinischen Text angemessenes, nicht nur drucktechnisch, sondern auch ästhetisch höchsten Ansprüchen genügendes Handbuch in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch). Die Leistung meiner hochmoti­vierten wissenschaftlich bestqualifizierten Mitarbeiter, der Herren Hans Joachim Lange, Christof Müller und Alexander Eisgrub, an der Fertigstellung dieses ‹opus grande› (um mit Augustinus zu sprechen) kann ich nicht genügend hervorhe­ben.

Selbstredend war dies alles mit Kosten verbunden, die durch den Verkauf des CAG 1 nur zum Teil gedeckt werden konn­ten. Abermals waren wir auf Spenden angewiesen. Mein Dank gilt deshalb zunächst der Deutschen Augustinerordensprovinz, die neben ihrer reichen Spezialbibliothek zu den Werken Au­gustins auch die gut ausgestatteten EDV-Arbeitsräume zur Verfügung stellt, sodann dem Sekretariat der Deutschen Bi­schofskonferenz, den Finanzdirektoren der Erzdiözesen und Diözesen München, Bamberg und Mainz und insbesondere dem Finanzdirektor der Diözese Würzburg, Dr. Adolf Bauer, nicht zuletzt aber nach wie vor der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-For­schung e.V.

 

Meine Damen und Herren! Augustinus selbst pflegte Werke von ihm seinen Gönnern, Mäzenen und Freunden zu widmen. So finde ich mich mit meiner Widmung in achtbarer Tradition und in bester Gesellschaft. Wenn ich das CAG 2 Herrn Dr. Goppel widme, so tue ich dies aus dreifachem Grund.

Zum 1. Als ich mich mit meinem Lexikonprojekt um einen Wechsel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu einer Akademie bemühen musste, weil nach einem Bund- und Länderbeschluss Langzeitprojekte in die Obhut der Akade­mien überführt werden sollten, haben Sie, verehrter Dr. Gop­pel, als damaliger Staatssekretär im Wissenschaftsministerium bei der entscheidenden Sitzung der Mittelvergabe, die sie an­stelle des Ministers zu leiten hatten, für uns votiert. Sie er­hielten damals von einer bestimmten Seite zwar Prügel, aber nach dem Willen Ihres damaligen Ministerchefs blieb es dabei. Dafür danke ich im Nachhinein.

Zum 2. Als mein Freund und Vorsitzender unserer Gesell­schaft, Reinhold Vöth, 1997 starb, und ich mich um einen Nachfolger umsehen musste, haben Sie – allerdings erst auf Intervention Ihres Freundes Dr. Bauer – meiner Bitte stattge­geben. Ich denke und hoffe sehr, Sie werden diese Zusage nicht bereut haben, und auch in Zukunft nicht bereuen müssen.

Zum 3. Ich schätze wie wohl viele, die Sie kennen, Ihre Elo­quenz. Mindestens in Ihren Briefen, die Sie an die Mitglieder der Gesellschaft Jahr für Jahr zu Weihnachten schreiben, schlagen Ihre wohlformulierten Sätze ideell wie finanziell für uns zu Buche. Darüber hinaus verpflichten Sie mich jedoch durch Ihre hohe Einschätzung unserer Forschungsarbeit zu großem Dank. Wenn ich Ihr Engagement für die von Ihnen geplante Anbindung des Zentrums für Augustinus-Forschung an die hiesige Julius-Maximilians-Universität recht einschätze, dann ging es Ihnen nicht nur um die Absicherung des Zentrums für die Zukunft, sondern auch um eine Bereicherung der Geistes­wissenschaften durch die Beheimatung eines Denkers von Format Augustins in der universitären Landschaft Bayerns – jenes Denkers, der vielleicht wie kein anderer unsere abend­ländisch christliche Kultur geprägt hatte. Auch wenn das Vor­haben gescheitert ist, so danke ich für Ihren Einsatz aufs herz­lichste.

Ich darf den Text der Widmung – seine klassische Diktion stammt vom Redaktor em. des Augustinus-Lexikons Dr. Karl Heinz Chelius – nun vorlesen und übersetzen: Thomae Goppel / Doctori philosophiae Bavaricae rei publicae scientiarum stu­diorumque pervestigationis artique ministro / Augustiniano­rum promovendorum studiorum societatis praesidi / Augusti­nis divi patris doctorum lucis splendidissimae principisque sacrae theologiae fautori.

Thomas Goppel / Doktor der Philosophie / Staatsminister des Freistaates Bayern für Wissenschaft, Forschung und Kunst / Präsidenten der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung / des heiligen Vaters Augustinus, glänzendsten Lichtes unter den gelehrten Vätern und Anführers der heiligen Theologie / Förderer und Gönner.

 

Das Zentrum für Augustinus-Forschung in Würzburg ehrt zum heutigen Festtag auch den ersten stellvertretenden Vorsitzenden der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung, den Herrn Bürgermeister und Finanzdirektor der Diözese Würzburg, Dr. Dr. h.c. Adolf Bauer, durch die Widmung der veröffentlichten Referate ihres im Zusammenwirken mit dem Institut für Pädagogik der Universität Würzburg im Jahre 2003 abgehaltenen Studientages mit dem Rahmenthema Augustinus – seine Bedeutung für die Gegenwart. Prof. Dr. Dr. h.c. Winfried Böhm, Vorstand des Institutes, besorgte die Publikation des Bandes.

Auch für diese Widmung gibt es meinerseits einen dreifachen Grund:

Zum 1. Adolf Bauer war es, der Mitte der 80er Jahre Kritik an dem damals noch Freunde des Augustinus-Lexikons e.V. genannten Förderverein übte. Dies klinge kleinkariert, war seine Meinung. Er schlug nicht nur den neuen Namen Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V. vor, er setzte sich ebenso für einen erweiterten Vorstand und für ein ansehnliches Kuratorium mit neuen Satzungen ein.

Zum 2. Unermüdlich und erfolgreich war er sowohl im Werben neuer Mitglieder wie auch von Fördermitteln und Spenden.

Zum 3. Bei der geplanten Anbindung des ZAF an die Julius-Maximilians-Universität ebnete er mir den Weg über den Diözesanbischof Paul Werner Scheele zu den Behörden der Universitätsspitze. Darüber hinaus bemühte er sich um Kontakte zu Kollegen an der Universität, die bereit waren, Studientage und andere Wege des Zusammenwirkens als conditio sine qua non für die geplante Anbindung zu ermöglichen und zu verwirklichen. Es hat deshalb sein fundamentum in re, wenn wir ihm als Mäzen den ersten Band jener Referate des Studientages von 2003 widmen.

Unsere Widmung – ebenfalls in klassischem Latein von Dr. Chelius – lautet:

Adolf Bauer / Doctori rerum politicarum eidemque doctori honoris causa / civitatis consuli Herbipolensis vicario inter omnes notissimo primario / aerarii episcopalis publici ecclae­siaeque rerum procuratori praestantissimo largitorique libe­ralissimo / Augustinianorum promovendorum studiorum so­cietatis praesidis vice feliciter fungenti / ad augendos soda­lium numeros opesque Augustini investigandi acquirendas exactori intentissimo.

Adolf Bauer / Doktor der Wirtschaftswissenschaften und zugleich Doktor ehrenhalber / der Stadt Würzburg unter allen bekanntestem Erstem Bürgermeister und Stellvertreter / höchst vorzüglichem bischöflichen Finanzdirektor und freigebigstem Spender / der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-For­schung glücklich waltenden Vizepräsidenten / die Zahl der Mitglieder und des Vermögens der Augustinusförderung zu mehren und zu vergrößern angestrengst bedachtem Mahners.

Cornelius Petrus Mayer OSA