Jahresbericht über die Aktivitäten des Zentrums für Augustinus-Forschung e.V. – An-Institut der Julius-Maximilians-UniversitätVon Cornelius Mayer
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| Professor Cornelius Petrus Mayer OSA präsentiert den Jahresbericht 2008 über die Aktivitäten des ‹Zentrums für Augustinus-Forschung e.V.›. |
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Sehr verehrte Mitglieder, Freundinnen und Freunde unserer Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung, meine Damen und Herren!Den Jahresbericht über die Aktivitäten des Zentrums für Augustinus-Forschung vorzulegen, macht diesmal wirklich Freude. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt in der zugenommenen personellen Ausstattung des Zentrums, denn Mitte des Jahres erhielten wir dank der Initiative von Dr. Thomas Goppel, unserem Vorsitzenden als Wissenschaftsminister, für drei Jahre eine halbe Stelle eines qualifizierten Mitarbeiters über die Universität zugewiesen, und seit gut einem Jahr steht uns dank der Vermittlung von Dr. Adolf Bauer, dem Vorsitzenden des Zentrums, Frau Christel Scheler als eine ehrenhalber, aber umso erfolgreicher wirkende Managerin zur Seite. In diesem Zusammenhang darf ich auch noch Herrn Dr. Karl Heinz Chelius, den emeritierten Redaktor, erwähnen, der uns mit seinem reichen philologischen Wissen immer noch zur Verfügung steht. Das Zentrum besteht also mit seinem Vorsitzenden Dr. Bauer zur Zeit aus 12 Personen. In diesem Jahr druckte uns der Verlag Schwabe in Basel einen ansehnlichen Prospekt, der detailliert über die Aufgaben, die Leistungen und die Ziele des Zentrums informiert. – Dieser Prospekt liegt auf; Interessenten mögen sich seiner bedienen. Auch hinsichtlich der Leistungen des Zentrums liegt ein überaus erfolgreiches Vereinsjahr hinter uns. In Kooperation mit einer Reihe von Professoren an der hiesigen Universität führten wir im vergangenen WS (19.1.2008) ein ganztägiges Lektüre- und Diskussionsseminar im Kirchenhistorischen Institut der Katholisch-Theologischen Fakultät über des jungen Augustinus‘ Schrift De beata vita – Das glückselige Leben durch. Bereits zum 6. Mal boten wir im SS ebenfalls in Zusammenwirken mit Kollegen der Universität einen diesmal von etwa 100 Teilnehmern besuchten Studientag über das Rahmenthema ‹Bildung – Wissen – Weisheit› mit 5 Referenten, davon 3 aus anderen Universitäten an. Das Zentrum erfreut sich ebenso eines ungemein regen Zuspruchs auf seinem nunmehr von Guntram Förster phantasievoll und technisch perfekt betreuten Internetportal www.augustinus.de. Die Anzahl der ‹User› bewegt sich in diesem Monat Oktober laut Webstatistik täglich zwischen 1000 und 2000 Besuchern. Diese kamen nach statistischer Reihung vorzüglich aus Netzwerken und aus unbekannten Adressen, sodann aus Deutschland, aus Firmen in aller Welt, aus Österreich, Schweiz, Italien, Niederlande, Russische Föderation, Brasilien, USA, Frankreich, Belgien, Japan, Großbritannien, Schweden, Rumänien, Kanada, Polen, Spanien, Slowakei, Mexiko, Ungarn, Argentinien, China, Luxemburg, Kolumbien, Tschechien und Kroatien. Zunehmend erreichen uns Anfragen, die Augustins Person und Werk betreffen. Da bat uns z.B. in dieser Woche das Deutsche Liturgische Institut um die Abdruckerlaubnis der ins Internet gestellten Predigt Nr. 267 Augustins für eine geplante Veröffentlichung mit dem Titel Geistliche Lesungen für den Tag und die Woche. Da erhielten wir z.B. am vergangenen Mittwoch per e-mail ein Schreiben zweier Studentinnen aus der Uni in Koblenz, die dort ein Didaktik-Seminar mit dem Schwerpunkt «Biographisches Lernen» belegt haben. «Wir haben uns den Kirchenlehrer Augustinus ausgewählt», schrieben sie, «und recherchieren nun nach Material und Information für eine Semesterstunde an der Uni». Ob es möglich wäre, fragen die Damen, ihnen postalisch mit besonderem authentischem Material zu helfen. Am gleichen Tag erreichte uns aus dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu Bonn die telefonische Anfrage über die Richtigkeit des angeblich augustinischen Satzes: «Die Redekunst ist die allerumfassendste Kunst». Meine spontane Antwort lautete, der Satz scheint mir nicht augustinischen Ursprungs zu sein. Ich bat daraufhin meinen langjährigen Mitarbeiter Dr. Christof Müller um Überprüfung in unserer Datenbank. Ich möchte Ihnen seine Antwort deshalb nicht vorenthalten, weil er fast täglich mit der Erledigung solcher zusätzlicher Aufgaben beschäftigt ist. «Liebe Frau Steinbicker», schrieb er, «das von Ihnen als Augustinus-Zitat angeführte und häufig (u.a. auch im Internet) als solches kolportierte Diktum, wonach die Redekunst die umfassendste der Künste sei, geht nicht auf den Kirchenvater zurück, sondern findet sich in der anonymen ‹Rhetorica ad Herennium›, Buch 4, Kapitel 56, Paragraph 69: ‹Ergo amplius in arte rhetorca nihil est›». Dazu schließlich noch ein Kuriosum: Vor gut einem Jahr suggerierte Papst Benedikt XVI. dem Korrespondenten der ARD Michael Mandlik eine Verfilmung des Lebens Augustins. So erreichte uns eines Tages von der Firma Tellux in München die Bitte um beratendes Mitwirken bei diesem Unternehmen. Nach einer ersten Kontaktnahme in München lud ich die Verantwortlichen mit dem Autor des Drehbuchs, Sebastian Henckel von Donnersmark, zu einem Blockseminar zusammen mit meinen Mitarbeitern nach Würzburg ein, das am 3. April stattfand. Auf unsere Kritik hin versprach man die Abfassung eines neuen Drehbuch, das wir dann Anfang September mit der Bitte um erneute Stellungnahme und Kritik erhielten. Dieses erheblich erweiterte ist zwar wesentlich besser als das erste, einige historische Unstimmigkeiten mussten wir jedoch immer noch feststellen. Sie sehen also, meine Damen und Herren, mit solchem Dienst an den an Augustins Person und Werk Interessierten erweitern und fördern wir unseren guten Ruf, den wir in der Fachwelt bereits genießen, auch in der breiteren Öffentlichkeit. Kein Wunder also, dass unsere Webstatistik an Publicity nichts zu wünschen übrig lässt. Erwähnen darf ich schließlich die kontinuierliche Arbeit am Augustinus-Lexikon. Dieses hatte, wie soeben erwähnt, von Anfang an eine hohe Reputation in der Fachwelt. Sein Level zu halten ist Aufgabe des Redaktors Dr. Andreas Grote, sowie seiner von der Mainzer Akademie finanzierten wissenschaftlichen Hilfskräfte, die – das ist mein Eindruck – gerne bei uns arbeiten, weil sie dabei nicht wenig lernen. Freilich ist die Edition eines Lexikons zumal in drei Sprachen mit Sorgen verbunden. Es gibt nämlich auch schwache Artikel, die überarbeitet werden müssen, oder Autoren, die ihre Beiträge nicht rechtzeitig bzw. überhaupt nicht liefern. In früheren Zeiten blieb diese Arbeit häufig an mir hängen. Sie wird jetzt in der Regel von Dr. Müller, unserem habilitierten Mitarbeiter im Zentrum, mit beachtlicher Meisterschaft geleistet. Allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bin ich deshalb zu großem Dank verpflichtet. Mein Dank gilt freilich nicht zuletzt Ihnen, den Mitgliedern der Gesellschaft, die uns über Ihre Beiträge und Spenden die zusätzlichen Finanzen zur Verfügung stellen. Als Geschäftsführer dieser Gesellschaft habe ich einige Persönlichkeiten namentlich zu erwähnen: Frau Ingrid Hemberger, die seit Jahren unentgeltlich unsere Steuersachen erledigt, sodann die beiden Rechnungsprüfer, die Herren Bernhard Müller und Dietmar Müller. *** Meine Damen und Herren! Sicher entgeht Ihnen die Breite der Diskussion über die Bedeutung der Bildung in der gegenwärtigen Gesellschaft, die sich auf dem Weg von einer Spaß- in eine Wissensgesellschaft befindet, nicht. Bildung lebt zweifelsohne vom Wissen und von der Wissensvermittlung. Dass aber Bildung mehr ist als Wissen, das haben große Philosophen, Pädagogen und Didaktiker vom Format eines Augustinus schon immer gewusst. Den bereits erwähnten Prospekt des Zentrums schmücken drei kurze Sätze aus einer seiner Predigten, die dieses Anliegen einer wahren Bildung in vollendeter Rhetorik wie folgt zur Sprache bringen: «Liebt die Wissenschaft, aber zieht die Liebe vor. Die Wissenschaft, wenn sie allein ist, bläht auf. Weil jedoch ‹die Liebe aufbaut› (1 Kor 8,1), erlaubt sie es der Wissenschaft nicht, sich aufzublähen» (Predigt 354,6). – Ich denke, dem ist nichts hinzuzufügen, und ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
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