Forschungsbericht und Planungen des Zentrums für Augustinus-Forschung e.V. an der Julius-Maximilians-UniversitätVon Privatdozent DDr. Christof MüllerSehr verehrter, lieber und schon von Fuldaer Zeiten her geschätzter Herr Erzbischof, sehr geehrte Mitglieder und Freunde der „Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V.“,
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© Foto: Andreas Mack  |
| PD DDr. Christof Müller, Mitherausgeber des Augustinus-Lexikons, verband in seinem Forschungsbericht Rückschau und Ausblick auf die wissenschaftlichen Aktivitäten des Zentrums für Augustinus-Forschung. |
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„Was ist ein Staat?“, so fragt Augustinus in De ciuitate dei, Buch 19 – und wir haben die Antworten des Kirchenvaters vorhin aus denkbar berufenem Munde vernehmen dürfen. „Ein Staat“, so heißt es bei Augustinus unter anderem, „ist die Vereinigung einer vernünftigen Menge, die durch einträchtiges Streben nach gewissen geschätzten Dingen zusammengehalten wird“. Ich erlaube mir, Augustins Problemstellung ein wenig zu modifizieren und zu fragen: „Was ist ein eingetragener Verein?“ Und mit dem Kirchenvater darf ich mutatis mutandis antworten: Auch ein e.V. „ist die Vereinigung einer vernünftigen Menge, die durch einträchtiges Streben nach gewissen geschätzten Dingen zusammengehalten wird“.In Bezug auf unseren Verein, die „Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung“, springt es uns bereits aus dem Namen entgegen, um welche „einträchtig angestrebten und geschätzten Dinge“ es sich bei dieser Vereinigung handelt und handeln muss: eben genau um die „Augustinus-Forschung“! Folgerichtig muss im Rahmen der Jahresvollversammlung dieses unseres Vereins nicht nur Rechenschaft über dessen Finanz- und Mitgliederzahlen abgelegt werden, sondern ebenso, ja desto dringender über die hiesige Augustinus-Forschung. Diese Forschung unter dem Dach des ZAF steht in guten Teilen auf Ihrer aller Schultern – auf den ideellen Schultern und auf den finanziellen „Schulter-Polstern“ der „Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V.“. Wie also war und ist es in letzter und in nächster Zeit um diese Augustinus-Forschung in Würzburg bestellt? Erlauben Sie mir eine selektive Skizze von vier Säulen unserer Arbeit, die ich mit folgenden Begriffspaaren charakterisieren möchte – Begriffspaaren, die auch für das Wirken von Augustinus selbst von Bedeutung waren: 1. Wissenschaft und Weisheit; 2. Bildung und Publikation; 3. Kooperation und Vernetzung; 4. Zukunftssicherung und Zukunftsplanung. Zu Säule 1, Wissenschaft und Weisheit: Zum einen steht das „Augustinus-Lexikon“ nunmehr unmittelbar vor Vollendung seines 3. von insgesamt vermutlich 5 Bänden; nach wie vor hält diese Enzyklopädie ihr hohes wissenschaftliches Niveau, stets aufs neue bestätigt durch Rezensionen und Evaluationen. Zum anderen wurde und wird das „Corpus Augustinianum Gissense“, das elektronische Korpus aller augustinischen Schriften, weiterhin ständig gepflegt und aktualisiert, derzeit mithilfe einer studentischen Hilfskraft, deren Bezahlung Ihren Spenden verdankt ist. Unter anderem integriert diese junge Philologin die sechs Predigten Augustins in unser Korpus, die jüngst in einer Bibliothek in Erfurt neu entdeckt wurden. Und schließlich ist auch die „Datenbank der augustinischen Forschungsliteratur“ permanent im Wachsen begriffen; die Zahl ihrer Datensätze nähert sich mittlerweile der exorbitanten Anzahl von 35 000. Zu Säule 2, Bildung und Publikation: Die Vermittlung augustinischen Denkens und Augustinus betreffender Forschungsergebnisse stand im Mittelpunkt vor allem zweier vom ZAF veranstalteten Bildungsangebote, die auf große und positive Resonanz stießen: das Augustinus-Lektüreseminar im Januar sowie der Augustinus-Studientag im Juni – jeweils organisiert in Zusammenarbeit mit der Universität und jeweils fokussiert auf das Thema „Zeit“, das nicht nur theologisch, sondern vor allem auch philosophisch Interessierte ansprach und anlockte. Einen in jeder Hinsicht noch weiteren Kreis von Interessenten lockt hingegen unsere Homepage „www.augustinus.de“ an, die seit nunmehr zehn Jahren täglich über 1 000 Internet-Besucher über Augustinus und die Augustinus-Forschung informiert. Der rund viermal im Jahr verschickte elektronische Newsletter – hochprofessionell von unserem Herrn Förster redigiert – wartet hingegen erst gar nicht, bis die Kundschaft an unsere Pforten klopft, sondern liefert ihr das augustinische Material auf Wunsch frei Haus in Wohnzimmer oder Büro. Damit ist auch schon das Themenfeld der Publikation angeschnitten: Die mediale Verbreitung von Augustinus-Wissen und Augustinus-Weisheit stand im Hintergrund folgender Veröffentlichungen des ZAF: des von Prof. Mayer besorgten Augustinus-Zitatenschatzes in seiner 5. Auflage, der Festschrift für Prof. Mayer namens „Spiritus et Littera“ mit gut 900 Seiten geballter, aktueller Forschungsergebnisse sowie des jüngsten Studientagsbandes „Augustinus – Recht und Gewalt“, der erst gestern die Druckerei verließ, um hier und heute noch ganz warm und knusprig in erzbischöfliche Hände zu gelangen. Wer diese „heiße Ware“ oder andere Veröffentlichungen des ZAF bestellen möchte, kann sich gerne in die hinten ausliegende Liste eintragen. Zu Säule 3, Kooperation und Vernetzung: Wie schon Augustinus selbst, so versucht auch das ZAF, seine Forschungs- und Bildungsarbeit mittels Zusammenarbeit und Kommunikation in gesellschaftliche Kontexte einzubringen. Zum einen wurde die Verbindung mit der Universität Würzburg weiter verstärkt: Durch personelle Erweiterung des ZAF e.V.-Trägervereins sowie des gemeinsamen Lenkungsausschusses zwischen ZAF und Universität; durch Konsultationen u.a. mit dem Universitätspräsidenten Prof. Forchel; schließlich durch die Übernahme einer Privatdozentur durch meine eigene Person am hiesigen Lehrstuhl für Fundamentaltheologie. Zum anderen wurde die Kooperation mit dem Bistum Würzburg verdichtet, u.a. durch die Besuche des Bischofs Dr. Hofmann, des Domkapitulars Msgr. Putz und des Leiters von Diözesanarchiv und -bibliothek Prof. Merz im ZAF. Schließlich wurde die Vernetzung – Vernetzung, keineswegs Verfilzung – mit der Politik verstärkt: in diesem Zusammenhang seien beispielhaft die Vor-Ort-Gespräche mit der Europa-Abgeordneten Frau Dr. Weisgerber, dem Landtagsabgeordneten Dr. Oliver Jörg sowie der Bezirkstagsvizepräsidentin Frau Bürgermeisterin Linsenbreder erwähnt – ganz zu schweigen von der Tatsache, dass der Landtagsabgeordnete Dr. Goppel und der Würzburger Bürgermeister Dr. Bauer nachgerade täglich im ZAF ein- und ausgehen – es sei denn, dass sie gerade politisch oder gesundheitlich verhindert sind. Zu Säule 4, Zukunftssicherung und Zukunftsplanung: Ein Forschungsbericht muss in die Vergangenheit und soll auf die Gegenwart, er darf aber auch in die Zukunft blicken: Derzeit laufen im ZAF die letzten Vorbereitungen für die Vollendung von „Augustinus-Lexikon“ Band 3 und für den Wechsel des „Corpus Augustinianum Gissense“ in das weltweit gesponnene Inter-Net; gleichzeitig intensivieren sich bei uns im Hause die Planungen für Lektüre-Seminar und Studientag 2011 – beide Veranstaltungen zum Thema „Ästhetik bei und rund um Augustinus“; und schließlich avisieren wir aktuell die Redaktion des nächsten Studientagsbandes mit dem Titel „Bildung – Wissen – Weisheit“. Mittelfristig kreisen die Gedanken des ZAF und seiner Protagonisten jedoch bereits um das Symposion in Rom im Jahr 2012 und hin und wieder sogar schon um ein neues, umfangreiches und interdisziplinäres Forschungsprojekt mit dem Gegenstand der Epistulae, der Briefe Augustins, mittels derer der Kirchenvater mit Personen und Institutionen aus dem gesamten Mittelmeer-Raum korrespondiert hat. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich hoffe, Sie konnten in meiner kleinen Skizze die Überzeugung gewinnen, dass Sie als Mitglieder der „Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung“ mit uns ZAFlern nicht auf das falsche Pferd gesetzt, nicht in die falsche Mannschaft investiert haben. Das ZAF mit seinen hochverdienten älteren und seinen hochmotivierten jüngeren Akteuren möchte Ihnen auch in Zukunft für Ihr gutes Interesse und für Ihr gutes Geld eine gute – sprich: wissenschaftlich und didaktisch hochkarätige – Rendite erwirtschaften. Oder, um es etwas weniger marktwirtschaftlich und etwas deutlicher augustinisch zu formulieren: Das ZAF möchte weiterhin dafür Sorge tragen, dass Sie, die „Vereinigung einer vernünftigen Menge, die durch einträchtiges Streben nach Förderung der Augustinus-Forschung zusammengehalten wird“, das in uns gesetzte Vertrauen auch in Zukunft gerechtfertigt sehen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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