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TRAUERFEIER FÜR DR. ERICH BINDER 28. Dezember 2007, Hofkirche in Würzburg Cornelius Petrus Mayer OSA Verehrte Trauergemeinde, liebe Familie Binder, Freunde und Bekannte des Verstorbenen, Schwestern und Brüder im Herrn. Es ist noch kein Jahr her, dass wir Jossie Binder bestattet haben. Am Rande ihres Grabes fiel mein Blick auf einen Kranz mit dem letzten Gruß: «Ich freue mich unbändig aufs Wiedersehen mit Dir, Erich». Als ich bei meinem nächsten Besuch daraufhin Erich ansprach, antwortete er: «Ja, dies ist meine feste Hoffnung, dort einst zu sein, wo sie jetzt ist». ‹Hoffnung›, dies sollten Christen wissen, gehört wie der Glaube und die Liebe zum Kern christlicher Verkündigung. Papst Benedikt XVI. hat dies jüngst erst in seiner Enzyklika «Spe salvi facti sumus – auf Hoffnung hin sind wir gerettet» mustergültig zur Sprach gebracht. Wer Gott nicht kenne, so der Papst, könne zwar vielerlei Hoffnungen haben, er sei aber ohne die große, unser ganzes Leben prägende Hoffnung, letztlich doch ohne Hoffnung, denn die wahre, durch alle Brüche hindurch tragende Hoffnung des Menschen könne nur Gott sein – Gott, der uns in der Menschwerdung und im Kreuzestod seines Sohnes den Weg zu ihm geöffnet habe (Spe salvi, 27). Ich möchte in der Predigt nicht die vielen Hoffnungen, die sich im irdischen Leben von Erich Binder erfüllt oder nicht erfüllt haben, thematisieren, ich möchte vielmehr – ausgehend von seiner ‹festen Hoffnung›, die er beim Tode seiner Gattin so treffend und bündig artikuliert hatte – jene Hoffnung zur Sprache bringen, die unsere Existenz als Christen prägen soll. Sie ist der Garant dafür, dass wir keinen und keine unserer Lieben verlieren werden. Denn, so formulierte der hl. Augustinus nicht weniger treffend, der verliert keinen und keine, «dem alle in Gott, der unverlierbar ist, teuer sind» (Bekenntnisse, 4,14). Weil der verstorbene Erich Binder sich zu diesem Gott bekannte, habe ich zur Lesung einen Text aus dem Römerbrief ausgewählt, der in seiner Dichte wie kaum ein anderer von der Hoffnung spricht. In der gewählten Perikope aus dem Johannesevangelium versichert Jesus den Seinen, er werde sie nach seinem Weggang zu sich holen, damit auch sie dort seien, wo er ist. Schrifttexte: Römer 5,1-5 Evangelium nach Johannes 14,1-3 Predigt:
Nach dem Taufritual der Kirche befragt der Taufende den Täufling bzw. dessen Paten: «Was begehrst du?» Die Antwort lautet: «Den Glauben». Und auf die weitere Frage: «Was gibt dir der Glaube?» lautet die Antwort: «Das ewige Leben». ‹Ewiges Leben› – was ist das? ‹Der Himmel›, antwortet die Bibel hundert- wenn nicht tausendfach. Denn sie überlässt den Himmel nicht den Engeln und den Spatzen, was Heinrich Heine seinen Lesern suggerierte; nein, ‹der Himmel›, ist ihr Thema, mit dem sie das Leben Gottes und unser Leben bei Gott veranschaulicht. Zugegeben, wir Menschen der Postmoderne tun uns mit der Vorstellung eines ewig währenden Lebens schwer. Einerseits wollen wir nicht sterben, andererseits möchten wir mit unseren zunehmenden Gebrechen und Schwächen nicht endlos dahinvegetieren – denken wir doch beim Begriff ‹ewig› zunächst an eine Endlosigkeit dieser unserer gegenwärtigen Existenz, und dies schreckt uns – zumal im hohen Alter – ab. Streng genommen wollen wir glücklich leben. Gerade darauf aber scheint es der christlichen Verkündigung mit ihrer zentralen Verheißung anzukommen. Ewigkeit besteht nicht aus einer endlosen Abfolge von Kalendertagen, Gottes Ewigkeit besteht in der Fülle seiner Gegenwart. Im Hinblick darauf bedeutet Sterben Ankunft in der Ewigkeit, bedeutet die Ewigkeit selbst den erfüllten Augenblick, in dem uns das Ganze, aus Zeit und Ewigkeit bestehende Leben umfängt und wir dieses Ganze des Lebens umfangen (Spe salvi, 12). Freilich hat unsere Teilnahme an der Ewigkeit ihren Preis, und dieser Preis ist das Kernthema des Neuen Testamentes – ebenso bündig wie eindringlich dargelegt im Römerbrief, dem unsere kurze Lesung entnommen ist. Sie beginnt mit dem lapidaren Satz: «Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn». Der Satz setzt nicht nur voraus, dass der Mensch in einer von Gott entfremdeten Welt lebt, sondern auch dass er diese Entfremdung schuldhaft verursacht hat. «Es gibt keinen, der gerecht ist, ... es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen» (Röm 3,10-12). Mit diesen Worten aus dem Psalm 14 bringt der Apostel die Situation des Menschen vor Gott auf den Punkt: «Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren» (Röm 3,23). Darauf setzt dann der Apostel an, das Drama der Erlösung darzustellen: «Ohne ihr eigenes Zutun» – dieser Gedanke ist für das Neue Testament insgesamt eminent wichtig – «werden sie (die vor Gott Ungerechten) gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Jesus Christus». Der Preis der Erlösung ist jedoch nicht gering. Denn die Schuld verlangt Sühne, die der Mensch zu leisten nicht in der Lage ist. Daher fährt der Text fort: «Ihn», den Sohn, dessen Menschwerdung wir in diesen Tagen feierten, «hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben. So erweist Gott seine Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden ... um zu zeigen, dass er gerecht ist und den gerecht macht, der an Jesus glaubt» (Röm 3,25). Dieser Glaube an Christi Erlösungswerk wird von uns Christen eingefordert. Der Kern unserer kurzen, nur aus 5 Versen bestehenden Lesung über den Grund, den Inhalt und das Ziel unserer Hoffnung lautet: Wir werden von Gott anerkannt und angenommen – das heißt ‹gerecht gemacht›. ‹Gerecht gemacht›, weil wir an den glauben, der für uns gestorben ist und von den Toten auferweckt wurde. Deshalb heißt der zentrale Satz der Lesung: «Wir rühmen uns unserer Hoffnung». Welcher Hoffnung? Der Hoffnung «auf die Herrlichkeit Gottes». Aufgrund solcher Aussicht fügt der Apostel im Hinblick auf unsere irdische Existenz hinzu: «Wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen». Warum lässt die Hoffnung nicht zugrunde gehen? Weil «die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist». Welch kühne Kette der Folgerungen mit der abschließenden Quintessenz beim Verweis auf die in unser Herz ausgegossene Liebe Gottes als Gabe des Hl. Geistes! In der Eingang erwähnten Enzyklika «Auf Hoffnung hin sind wir gerettet» unterstreicht auch Papst Benedikt, was das Unterscheidende der Christen in der Welt sei, nämlich «dass sie Zukunft haben» und infolge dessen «ihr Leben nichts ins Leere läuft», wie bei denen, «die keine Hoffnung haben» (Spe salvi 2 mit 1 Thess 4,14). Indes, die Hoffnung der neutestamentlichen Verheißungen zielt nicht auf die Erfüllung irdischer Wünsche ab: nicht auf Wohlstand, nicht auf Gesundheit, nicht auf Erfolg, nicht auf Ansehen und dergleichen, so berechtigt diese für unser Fortkommen im Alltag auch sein mögen. Sie sind die kleinen Hoffnungen gegenüber jener, die sich uns in Christi Erlösungswerk erschließt: die Hoffnung auf den Himmel. Von ihr spricht unsere Evangelienperikope, die Jesus die Worte in den Mund legt: «Wenn ich gegangen bin und einen Platz euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin». Unsere Hoffnung auf das Heil – darüber lässt das Neue Testament keinen Zweifel aufkommen – ist keine individualistische, keine auf das Ich bezogene, sondern eine gemeinschaftliche. Das ‹ewige Leben› hat man ebenso wenig aus sich wie für sich. ‹Ewiges Leben› ist Beziehung zu dem, der die Quelle des Heils ist, und darum Beziehung auch zu jenen, denen er sein Heil schenkt. Sofern dürfen wir als Gläubige voller Zuversicht darüber sein, dass die Hoffnung von Erich Binder, dort zu sein, wohin seine Gattin Jossie ihm vorausging, nunmehr in Erfüllung gegangen ist. Lassen Sie mich zum Abschluss nochmals auf den Römerbrief, auf dieses wohl tiefsinnigste aller neutestamentlichen Zeugnisse über das Wesen des Christentums zurückkommen. Das Ende der auch sprachlich ungemein faszinierenden Ausführungen über die Rettung des Menschen als Sterben und Leben mit Christus mündet in einen Hymnus der Zuversicht und der Hoffnung inmitten aller möglichen Gefahren und Gefährdungen unseres irdischen Daseins: «Was ergibt sich nun, wenn wir dies alles bedenken?» So fragt der Apostel. «Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben; wie sollte er uns nicht alles schenken? Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der sie gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist und auferweckt wurde, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein. Wer kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: ‹Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden wie Schafe behandelt, die man zum Schlachten führt›. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftige, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes in Christus Jesus, unserem Herrn.» Amen.
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