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Nachruf für

Herrn Hans Rösch

(Gräfelfing, 1. Dezember 2005)

von P. Albrecht Herrmann OSA

Liebe Lucia! Liebe Familie Rösch! Liebe Familie Weber! Verehrte Trauergemeinde!

Ein 1997 erschienenes Buch von Phil Bosmans heißt: "Vergiss die Liebe nicht!" – Leben mit dem unglaublichen Gott.

Lassen Sie mich daraus einen Abschnitt meinen Gedanken zum Tod meines Freundes
Hans R ö s c h voranstellen!

Phil Bosmans schreibt:

Er hieß Jan – Jan Frans.

"Ich bin der glücklichste Mensch des 20. Jahrhunderts!", schrieb er nach seiner Priesterweihe.

Als Mensch und Priester war Jan eine gewinnende Gestalt! Herzlich, liebenswürdig, witzig und voller Charm und auch mit einem Schuss Schalk eroberte er die Herzen der Menschen im Flug.

Er sollte 42 Jahre alt werden.

Als er sieben Jahre vorher mit Sicherheit wusste, dass er unheilbar krank war, den sicheren Tod vor Augen, meinte er geradezu heiter: "Ich habe doch in meinem Leben viel Freude gehabt!

Weißt Du, wie ich mich fühle? Wie einer, der alles für die große Reise bereits eingepackt hat. Nur die Schuhe – die Schuhe wollen nicht mehr hinein!"

Oft sprachen wir über den Tod. Er hatte Bücher darüber gelesen.

Wenn er sah, wie die Leute sich aufregen über alles Mögliche, wie sie sich abhetzen, begann er leise vor sich hinzulachen:

"Schau sie Dir an! Wie sie herumhetzen und rennen! Und einen Augenblick später liegen sie tot da!", sagte er dann.

"Viele Dinge kann ich einfach nicht ernst nehmen, für die andere sich kaputt machen. Das Haus, das man auf diese Welt baut, ist eine Illusion. Und eines Tages sagte er noch dies:

"Nur die Dinge, mit denen du sterben kannst, sind es wert, damit zu leben! So viele sind das nicht!

Wo gibt es eine sinnvolle Antwort auf die Fragen der Menschen?

Eine Antwort kann nur sinnvoll sein, wenn sie umfassend und tief genug ist, dass sie auf a l l e Menschen zutrifft.

Dass sie dem Leben eines Menschen Inhalt gibt – auch dem, der sein Leben lang im Rollstuhl sitzt.

Auch dem Leben einer Mutter, die ein schwerbehindertes Kind hat. Dem Leben von Menschen, die vom Schicksal verfolgt werden.

Dem Leben eines Kranken, der noch jung ist und weiß, dass er unheilbar krank ist.

Weißt Du: Solch eine Antwort finde ich nirgends – in keiner Philosophie oder Ideologie.

Wenn mich das Absurde von Leid und Tod entsetzt und ich ratlos nach Sinn suche, finde ich bei G o t t allein das einzige Licht und die einzige Kraft, die das Blut in meinen Adern wieder fließen lässt. Wo alle Menschen schweigen, hat Gott allein eine sinnvolle und gültige Antwort auf meine bedrängenden Fragen!"

Liebe Lucia! Verehrte Trauergemeinde!

Wann und wo immer ein Menschenleben zu Ende geht, sollte der Mensch vorher eine Antwort, eine sinnvolle Antwort über den Sinn und das Ziel seines Lebens gefunden haben – nicht zuletzt eine gültige Antwort auf die Frage nach seiner letzten Bestimmung, die eben nicht in dieser Welt liegt!

Wie hatte jener Jan Frans gesagt:

“Nur die Dinge, mit denen du sterben kannst, sind es wert, damit zu leben. So viele sind das nicht!"

Heute nehmen wir Abschied von einem Menschen, der um seine eigentliche und letzte Bestimmung wusste: von Hans R ö s c h!

Hans hat nicht nur um das Ziel seines Lebens gewusst, sondern er hat es auch ganz bewusst darauf ausgerichtet.

Dieses sein irdisches Leben hatte am 11. April 1925 in Weiden begonnen. Nun brauche ich in dieser Stunde nicht auf Einzelheiten seines Lebens eingehen und seinen Lebenslauf lückenlos darlegen.

Sie alle kennen seine familiären Gegebenheiten und sein familiäres Umfeld besser als ich; seinen beruflichen Werdegang bis hin zum Diplom-Mathematiker und schließlich bis zum Direktor der "Bayern Versicherung".

Bei all seinen Verdiensten und Ehrungen ist er stets bescheiden geblieben. Neben seinem beruflichen Sachverstand hatte Hans ein exzellentes Allgemein-Wissen. Besonders die Religionsgeschichte war sein Steckenpferd.

Ein Datum möchte ich aus seinem Leben doch eigens herausgreifen:

Es war am 7.September 1957, da er mit seiner Verlobten Lucia, geb. Weber, den Ehebund schloß und dabei zusammen mit ihr das Gelöbnis gab:

"Ich will dir die Treue halten in guten und schweren Tagen, in Gesundheit und Krankheit – bis der T o d uns scheidet!"

Der letzte Abschnitt seines Lebens war begleitet von Krankheit und Schmerzen, gezeichnet auch vom Nachlassen seiner körperlichen Kräfte. Aber Hans brauchte den schweren Weg nicht allein zu gehen.

Denn Du, liebe Lucia, hast Dein am Traualtar gegebenes Versprechen durchgehalten – buchstäblich "bis zum Tod!"

Du hast ihm in geradezu vorbildlicher Weise Deine fürsorgliche Liebe geschenkt – und das, obwohl Du selbst gesundheitlich angeschlagen bist.

Aus vielen Anrufen und aus persönlichen Gesprächen weiß ich von Deiner liebevollen Zuneigung zu Deinem "Hansl", wie Du ihn gerne nanntest. Dr. Ernst Hauschka, ein guter Bekannter von mir, hat mir einmal geschrieben:

"Wir können mit den Toten zwar nicht mehr reden, aber sie haben uns noch viel zu sagen!"

Was Dir, liebe Lucia, Dein Hans jetzt wohl sagen möchte? Ich bin sicher: Er wird Dir ein ehrliches Wort des Dankes sagen herüber aus der Ewigkeit für alles, was er an Liebe und Zuneigung von Dir auf Erden empfangen hat.

Wenn ich noch einige Bemerkungen zur Gesinnung und inneren Ausrichtung meines Freundes Hans sagen darf, dann möchte ich es im Kontext mit einem dreifachen "F" tun:

Hans Rösch war ein  f r e u n d 1 i c h e r  Mensch!

Wo immer er sich unter die Menschen mischte, strahlte er Freude aus. Es kommt mir die Charakterisierung jenes Jan Frans in den Sinn: Liebenswürdig, witzig, voller Charme und auch mit einem Schuss Schalk eroberte er die Herzen der Menschen.

Hans steckte mit seiner freundlichen Art andere an. Nicht zuletzt dieser Wesenszug machte ihn allseits geschätzt und beliebt.

Hans Rösch war ein  f r e i g e b i g e r  Mensch!

Er hat viel gespendet für die verschiedensten Projekte.

Ich erinnere hier an die Fahrenbergkirche und was damit zusammen hing. Vor kurzem erst hat er auch unsere Weidener Augustinerkirche mit einer Spende bedacht und als Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung unterstütze er stets großzügig deren Projekte.

Und ich selbst sage ihm für seine Freigebigkeit mir ganz persönlich gegenüber über den Tod hinaus ein herzliches Vergelt's Gott!

Und schließlich das dritte "F":

Hans war ein  f r o m m e r  Mensch!

Die Frömmigkeit, die er lebte, war nicht gekünstelt und nicht aufgepfropft, sie wirkte nicht süffisant und nicht bigottisch, sondern sie war natürlich und dadurch überzeugend, wenn Sie so wollen: bodenständig. Hans machte aus seiner religiösen Überzeugung kein Hehl – gespeist von Kindheit an aus seiner Oberpfälzer Herkunft.

Hans war und blieb mit Leib und Seele ein Oberfälzer.

Liebe Lucia! Liebe Verwandte! Verehrte Trauergemeinde!

Schließen möchte ich mit einem Wort meines Ordensvaters Augustinus, das, dessen bin ich sicher, gerade auf Hans Rösch zutrifft:

"Gott wird diejenigen nicht vergessen, die sich selbst vergessen haben, um anderen Menschen zu helfen!"

Und ein anderes Wort aus der Feder des hl. Augustinus: "Auferstehung ist unser Glaube! Wiedersehen unsere Hoffnung! Gedenken unsere Liebe!" Amen!