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Dieser Artikel entstammt dem Augustinus-Lexikon und wurde in dessen 3. Band, Doppelfaszikel 5/6 (2008) auf den Spalten 687-692 publiziert. Iohannes baptistaI. Vorkommen bei A. – II. Das liturgische Gedenken des I. b. – III. A.s theologische Darstellung des I. b. – 1. Das ‹mysterium› der Geburt des I. b. – 2. I. b. als Prophet – 3. I. b. als Inbegriff der ‹humilitas› – 4. Die Taufe Jesu durch I. b. – 5. I. b. die ‹uox›, Christus das ‹uerbum› – IV. Paganes Brauchtum in Verbindung mit der ‹natiuitas› des I. b. I. Vorkommen bei A. – I. b., dem sich die Väterexegese in vielfältigen, oft phantasievollen Variationen und symbolischen Deutungen widmet [1], ist für A. eine herausragende biblische Gestalt, mit deren Selbstverständnis, Wirken und heilsgeschichtlicher Rolle er sich in verschiedenen Kontexten befaßt, am ausführlichsten in den 13 erhaltenen Predigten zum Geburtsfest des I. b. [2]. Wenn A. in ihnen regelmäßig bestimmte Topoi und rhetorische Figuren wiederholt, zeigt dies, daß in Theologie, Exegese und Homilie ein Themenkanon bestand; bei A. war er durchweg biblisch, besonders von den Evangelien, geprägt [3]. In den oft allegorischen Auslegungen ist zentral, daß A. den I. b. immer wieder in Beziehung zu Christus, dessen ‹praeco› und ‹praecursor› (s. 287,1) dieser war, setzt, häufig unter Einbeziehung des Johannes-Prologs (Io 1,1-14). Deshalb stehen A.s Aussagen über I. b. meistens im Dienst der Christologie (→Christus). Anmerkungen. – [1] Cf. ERNST, besonders 522-524; cf. auch LUPIERI. – [2] Dies sind: s. 287-293; 379; s. Caillau 1,57; s. Dolbeau 3; s. Frangip. 8; s. Guelf. 22; s. Mai 101; cf. LAPOINTE 33-35 (zu ergänzen). In cons. eu. 2 beschäftigt sich A. mit der Konsonanz der teils divergierenden Aussagen der Evangelien über I. b. – [3] Cf. LAPOINTE 119-122; LIENHARD, Exegesis 198-205; eine Zusammenstellung der wichtigsten Predigtthemen auch bei QUACQUARELLI 223-226. II. Das liturgische Gedenken des I. b. – Die nordafrikanische Kirche kennt im späten 4., frühen 5. Jh. zwei Gedenktage des I. b.: der Geburt am 24. Juni (‹natale›) [4] und der Enthauptung am 29. August (‹decollatio›, Datierung nicht ganz sicher). Daß die Kirche nur die Geburtsfeste Christi und des I. b. begeht, während der Märtyrer und Heiligen sonst an ihrem Todestag gedacht wird (→Festa sanctorum et martyrum), begründet A. mit der heilsökonomischen Hinordnung des I. b. auf Christus (s. 290,2; 292,1; 293,1). Die große Zahl überlieferter Predigten A.s zum ‹natale› [5] zeigt die Bedeutung des I. b.; die Gemeinde hat das Fest von den Vorfahren übernommen und an die Nachfahren weiterzugeben (ib. 292,1). Das jüngere Gedächtnis der ‹decollatio› ist für das a. Nordafrika am sichersten durch s. Caillau 2,6 bezeugt, demzufolge I. b. wegen seiner Liebe zur in Christus verkörperten Wahrheit auch vor Christi Tod zu Recht als ‹martyr› gilt [6]. Anmerkungen. – [4] Am VIII. Kal. Iulii in Entsprechung zum Geburtsfest Christi am VIII. Kal. Ianuarii; cf. ROETZER 45; VAN DER MEER 311. – [5] Aus den Predigten lassen sich die Schriftlesungen des Tages erschließen; cf. KLÖCKENER 1293, mit einer Korrektur: Laut s. Guelf. 22,1 war Act 13,25 Bestandteil der ‹prima lectio›; somit wurde nicht Is 40,3-8 (zitiert in s. Guelf. 22,2) gelesen. – [6] Zu den Schriftlesungen des Tages cf. KLÖCKENER 1296. Gegen die Existenz dieses Gedenktages ROETZER 49. III. A.s theologische Darstellung des I. b. – 1. Das ‹mysterium› der Geburt des I. b. – Verkündigung, Geburt und Darstellung im Tempel (cf. Lc 1,5-2,40) sind sowohl bei I. b. als auch bei Christus ein «magnum mysterium» (s. 289,1; 293,2) [7], korrespondieren miteinander und stehen doch in Spannung zueinander [8]. Beider Geburt wurde von einem Engel verkündet, dessen Wort Maria (→Maria uirgo et mater) im Glauben aufnahm, wohingegen Zacharias zweifelte und deshalb verstummte [9]. Wie sich bei der Beschneidung des Johannes die letztlich auf Christus bezogene Verheißung erfüllte und Zacharias seine Sprache wiedererlangte, so ist auch das Zerreißen des Tempelvorhangs beim Tod Jesu am Kreuz Erfüllung der Verheißung und also Offenbarung Christi (ib.). Johannes, der ‹praeco›, hat mit Zacharias einen alten Vater und in Elisabeth eine als unfruchtbar geltende Mutter, während Christus, der ‹iudex›, vom Hl. Geist aus einer Jungfrau geboren wird [10]. Dabei werden die Gesetze der Zeit außer Kraft gesetzt; obwohl I. b. vor Christus geboren wurde, ist er dennoch durch ihn geschaffen, weil dieser vor aller Zeit war [11]. Deshalb hat der vom Geist erfüllte Johannes (trin. 4,29) Christus als seinen Herrn schon bei der Begegnung der Mütter Elisabeth und Maria (cf. Lc 1,39-41) erkannt und begrüßt; später hat er ihn als seinen Schöpfer verkündet und für ihn als das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt (Io 1,29), Zeugnis abgelegt [12]. Elisabeth gebar «solum hominem», Maria hingegen «deum et hominem» (s. 289,2). So verwies schon die Geburt des I. b. auf Christus voraus, «propter quem» dies alles geschah (ib. 291,2). Anmerkungen. – [7] Cf. auch: «magnum altumque mysterium» (ib. 379,1); «magnum sacramentum» (ib. 288,1; cf. ib. 290,2); «magnum miraculum» (ib. 287,3; cf. ib. 288,1). – [8] Cf. BASTIAENSEN 18-20. – [9] Ib. 291,5; cf. ib. 293,1sq.; 379,1; cf. Lc 1,5-25.57-67. – [10] Ib. 288,1: «merito ergo sterilis peperit praeconem, uirgo iudicem. in matre Ioannis sterilitas accepit fecunditatem: in matre Christi fecunditas non corrupit integritatem»; cf. ib. 287,3; 289,1; 290,4; 291,1. – [11] Ib. 288,1: «omnia enim per ipsum facta sunt, et sine ipso factum est nihil» (als Zitat von Io 1,3; cf. s. 292,2). – [12] S. 288,1; 292,2; cf. s. Dolbeau 3,2: «Iohannes ... factus est domini sui salutator ex utero, adnuntiator post uterum». 2. I. b. als Prophet. – I. b. steht an der Schwelle vom Alten zum Neuen Testament [13]. Er gehört noch zur sechsten →‹aetas› (diu. qu. 58,1; Io. eu. tr. 9,16) und ist eine ‹persona uetustatis›, doch kündet seine Botschaft bereits das in Christus beginnende Neue: ‹praeconium nouitatis› (s. 293,2). Als Prophet steht I. b. Christus näher als alle Propheten (→Prophetae, prophetia) des Alten Testaments (Io. eu. tr. 4,1); als unmittelbarer Vorausverkünder Christi überragt er sie trotz ihrer Größe, Heiligkeit und Gotterfülltheit. Ein besonderes Verhältnis besteht für A., wie für andere altkirchliche Theologen, zwischen I. b. und Elias; denn dieser wird bei der zweiten Ankunft Christi die Rolle des ‹praeco iudicis› einnehmen, die I. b. beim ersten Kommen Christi hatte (ib. 4,6) [14]. Anmerkungen. – [13] S. 293,2: «Ioannes interiectus quidam limes testamentorum duorum, ueteris et noui». – [14] Cf. BERROUARD, Jean-Baptiste. 3. I. b. als Inbegriff der ‹humilitas›. – In seinem vor allem homiletischen Bemühen, zwischen I. b. und Christus Parallelen herzustellen, nennt A., gestützt auf die vielzitierten Stellen Mt 3,11 (Verweis des I. b. auf den nach ihm Kommenden) und 11,11 (Lob des I. b. durch Jesus) [15], I. b. den ‹summus homo› [16], der reich an Gnade ist (s. 289,3; 292,2; 293,4) und alle Menschen, auch Patriarchen, Propheten und Apostel, überragt. Doch wird er selbst von Christus übertroffen, insofern dieser ‹deus et homo› zugleich ist [17]. A. verbindet diesen Gedanken mit der ‹humilitas› (→Humiliatio, humilitas) des I. b., die darin besteht, daß er der Erwartung seiner Zeitgenossen widerstand und sich selbst nicht als den Messias bezeichnete, sondern sich in allem Christus unterwarf und auf ihn verwies, dessen Schuhriemen er nicht zu lösen verdiente (cf. Io 1,27). Damit ist I. b. das Modell der ‹humilitas› schlechthin [18], «doctor humilitatis» (s. Dolbeau 3,4), ein Prädikat, das A. in ähnlicher Weise Christus zuschreibt. Dieses Zeugnis dient dazu, daß die Menschen durch den ‹praecursor› den Herrn selbst erkennen und zum Glauben an ihn gelangen (s. Denis 11,8). Die ‹humilitas› zeigt sich auch Io 3,30 im Wort des I. b., daß Jesus wachsen, er selbst aber abnehmen müsse [19]. A. verbindet diese Spannung mit den kosmischen Abläufen: Ab dem ‹natale› des I. b. nehmen die Tage ab, während sie ab der →‹natiuitas Christi› von neuem länger werden [20]. Ebenso spiegelt sich das Logion des I. b. in der ‹passio› der beiden: «Ioannes in passione capite est diminutus, Christus in ligno est exaltatus» (s. 287,4) [21], darüber hinaus in bezug auf die Taufe (cf. unten III 4) wider. Wegen seiner demütigen Ausrichtung auf Christus [22] darf sich I. b. zu Recht als ‹amicus sponsi› bezeichnen (Io 3,29), der für den Bräutigam eifert [23] und als Knecht seinen Herrn kennt (s. Denis 11,2). Doch besteht in dieser Freundschaft keine Gleichheit, vielmehr ist es ein Verhältnis wie zwischen ‹seruus› und ‹dominus› (s. 291,1; s. Guelf. 22,3; Io. eu. tr. 4,9) oder ‹discipulus› und ‹magister› (s. 288,2; 290,1). A. stellt das Verhältnis zwischen I. b. und Christus ebenfalls anhand der biblischen Lichtmetaphorik dar. Christus nennt I. b. eine «lucerna ardens et lucens» (Io 5,35), die vor den Menschen von der «lux uera quae inluminat omnem hominem uenientem in mundum» (ib. 1,9) Zeugnis ablegt und jene beschämt, die nicht zu glauben bereit sind [24]. Die ‹humilitas› des I. b. verhindert, daß die ‹lucerna› durch den Hochmut erlischt, während Christus als das wahre Licht der Menschen nie erlöschen kann [25]. A.s rhetorisches Spiel mit Gegensatzpaaren zur Darstellung des Verhältnisses von I. b. und Christus, in dem I. b. immer der Unterlegene ist, kommt prägnant in s. 290,1 zum Ausdruck, wenn es heißt: «praeco et iudex, lucerna et dies, uox et uerbum, seruus et dominus» [26]. Anmerkungen. – [15] Zu A.s unterschiedlicher Exegese von Mt 11,11 (von A. selbst thematisiert in c. adu. leg. 2,20; cf. s. Guelf. 22,3) cf. DOLBEAU 475 n. 10; BERROUARD, Celui 934; LIENHARD, Exegesis 198sq. – [16] Z.B. s. 289,5; s. Guelf. 22,1sq. Cf. ähnlich ‹magnus homo› z.B. in s. 287,1; 290,3; en. Ps. 120,4; ‹homo perfectus› in s. 292,2; im Bild von Ps 120 auch ‹mons›, der Christus widerspiegelt (en. Ps. 120,4). In s. Dolbeau 3,3 nennt A. den I. b. ‹mensura hominis›; cf. LIENHARD, Origen 40. – [17] Ib. 287,1.4; 289,3.5; cf. s. Dolbeau 3,3; s. Mai 101,2; en. Ps. 29,2,2. – [18] S. 290,3: «perhibuit ei testimonium Ioannes, subditus, inclinatus, humiliatus»; cf. ib. 287,3; 292,2; 293,6; Io. eu. tr. 13,2; en. Ps. 50,13. – [19] Cf. BERROUARD, Il faut 940-942; BASTIAENSEN 24-26. – [20] Z.B. s. 289,5; 293,1; s. Dolbeau 3,12; s. Frangip. 8,3.5; s. Guelf. 22,5. A. geht darauf auch in den Weihnachtspredigten ein, z.B. s. 194,2; cf. ROETZER 41. – [21] Cf. ib. 288,5; 289,5; s. Guelf. 22,5. – [22] Ib. 288,2; 379,2; cf. s. Dolbeau 3,2; diu. qu. 58,1; Io. eu. tr. 4,6. – [23] S. 288,2: «sponsi amicus humilis, sponso zelans»; cf. ib. 293,6; 379,3.7; s. Frangip. 8,5; s. Guelf. 22,3; s. Mai 101,1; ep. 189,4; Io. eu. tr. 4,1; 5,17. – [24] Cf. BERROUARD, Mission 853; LIENHARD, Origen 42sq.; id., Exegesis 200sq.209 n. 40. – [25] S. 289,4; cf. ib. 290,1; 293,4; s. Denis 11,1.3.6-8; s. Guelf. 22,1; ep. 140,7; Io. eu. tr. 23,3. Im Rahmen der Lichtmetaphorik wird Christus verschiedentlich statt als ‹lumen› ebenfalls als ‹dies› bezeichnet (s. 289,5; 290,1; 293,4; 379,5sq.; s. Guelf. 22,2). – [26] Cf. die Gegensatzpaare (in Auswahl): ‹seruus – dominus›: s. Denis 11,2; ‹uox – uerbum›: s. 288,3; s. Dolbeau 3,5-12; s. Frangip. 8,1sq.; ‹summus homo – deus et homo›: s. 289,2.5; 379,2sq.; s. Dolbeau 3,3; s. Guelf. 22,1; ‹praeco – iudex›: s. 290,1; 293,1.3; s. Frangip. 8,1; Io. eu. tr. 4,5; programmatisch s. Frangip. 8,2: «quando enim ego clamo, illum annuntio, quoniam uox praeconis aduentus est iudicis.» Cf. auch ‹praecursor – dominator› (s. 290,2); ‹humilis – excelsus› (s. Denis 11,2). Zur Thematik auch BASTIAENSEN 17sq. 4. Die Taufe Jesu durch I. b. – Die Taufe Jesu durch Johannes (→Baptismus, 1,584) [27] zeichnet sich durch die Paradoxien aus, daß der Herr durch den Knecht, der Schöpfer durch sein Geschöpf, die Sonne durch die Fackel, der Erlöser durch den Erlösungsbedürftigen getauft wird (s. 292,4; Io. eu. tr. 4,14). Christus läßt sich von I. b. nicht taufen, weil er wie die anderen Bußfertigen der Sündenvergebung bedurfte (s. 292,3.5; Io. eu. tr. 4,12.14), vielmehr erweist er sich in Konsequenz der Inkarnation und im Vorausblick auf sein späteres Leiden und Sterben als der Demütige schlechthin, der das Heil der Menschen wirkt und die Sünde überwindet. Zugleich hat er dadurch die Taufe selbst geheiligt (s. 293,12). Die nur vorübergehend bedeutende Taufe des I. b. [28], die ihr ‹mysterium› in der ‹recordatio praeteriti› hatte, nimmt ab, die Taufe Christi hingegen wächst [29], auch dies als Erfüllung von Io 3,30, und bleibt in Ewigkeit (s. Dolbeau 3,11; cf. diu. qu. 58,1) [30]. Insofern ist die Christus-Taufe der Kirche der Johannes-Taufe überlegen (Io. eu. tr. 5,18sq.). Anmerkungen. – [27] Cf. BAVAUD, mit knapper Berücksichtigung antidonatistischer Implikationen; cf. BASTIAENSEN 20-22. – [28] S. Dolbeau 3,11: «transitorius … baptismus Iohannis»; cf. Io. eu. tr. 4,14; bapt. 5,11. Dazu BAVAUD 617; BERROUARD, Baptême 867sq. – [29] Dazu gehört auch die Taufe durch die Apostel einschließlich des Paulus; cf. cath. fr. 58. – [30] In s. Dolbeau 3,15 nennt A. die Johannes-Taufe eine ‹praeministratio› des Wirkens Christi. 5. I. b. die ‹uox›, Christus das ‹uerbum›. – Besonders akzentuiert A. das Verhältnis von I. b. und Christus anhand sprachphilosophischer Erörterungen [31]. Nach Io 1,23 bekennt sich I. b. als «uox clamantis in deserto/eremo»; hingegen ist Christus laut dem Prolog des Johannes-Evangeliums das →‹uerbum› schlechthin, das von Anfang an war, bei Gott war und selbst Gott war und durch das alles geschaffen wurde (ib. 1,1-3). Im Herzen und Intellekt des Sprechenden wird zuerst das ‹uerbum› mit seiner Bedeutung gebildet; mit Hilfe der →‹uox› gelangt das im Innern entwickelte Konzept an das Ohr [32]. So ist die ‹uox› nur Träger des ‹uerbum›: «uerbum ualet plurimum et sine uoce: uox inanis est sine uerbo» (s. 288,3). Im Sprechenden geht das ‹uerbum› der ‹uox› voraus; anders hingegen beim Hörer: Dieser vernimmt zuerst die ‹uox› und kann so das ‹uerbum› und seine Bedeutung erfassen (ib. 288,4; s. Dolbeau 3,6sq.). In dieser Analogie sieht A. das Verhältnis von I. b. und Christus adäquat beschrieben [33]. Die ganze Heilsgeschichte ist sogar in dieses ‹magnum sacramentum› einbezogen: Die vielgestaltigen ‹uoces› des Alten und Neuen Testaments, d.h. die Propheten, Apostel, Psalmen und Evangelien bis hin zu I. b., die alle Zeugen für Christus sind, können in dem Maße abnehmen, wie die Schau Christi, des ‹uerbum›, selbst zunimmt (s. 288,5) [34]. Alle Patriarchen, Propheten und anderen Vorausverkünder Christi, des unvergänglichen Wortes, sind in der Gestalt des I. b. zusammengefaßt: «harum omnium sacramentum ille gestabat, harum omnium persona sacrata et mystica ille unus erat» (ib. 288,4). Anmerkungen. – [31] Aus den vielen Stellen, an denen A. diese Argumentation führt, ragt s. Dolbeau 3 heraus. Cf. auch LIENHARD, Origen 40-42; id., Exegesis 199sq.; BASTIAENSEN 16sq. – [32] S. Frangip. 8,2: «uerbum ad cor pertinet, uox ad aurem» (cf. s. Mai 101,1). – [33] S. 288,4: «ergo si uox Ioannes, uerbum Christus: ante Ioannem Christus, sed apud deum; post Ioannem Christus, sed apud nos» (cf. ib. 289,3; 293,3; s. Dolbeau 3,5). Eine Variante dieser Analogie findet sich in s. Guelf. 22,3, wenn A. die Inkarnation Christi analog zur ‹uox›, des Nach-außen-Dringens des ‹uerbum›, sieht: «ut exiret ad nos, assumta est caro quasi uox». Deshalb kann Christus zugleich ‹uerbum› und ‹uox› sein. – [34] Im selben Kontext hebt A. hervor, daß zwar I. b. genauso wie Christus Jünger hatte, doch war die Johannes-Jüngerschaft keine Konkurrenz, vielmehr waren sie Jünger «pro Christo» (s. Guelf. 22,2). IV. Paganes Brauchtum in Verbindung mit der ‹natiuitas› des I. b. – A. kritisiert heidnisches Brauchtum um das Johannesfest (s. 279,13), das mit der Sommersonnenwende zusammenhängt. Als eine «uetus superstitio» lehnt er den Brauch ab, am Vorabend des 24. Juni in der ganzen Stadt Feuer zu entzünden, und verurteilt ihn als ‹iniuria› am Geburtstag des I. b., als «reliquiae sacrilegiorum» und «studia atque ioca uanitatum» (s. Frangip. 8,5); sie entsprechen nicht der «noua religio» des Christentums. In einer Weihnachtspredigt verurteilt A. das ebenfalls mit der ‹solemnitas superstitiosa pagana› zusammenhängende Vorkommnis, daß sich die Christen am Geburtsfest des I. b. im Meer tauften [35]. Anmerkung. – [35] S. 196,4; cf. ROETZER 46-48; VAN DER MEER 545; LIENHARD, Origen 38; BASTIAENSEN 20sq. Bibliographie. – A.A.R. BASTIAENSEN, «He must Grow, I must Diminish» (John 3:30): Augustine of Hippo Preaching on John the Baptist: Jerusalem, Alexandria, Rome: Studies in Ancient Cultural Interaction in Honour of A. Hilhorst (ed. by F. GARCÍA MARTÍNEZ/G.P. LUTTIKHUIZEN), Leiden 2003, 13-26. – G. BAVAUD, Baptême de Jean, baptême du Christ: BA 29 (1964) 616-618. – M.-F. BERROUARD, Le baptême de Jean, sa raison d’être et ses limites: ib. 71 (1993) 867sq. – Id., «Celui qui est plus petit dans le Royaume des cieux est plus grand que Jean»: ib. 934. – Id., «Il faut que lui grandisse et que je diminue»: ib. 940-942. – Id., Jean-Baptiste et Elie: ib. 863sq. – Id., La mission de Jean: ib. 853. – F. DOLBEAU, Augustin d’Hippone: Vingt-six sermons au peuple d’Afrique, Paris 22001. – J. ERNST, Johannes der Täufer: RAC 18 (1998) 516-534. – M. KLÖCKENER, Festa sanctorum et martyrum: AL 2 (1996-2002) 1281-1305. – G. LAPOINTE, La célébration des martyrs en Afrique d’après les sermons de saint Augustin, Montréal 1972. – J.T. LIENHARD, Origen and Augustine: Preaching on John the Baptist: AugStud 26 (1995) 37-46. – Id., John the Baptist in Augustine’s Exegesis: CollAug Exegete 197-213. – E. LUPIERI, Felices sunt qui imitantur Iohannem (Hier. Hom. in Io.). La figura di S. Giovanni Battista come modello di santità: Aug 24 (1984) 33-71. – F. VAN DER MEER, Augustinus der Seelsorger. Leben und Wirken eines Kirchenvaters, Köln 31958. – A. QUACQUARELLI, Introduzione ai Sermones de sanctis di S. Agostino (NBA 33): VetChr 25 (1988) 217-249. – W. ROETZER, Des heiligen Augustinus Schriften als liturgie-geschichtliche Quelle, München 1930. MARTIN KLÖCKENER © Verlag Schwabe AG, Basel Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung in unserem Webportal.
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