Augustinus – herausragender Zeuge über den Heiligen GeistBeim Weltjugendtag in Sydney predigt Benedikt XVI. über den Heiligen Geist und zitiert vor zweihunderttausend Jugendlichen aus dem Werk seines Lieblingskirchenvaters
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| Benedikt XVI. bei der Gebetsvigil des XXIII. Weltjugendtags in Sydney. |
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Der XXIII. Weltjugendtag 2008 in Sydney stand unter dem biblischen Motto: "Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen; und ihr werdet meine Zeugen sein" (Apg 1,8). Auf dem Gelände der Pferderennbahn von Randwick fand eine Gebetsvigil statt – traditionell der emotionale Höhepunkt der Weltjugendtagsfeiern –, zu der sich mehr als 230 000 junge Menschen aus der ganzen Welt mit dem Papst versammelten. Wie man zum Zeugen wird – über diese Frage meditierte Benedikt XVI. mit den Jugendlichen.Die Gesellschaft erlebe heute einen Prozess der Zersplitterung, weil sie geprägt sei durch eine Denkweise, die den Gesamthorizont der Wahrheit über Gott und uns selbst außer Acht lasse, sagte Benedikt XVI. Und doch steige von überall her derselbe "Ruf des Menschen nach Anerkennung, nach Zugehörigkeit, nach Einheit" auf. Unter dem Sternenhimmel von Sydney rief der Papst die jungen Christen dazu auf, Zeugen der Einheit und Versöhnung zu sein. Doch das sei nicht durch unsere Anstrengungen allein möglich. "Wer befriedigt diese wesentliche menschliche Sehnsucht, eins zu sein, eingeschlossen in eine Gemeinschaft, aufgebaut und zur Wahrheit geleitet zu werden? Der Heilige Geist! ... Bereichert durch die Gaben des Geistes werdet ihr die Kraft haben, über das Stückwerk, die leere Utopie, das Vergängliche hinauszugehen und die Beständigkeit und Sicherheit des christlichen Zeugnisses anzubieten!" Es gebe immer wieder Zeiten der Versuchung, eine gewisse Erfüllung abseits von Gott zu suchen. In Anspielung auf den hl. Augustinus sagte der Papst: "Sich von Ihm abzuwenden, ist nur ein vergeblicher Versuch, uns selbst davonzulaufen" (vgl. Augustinus, Confessiones VIII, 7). Es sei der Heilige Geist, der uns sanft, aber sicher zurückführe zu dem, was real, fortdauernd und wahr ist, der uns zurückführe in die Gemeinschaft der Heiligen Dreifaltigkeit. Im Rückblick auf seinen eigenen Glaubensweg schilderte der Papst, wie für ihn als Heranwachsenden das Verständnis der dritten Person der Dreifaltigkeit unvollständig geblieben sei. Deshalb habe er sich als junger Priester zu Beginn seiner Tätigkeit als Lehrer der Theologie entschieden, die herausragenden Zeugen der Kirchengeschichte über den Heiligen Geist zu studieren. Unter anderem habe er sich in die Lektüre des großen heiligen Augustinus vertieft. Gestützt auf die Schriften seines Lieblingskirchenvaters entfaltete Benedikt XVI. daraufhin vor den Jugendlichen aus aller Welt die Lehre über den Heiligen Geist: "Sein [= Augustins] Verständnis des Heiligen Geistes hat sich schrittweise entwickelt; es war ein Kampf. Als junger Mann war er dem Manichäismus gefolgt, einem jener Versuche – die ich vorhin angesprochen habe –, dadurch eine geistige Utopie zu schaffen, dass man das Geistliche radikal vom Leiblichen trennte. Daher war er zunächst skeptisch gegenüber der christlichen Lehre, dass Gott Mensch geworden sei. Doch die Erfahrung der in der Kirche gegenwärtigen Liebe Gottes brachte ihn dazu, deren Quelle im Leben des Dreieinen Gottes zu suchen. Das führte ihn zu drei besonderen Einsichten über den Heiligen Geist als das Band der Einheit innerhalb der Heiligen Dreifaltigkeit: Einheit als Gemeinschaft, Einheit als bleibende Liebe und Einheit als Geben und Gabe. Diese drei Einsichten sind nicht einfach nur theoretischer Art. Sie helfen zu erklären, wie der Geist wirkt. In einer Welt, in der sowohl einzelne Menschen als auch Gemeinschaften oft an einem Mangel an Einheit oder Zusammenhalt leiden, sind uns diese Einsichten hilfreich, um in Einklang mit dem Geist zu bleiben und den Aufgabenbereich unseres Zeugnisses auszudehnen und abzuklären. So wollen wir also mit der Hilfe von Augustinus etwas vom Werk des Heiligen Geistes beschreiben. Er bemerkte, dass sich die beiden Begriffe 'Heilig' und 'Geist' auf das Göttliche in Gott beziehen; mit anderen Worten: auf das, was der Vater und der Sohn gemeinsam haben – auf ihre Communio. Wenn also das charakteristische Merkmal des Heiligen Geistes darin besteht, dass er das ist, was der Vater und der Sohn gemeinsam haben, dann – so folgerte Augustinus – ist die besondere Eigenschaft des Geistes die Einheit. Es ist eine Einheit aus gelebter Gemeinschaft: eine Einheit von Personen in einer Beziehung ständigen Gebens, in der der Vater und der Sohn sich einander schenken. Wir beginnen, denke ich, zu erahnen, wie erleuchtend dieses Verständnis des Heiligen Geistes als Einheit, als Gemeinschaft ist. Eine wahre Einheit könnte nie auf Beziehungen gegründet sein, die anderen Menschen die gleiche Würde absprechen. Ebenso wenig ist Einheit bloß die Gesamtsumme der Gruppen, durch die wir bisweilen uns selbst zu 'definieren' suchen. Tatsächlich kann nur im Leben der Gemeinschaft die Einheit unterstützt und die menschliche Identität erfüllt werden: wir erkennen das allgemeine Bedürfnis nach Gott, wir antworten auf die vereinigende Gegenwart des Heiligen Geistes und wir stellen uns einer in den Dienst des anderen. Die zweite Einsicht des heiligen Augustinus – der Heilige Geist als bleibende Liebe – ist das Ergebnis seines Studiums des Ersten Johannesbriefes. Johannes sagt uns, dass 'Gott die Liebe ist' (vgl. 1Joh 4,16). Augustinus geht davon aus, dass diese Worte, obwohl sie sich auf die Trinität als ganze beziehen, eine besondere Eigenschaft des Heiligen Geistes zum Ausdruck bringen. In seinem Nachsinnen über das Wesen der Liebe als etwas Bleibendes – 'wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm' (ebd.) – fragt er sich: Ist es die Liebe oder der Heilige Geist, der die Dauerhaftigkeit garantiert? Und er kommt zu folgendem Schluss: 'Der Heilige Geist lässt uns in Gott bleiben und Gott in uns; doch die Liebe ist es, die dies bewirkt. So ist der Geist also Gott als Liebe!' (De Trinitate 15, 17, 31). Das ist eine wundervolle Erklärung: Gott teilt sich selbst mit als Liebe im Heiligen Geist. Welches weitere Verständnis können wir aus dieser Einsicht gewinnen? Liebe ist das Zeichen der Gegenwart des Heiligen Geistes! Ideen oder Stimmen, denen die Liebe fehlt – selbst wenn sie durchdacht oder klug erscheinen mögen –, können nicht 'vom Geist' sein. Zudem hat die Liebe ein besonderes Merkmal: Weit davon entfernt, schwach oder unbeständig zu sein, hat sie eine Aufgabe oder einen Zweck zu erfüllen: fortzubestehen. Von ihrer Natur her ist die Liebe beständig. Und wieder, liebe Freunde, bekommen wir einen weiteren Einblick, wie viel der Heilige Geist unserer Welt bietet: Liebe, die Ungewissheit vertreibt; Liebe, die Furcht vor Verrat überwindet; Liebe, die Ewigkeit in sich trägt; die wahre Liebe, die uns in die Einheit hineinzieht, die bleibt! Die dritte Einsicht – der Heilige Geist als Gabe – leitete Augustinus aus der Meditation eines Evangelienabschnittes, den wir alle kennen und lieben, ab: Christi Gespräch mit der Samariterin am Brunnen. Hier offenbart Jesus sich selbst als den Geber des lebendigen Wassers (vgl. Joh 4, 10), das später als der Heilige Geist erklärt wird (vgl. Joh 7,39; 1Kor 12,13). Der Geist ist die 'Gabe Gottes' (Joh 4,10) – die innere Quelle (vgl. Joh 4,14), die wahrhaftig unseren tiefsten Durst stillt und uns zum Vater führt. Aus dieser Beobachtung zieht Augustinus den Schluss, dass der Gott, der uns sich selbst als Gabe mitteilt, der Heilige Geist ist (vgl. De Trinitate 15, 18, 32). Liebe Freunde, wieder tun wir einen Blick in das Wirken der Trinität: Der Heilige Geist ist Gott, der ewiglich sich selbst schenkt; wie eine nie versiegende Quelle gießt er nichts Geringeres aus als sich selbst. Angesichts dieses unaufhörlichen Geschenks beginnen wir die Grenzen alles Vergänglichen zu sehen, die Torheit der Konsumhaltung. Wir verstehen allmählich, warum die Suche nach Neuem uns unzufrieden bleiben lässt und unser Verlangen nicht erfüllt. Suchen wir nicht nach einem ewigen Geschenk? Der Quelle, die niemals versiegen wird? Mit der Samariterin rufen wir aus: 'Gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe' (vgl. Joh 4,15). Liebe junge Freunde, wir haben gesehen, dass es der Heilige Geist ist, der die wunderbare Gemeinschaft der Gläubigen in Christus zustande bringt. Getreu seinem Wesen als Geber und Gabe zugleich, ist er auch jetzt durch euch am Werk. Inspiriert durch die Einsichten des heiligen Augustinus, lasst die einende Liebe euer Maßstab sein; die bleibende Liebe Eure Herausforderung; die sich selbst verschenkende Liebe euer Auftrag!"
Der vollständige Text der Ansprache Benedikts XVI. ist abrufbar über die Online-Ausgabe der katholischen Zeitung ‹Die Tagespost› vom 22.07.2008. GF Weiterführende Links: Weltjugendtag 2008 - Vollständige Dokumentation
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