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Rede des Würzburger Oberbürgermeisters Georg Rosenthal
beim Empfang anlässlich des 80. Geburtstags von Pater Prof. Dr. Dr. h.c. Cornelius Petrus Mayer am 9. März 2009

Sehr geehrter Herr Professor Mayer,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

Oberbürgermeister Georg Rosenthal überreicht Professor Cornelius Mayer anlässlich seines 80. Geburtstags die Auszeichung 'Tanzenden Schäfer' für verdiente Würzburger Bürger.
Oberbürgermeister Georg Rosenthal überreicht Professor Cornelius Mayer anlässlich seines 80. Geburtstags die Auszeichung "Tanzender Schäfer" für verdiente Würzburger Bürger.
es ist mir eine Ehre und besondere Freude, einem nicht nur prominenten, sondern auch verdienten Bürger unserer Stadt zu seinem 80. Geburtstag die herzlichen Glückwünsche der Stadt Würzburg zu übermitteln und ihn für sein bisheriges Lebenswerk zu ehren.

Sehr geehrter Herr Professor Mayer, Sie sind Würzburger nicht durch Geburt, sondern aufgrund einer persönlichen Entscheidung. Sie gehören zu den Wahl-Würzburgern, die aus ganz Europa hierher gekommen sind und durch ihre herausragenden Leistungen entscheidend zum internationalen Ansehen Würzburgs als Stadt der Kunst und der Wissenschaft beigetragen haben.

Nach der Vertreibung aus Ihrer ungarischen Heimat, dem Abitur in Münnerstadt und dem Eintritt in den Augustiner-Orden haben Sie im Jahr 1950 an der Julius-Maximilians-Universität das Studium der Philosophie und der Theologie aufgenommen und Würzburg in den folgenden Jahren so kennen und schätzen gelernt, dass Ihre Verbindung mit unserer Stadt seitdem nicht mehr abgerissen ist.

In Würzburg haben Sie 1955 die Diplomprüfung abgelegt, die Priesterweihe empfangen und Ihre berufliche Laufbahn begonnen. Als Präfekt und Direktor des Studienseminars St. Augustin haben Sie zehn Jahre lang Ihr großes pädagogisches und organisatorisches Talent unter Beweis gestellt und das Seminar nicht nur in architektonischer Hinsicht nachhaltig geprägt. Ihr Einsatz für die Erziehung und Bildung junger Menschen aus unserer Stadt und Region war so beeindruckend und erfolgreich, dass viele Ihrer Schüler sich heute noch dankbar an Sie erinnern.

Nach Studienaufenthalten an der Sorbonne und der Haute Ecole in Paris haben Sie in Würzburg mit ausgezeichnetem Erfolg promoviert und sich habilitiert und anschließend für gut ein Jahr als Ausbilder für angehende Religionspädagogen und Katecheten an der hiesigen Universität gewirkt. Daneben waren Sie als Seelsorger an der Kirche St. Bruno tätig, wo Sie sich einen Ruf als mitreißender Prediger erwarben.

Wissenschaftliche Aufgaben und akademische Berufungen führten Sie danach nach Frankfurt, Saarbrücken und schließlich 1979 nach Gießen, wo Sie 17 Jahre lang an der Justus-Liebig-Universität die Professur für Systematische Theologie innehatten. Während dieser ganzen Zeit blieben Sie Würzburg verbunden und nach Ihrer Emeritierung kehrten Sie 1996 endgültig hierher zurück.

Für unsere Stadt war das ein Glücksfall, denn Sie setzten hier die von Ihnen initiierten Projekte fort, mit denen Sie die Beschäftigung mit dem Leben und Werk des heiligen Augustinus auf eine neue Grundlage gestellt haben, und gründeten zu diesem Zweck das Zentrum für Augustinusforschung. Es kann nicht hoch genug geschätzt werden, welche Bedeutung dies für den Ruf Würzburgs als eines exzellenten Wissenschaftsstandorts hatte.

Wer sich mit den prägenden Kräften der abendländischen Kultur auseinandersetzen will, der kommt an Augustinus und seinem Werk nicht vorbei. Und wer sich mit Augustinus beschäftigen will, der kommt nicht vorbei am Zentrum für Augustinus-Forschung und den Ergebnissen seiner Arbeit.

Für unsere Universität war es daher ein großer Gewinn, dass ihr das Forschungszentrum mit seiner weltweit größten Augustinus-Spezialbibliothek vor drei Jahren als An-Institut angegliedert werden konnte, auch dank des Einsatzes meines Kollegen Dr. Adolf Bauer und unter maßgeblicher Beteiligung des damaligen Wissenschaftsministers Dr. Thomas Goppel.

Mit den von Ihnen angestoßenen und bis heute geleiteten Projekten, die Sie im Zentrum für Augustinusforschung zusammenführten, haben Sie, sehr geehrter Herr Professor Mayer, Wissenschaftsgeschichte geschrieben.

An erster Stelle ist hier das von Ihnen herausgegebene Augustinus-Lexikon zu nennen, mit dem Sie eine schmerzliche Lücke in der Augustinus-Forschung geschlossen haben.

Zusammen mit namhaften Augustinus-Spezialisten aus verschiedenen Disziplinen und Nationen, die sich dazu immer wieder im Augustinerkonvent von St. Bruno trafen, haben Sie ab der Mitte der 70er Jahre die Konzeption zu diesem beeindruckenden Werk gelegt. Die Enzyklopädie zum Leben und den so zahlreichen Schriften des heiligen Augustinus, deren dritter Band zurzeit erscheint, ist mittlerweile zu Weltruhm gelangt.

Auch eines der ersten geisteswissenschaftlichen EDV-Projekte ist mit Ihrem Namen verbunden. Auf Ihre Initiative hin wurde das gesamte überlieferte Schrifttum des heiligen Augustinus digital erfasst. Als Corpus Augustinianum Gissense steht es der Öffentlichkeit zusammen mit einer Bibliographie der kaum noch zu überblickenden Sekundärliteratur inzwischen schon in zweiter Auflage auf CD-Rom zur Verfügung.

Neben diesen beiden Spitzenprodukten der Augustinus-Forschung haben nationale und internationale Kongresse, die in Sammelbänden dokumentiert wurden, das Forschungszentrum in der ganzen Welt bekannt gemacht. Kurz: Würzburg kann stolz darauf sein, Sitz einer so renommierten Forschungseinrichtung zu sein.

Dies gilt in meinen Augen umso mehr, als sich das Institut nicht nur der wissenschaftlichen „Tiefen-Forschung“ verschrieben hat, sondern mit ebenso großem Erfolg auch theologisch-geisteswissenschaftliche „Breiten-Bildung“ leistet.

Großen Anklang außerhalb des Elfenbeinturms der Wissenschaft finden etwa die allgemein zugänglichen Augustinus-Studientage und vor allem das Internet-Forum www.augustinus.de, das – im besten Sinn des Wortes – populärwissenschaftliche Informationen anbietet und täglich an die 1000 Besucher verzeichnet.

Offenbar entspricht die Bildungsarbeit des Zentrums für Augustinusforschung einem verbreiteten Bedürfnis. Augustinus scheint heute mehr denn je gefragt zu sein. Vielleicht ist damit zu erklären, dass sich der abendländische Mensch in einer als krisenhaft erlebten Zeit immer rascheren Wandels seiner Identität zu vergewissern sucht und sich dabei auf die Wurzeln seiner Kultur besinnt.

Sehr geehrter Herr Professor Mayer, als international renommierter Nestor der Augustinusforschung und überaus erfolgreicher Wissenschaftsorganisator haben Sie das geistige Leben in unserer Stadt wesentlich bereichert und entscheidend dazu beigetragen, der Wissensstadt Würzburg auch im geisteswissenschaftlichen Bereich über die Grenzen unserer Region und unseres Landes hinaus Rang und Beachtung zu verschaffen.

Sie haben sich damit um Würzburg verdient gemacht, und dafür danke ich Ihnen herzlich. Mit meinem Dank verbinde ich den Wunsch, dass Ihnen noch viele Jahre fruchtbaren Schaffens beschieden sein mögen.

Ihr Wirken hat staatlicherseits bedeutende Ehrungen erfahren. Ich nenne nur das Bundesverdienstkreuz am Bande und den Bayerischen Verdienstorden.

Es ist daher sehr an der Zeit, dass auch Ihre Heimatstadt die Verdienste würdigt, die Sie sich in und um Würzburg erworben haben.

Ich freue mich deshalb, Ihnen zu Ihrem heutigen Geburtstag als kleines Zeichen des Dankes und der Anerkennung den Tanzenden Schäfer überreichen zu können.

Georg Rosenthal
Oberbürgermeister