BerichtErfolgreiches Lektüre- und Diskussionsseminar zu Augustins Frühschrift "De beata vita"Augustins Frühschrift „De beata vita - Über das geglückte Leben“, kurz nach der Bekehrung des späteren Kirchenvaters im Jahre 386 protokolliert und verfaßt, gilt als ein Schlüsseltext des frühchristlichen Bemühens, antike Philosophie und biblischen Glauben zu vermitteln und letzteren auch für die Gebildeten der Spätantike als attraktives und vor der Vernunft zu rechtfertigendes Sinnangebot auszuweisen. Das „Zentrum für Augustinus-Forschung an der Universität Würzburg“ (ZAF) und einige kooperierende Lehrstühle der Universität hatten für Samstag, den 19. Januar 2008, zu einem ganztägigen Lektüre- und Diskussionsseminar in das Kirchenhistorische Institut der Katholisch-Theologischen Fakultät eingeladen (siehe Programm), um diesem augustinischen Dialog - seiner Sprache, seinen Quellen, seiner Intention und seinen Argumenten - geistig nachzuspüren. Rund 20 Lehrende und Studierende aus der universitären Landschaft, aber auch aus dem Kreis interessierter Laien folgten dieser Einladung. Als Textbasis diente die zweisprachige Reclam-Ausgabe der Schrift, auf deren Grundlage die Teilnehmer - darunter Philologen, Philosophen, Theologen und Historiker - Informationen und Positionen aus ihrem jeweiligen Wissensgebiet und Wertungshintergrund austauschten. Nach dem einführenden Referat von Prof. Cornelius Mayer OSA, dem Leiter des ZAF und renommierten Hauptherausgeber des Augustinus-Lexikons, wurden reihum ausgewählte Sinnabschnitte von „De beata vita“ vorgetragen und reflektiert: so z.B. die Widmungs- und Einleitungsparagraphen mit ihrem traditionsreichen Topos des „stürmischen Lebensmeeres“, von dem es den Weg in den „sicheren Hafen“ philosophischer und religiöser Weisheit zu finden gilt, so die anspielungsreichen Passagen über das grundlegende Glücksbedürfnis des Menschen und die darauf antwortenden Sinnangebote der verschiedenen Philosophenschulen, so die Dialogabschnitte über die Verbindung der Glücks- und der Gottesfrage, so schließlich die resümierenden und finalisierenden Erklärungen Augustins, inwiefern das menschliche Glücksstreben in Jesus Christus, der menschgewordenen Weisheit Gottes, seine Antwort und Erfüllung erhoffen darf. Wie schon der Dialog selbst einen guten Teil seiner Lebendigkeit dem Gegenüber der unterschiedlichen Dialogpartner - Mutter, Sohn, Verwandte und Freunde Augustins - und ihrer Meinungen verdankte, so zog auch die dem Dialog nachspürende Seminarveranstaltung ihren Reiz und Ertrag nicht zuletzt aus der Heterogenität der sich begegnenden und austauschenden Teilnehmer und Disziplinen. Aufgrund des von allen Beteiligten bestätigten Erfolges dieses erstmalig veranstalteten Lektüre- und Diskussionsseminars ist für das Jahr 2009 ein solches zu Augustins Schrift „De magistro - Über den Lehrer“ geplant: einem Dialog des Vaters mit seinem Sohn Adeodatus, der um die Frage nach den Zeichen und der Sprache, deren Macht und deren Ohnmacht, kreist. Angesichts des offensichtlichen Interesses ist sogar angedacht, die Veranstaltung in noch umfangreicherem Rahmen inklusive der Möglichkeit zum Erlangen eines studiumsrelevanten Seminarscheins durchzuführen. Dr. Dr. habil. Christof Müller Weiterführende Links Programm Einführungsreferat von Prof. Cornelius Mayer
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