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7. Augustinus-Studientag Natur und KreaturFreitag, 5. Juni 2009 Toscana-Saal der Würzburger Residenz Dokumentation
BegrüßungsredeVon Staatsminister a.D. Dr. Thomas Goppel, Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V.
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| Der Vorsitzende der ‹Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V.›, Staatsminister a.D. Dr. Thomas Goppel, MdL begrüßt im Toscanasaal der Würzburger Residenz die Teilnehmer des Augustinus-Studientages 2009. |
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Sehr geehrte Damen und Herren Professores, liebe Studierende, liebe Gäste von nah und fern,das Zentrum für Augustinus-Forschung an der Universität Würzburg veranstaltet heute seinen mittlerweile siebenten Studientag, wozu ich Sie alle zu dieser frühen Stunde ganz herzlich begrüßen darf. Als Wissenschaftsminister unseres Freistaates konnte ich seinerzeit mithelfen, die Kooperation von ZAF und Julius-Maximilians-Universität so zu verdichten und institutionell zu festigen, dass eine stabile und wissenschaftlich schlagkräftige Allianz entstanden ist. Ihre geistige Schlagkraft stellt diese Allianz auch heute mit ihrem hochkarätig besetzten Augustinus-Studientag unter Beweis. In diesem Zusammenhang darf ich noch einmal gesondert die Referentin und die Referenten dieses eintägigen Symposions willkommen heißen, die teils in Würzburg, teils an anderen deutschen Universitäten und in einem Fall sogar im "Ausland" lehren und forschen - wiewohl mir der Begriff "Ausland" in Anwendung auf die der Stadt Würzburg doch in vielem so verwandte Barockmetropole Wien nur schwer über die Lippen kommt. Auch in meiner Funktion als Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung freue ich mich, heute hier stehen und Sie zum Augustinus-Studientag 2009 begrüßen zu können. Diese Gesellschaft darf sich in aller Bescheidenheit rühmen, mit ihrem Engagement ein Stück weit zum Gedeihen des ZAF und seiner Forschungs-, aber auch Bildungsarbeit beizutragen. Der mittlerweile zur Institution gewordene Augustinus-Studientag bringt die Grundlagen und Intentionen dieser wertvollen Arbeit des ZAF noch einmal konzentriert auf den Punkt: hoher wissenschaftlicher Anspruch und renommierte Protagonisten, aber auch situations- und adressatengerechte Vermittlung der Forschungsergebnisse in die interessierte Öffentlichkeit unserer Bildungslandschaft hinein. Diese wertvolle Arbeit des ZAF geht nun heute, was den Studientag betrifft, wie gesagt in die "siebente Runde". Und während selbst der Herrgott sich am siebenten Tage seines Schöpfungswerkes eine "Auszeit" gönnte, kennt das schöpferische Werk des ZAF nicht einmal in dieser "siebenten Runde" einen "Sabbath". Womit ich auch schon beim Thema der heutigen Veranstaltung wäre: Schöpfung, "Natur und Kreatur" vor, neben, bei und nach Augustinus. Dass in diesem Thema Jahrtausende alte Traditionen auf der einen und höchste Aktualität, ja Brisanz auf der anderen Seite in produktiver Weise aufeinanderstoßen - wem sollte dies klarer sein als einem Politiker, dessen ministeriales Ressort über geraume Zeit nicht zuletzt durch den Begriff der "Umwelt" definiert war. Von daher nimmt es auch nicht Wunder, dass die in Würzburg ansässige Manfred-Wierichs-Stiftung mit ihrem christlich-sozial-ökologischen Stiftungsprogramm die heutige Veranstaltung finanziell unterstützt. Mit diesen wenigen einleitenden Worten darf der Politiker und Vereinsvorsitzende das Wort nunmehr an die Wissenschaftler abgeben, die zu den konkreten Inhalten des heutigen Themas Ausführlicheres und Kompetenteres vorzutragen wissen: allen voran an den "Nestor" der deutschen und internationalen Augustinus-Forschung, Prof. Dr. Cornelius Mayer - ich darf sagen: Pater Petrus -, dem wir vor einigen Wochen zu seinem 80. Geburstag gratulieren konnten. Ihm wünsche ich an dieser Stelle für die nächsten Jahrzehnte nochmals alles Gute und Gottes Segen - und uns allen wünsche ich für heute einen interessanten und aufschlussreichen Augustinus-Studientag 2009!
Einführung in das RahmenthemaVon Cornelius Petrus Mayer OSA, Wissenschaftlicher Leiter des ZAF e.V.
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| «Amat deus creaturam suam - Gott liebt seine Schöpfung». Professor Dr. Cornelius Petrus Mayer führt die gespannt lauschenden Hörerinnen und Hörer in die Thematik des Augustinus-Studientages ein. |
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Wie Sie in den Nachrichten aus dem Zentrum für Augustinus-Forschung lesen konnten, haben wir aufgrund einer Förderung des diesjährigen Studientages durch die dem Natur- und Umweltschutz verpflichtete Manfred-Wierichs-Stiftung das Rahmenthema Natur und Kreatur gewählt.Nun kannte Augustinus noch nicht jene Probleme, die uns, Kinder der Postmoderne, bedrängen und mit denen wir uns herumschlagen: die verpestete Luft, die erstickten Gewässer, die sterbenden Wälder, das Dahinsiechen und Verschwinden von Arten und Gattungen. Und trotzdem: Wer immer sich in das immense Werk dieses exzeptionellen Denkers der abendländischen Geistesgeschichte versenkt, dem können die Fülle und die Tiefe der Gedanken und Anregungen nicht entgehen, die sich ihm angesichts der erwähnten Umweltprobleme eröffnen. Bekanntlich verschrieb sich Augustinus nach seiner Bekehrung zum Christentum zunächst der Philosophie und dann, ohne seine philosophische Neigung völlig aufgegeben zu haben, zunehmend der Theologie. Sein philosophisches wie theologisches Denken gipfelt geradezu in seiner theozentrischen Schöpfungslehre. Sie durchzieht sein schriftstellerisches Werk gleich einem roter Faden. Der Kirchenvater legte nämlich den biblischen Schöpfungsbericht aus dem Ersten Buch Moses von Predigten abgesehen nicht weniger als fünfmal aus: zuerst in De Genesi contra Manichaeos, einem Genesiskommentar gegen die Manichäer im Jahr 389 und zuletzt 30 Jahre später im 11. Buch seines Gottesstaates. Dazwischen liegen ein unvollendet gebliebener Kommentar De Genesi ad litteram liber imperfectus vom Jahr 393, sodann die etwa um 400 abgefassten Bücher 11-13 seiner Confessiones und schließlich die aus zwölf Büchern bestehende Schrift De Genesi ad litteram – Über den Wortsinn der Genesis, an der er vierzehn Jahre lang (401-415) arbeitete. In dieser Schrift steht der an Sinn und Würde der Schöpfung keinen Zweifel aufkommen lassende Satz: Amat deus creaturam suam – Gott liebt seine Schöpfung (1,8). Dem Erschaffenen kommt also insgesamt eine Dignität zu, die es vor den Gefahren einer radikalen Versachlichung, sprich: vor einer totalen Profanisierung schützt. Andererseits versteht es sich, dass dem Erschaffenen trotz der erwähnten Dignität keine kultische Verehrung zukommen darf. Augustins schöpfungstheologische Äußerungen richten sich deshalb ebenso gegen den zu seiner Zeit noch lebendigen Kult der Heiden. Dabei tut es nichts zur Sache, ob deren Kult dem Universum als solchem oder nur Teilen von ihm gilt. Verehrung gebührt allein dem Schöpfer: Adorare creaturam, das Anbeten der Kreatur, bedeutet soviel wie contemnere creatorem, Verachtung des Schöpfers (Io. eu. tr. 2,4). Die augustinische Devise hingegen lautet: Amemus creaturam propter creatorem – Lasst uns die Schöpfung des Schöpfers wegen lieben (vgl. s. 261,4). Der Glaube an den Schöpfer ist es somit, der die Wertigkeit des Erschaffenen begründet. Indes, Augustin dachte über die Schöpfung, wie schon erwähnt, vorzüglich philosophisch. Er hielt am Credo der Kirche über den Schöpfer des Himmels und der Erde fest, aber er wollte diesen Glauben zugleich auch theoretisch reflektiert verstanden wissen. Er wollte wissen, quomodo, auf welche Weise denn Gott die Schöpfung vollzogen habe (conf. 11,5). Man erkennt in den einschlägigen Texten über dieses quomodo unschwer die Strukturbegriffe der platonisch-neuplatonischen Ontologie. Deren wichtigste philosophische Konnotationen sind dialektischer Begriffspaare wie Unveränderlichkeit und Veränderlichkeit, Ewigkeit und Zeitlichkeit, Identität und Differenz. Der Vorwurf, Augustin habe den biblischen Schöpfungsbegriff durch Hinzuziehung philosophischer Begriffe verfremdet, lässt sich allein schon mit dem Hinweis auf die Verse 26-28 des Psalms 102 entkräften. Dort las er: Dereinst hast du die Erde gegründet, der Himmel ist deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie alle zerfallen wie Kleider. Du wechselst sie wie ein Gewand, du indes bleibst stets derselbe, deine Jahre enden nie. Wie schon in den vorausgegangenen Studientagen versuchen wir auch diesmal, Augustins Schöpfungslehre aus deren geistesgeschichtlichen Voraussetzungen seiner Zeit zu verstehen. Dazu zählen vor allem zwei Bereiche: der Platonismus und die Bibel. Herr Kollege Jörn Müller, wird mit seinem Referat Der Demiurg würfelt nicht. Die Erschaffung der Welt in Platons Timaios wesentliche kosmologische Aspekte aufzeigen, auf die Augustinus zurückgriff. Es ist uns gelungen, Herrn Kollegen Ludger Schwienhorst-Schönberger aus Wien hierher einzuladen. Er wird uns in die Bibelhermeneutik der Genesistexte bei den Vätern, speziell bei Augustinus einführen. Herr Kollege Adolf Martin Ritter aus Heidelberg, den ich schon zum zweitenmal als Referenten unserer Studientage begrüßen darf, wird uns die unterschiedlichen schöpfungstheologischen Strömungen – philosophiefreundliche und philosophiefeindliche – schon im frühen Christentum und in der Spätantike, aber ‹jenseits von Augustin› darlegen. Das Hauptreferat Augustins Schöpfungslehre haben wir der Kollegin aus Dortmund, Frau Larissa Carina Seelbach, anvertraut. Sie, die ich ebenfalls zum zweitenmal als Referentin begrüßen darf, wird uns zeigen, wie Augustinus die wissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Zeit zu Hilfe nahm und wie er diese vertiefend für das breite Feld seiner Schöpfungstheologie fruchtbar machte. Bei unseren Studientagen haben wir stets auch die von Augustinus ausgehenden Wirkungslinien in die auf ihn folgenden Jahrhunderte sporadisch in den Blick zu nehmen versucht. Diese Aufgabe übernahm dankenswerterweise Herr Kollege Dominik Burkard. Er ist Mitglied des Lenkungsausschusses unseres an die hiesige Universität angebundenen Zentrums, das für die Planung der Studientage verantwortlich zeichnet. Auf sein Referat Augustinus – ein Kronzeuge für die Evolutionstheorie mit Fragezeichen dürfen wir gespannt sein. Christof Müller, mein Kollege im Zentrum, wird wie schon in den vergangenen Jahren die Referenten kurz vorstellen und die auf eine viertel Stunde begrenzten Diskussionen nach jedem Referat leiten. Uns allen wünsche ich nunmehr einen unseren Erkenntnisstand bereichernden Studientag. Weiterführende Links Weitere Fotos Programm des Studientags 2009 Tagungsbericht
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