8. Augustinus-Studientag 2010Was ist Zeit? – Die Antwort Augustins (Confessiones 11)Freitag, 18. Juni 2010 Würzburg, Toscanasaal der Residenz
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© A. Mack (ZAF)  |
| Augustinus-Studientag mit Überreichung der Festschrift "Spiritus et Littera". Über die ersten druckfrischen Exemplare freut sich Bischof Dr. Friedhelm Hofmann (2. v. l.) mit dem Geehrten Prof. Dr. Cornelius Mayer (4. v. l.) und dem Team des Zentrums für Augustinus-Forschung: Guntram Förster, PD Dr. Christof Müller, Bürgermeister Dr. Dr. h.c. Adolf Bauer, Dr. Andreas E.J. Grote, Christl Scheler sowie die Leiterin der Bibliotheca Augustiniana, Dr. Carolin Oser-Grote (v.l.n.r.). |
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Bereits zum achten Mal fand am 18. Juni 2010 der Würzburger Augustinus-Studientag statt. Die Veranstaltung stand heuer unter dem Thema „Was ist Zeit? – Die Antwort Augustins“ und lockte mehr als 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Toscana-Saal der Würzburger Residenz, unter ihnen der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann. Seit Philosophen nach Warum und Woher von Welt und menschlicher Existenz fragen, beschäftigt sie auch das Rätsel der Zeit. „Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich es; wenn ich es einem Fragenden erklären soll, weiß ich es nicht“, lautet ein berühmtes Diktum des Kirchenvaters Augustinus von Hippo (354-430). Mit diesem Satz beginnt er zugleich seine Meditation über das Wesen der Zeit, die auch ein moderner Philosoph wie Martin Heidegger im Abstand von 1500 Jahren als „bahnbrechend“ würdigte. Insofern bildete die Fragestellung „Was ist Zeit?“ ein dankbares Rahmenthema für den diesjährigen Würzburger Augustinus-Studientag. Seit diese Tagung des „Zentrums für Augustinus-Forschung“ (ZAF) an der Universität Würzburg im Jahr 2003 begründet wurde, verzeichnete sie heuer mit mehr als 120 Teilnehmern, unter ihnen auch der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann, einen nie dagewesenen Zustrom. Diese zeigten sich fasziniert von dem „zeitlosen Zauber und spirituellen Reichtum“ der augustinischen Zeitreflexion, die der wissenschaftliche Leiter des ZAF, Cornelius Mayer, in seiner thematischen Einführung rühmte. Augustinus entwickelt seine Überlegungen, wie Friedrich-Wilhelm von Herrmann (Universität Freiburg i.Br.) zeigte, ausgehend vom natürlich-alltäglichen Zeitverständnis. Gerade dadurch blieb er auch für moderne Philosophen wie die Phänomenologen Edmund Husserl und Martin Heidegger als Gesprächspartner interessant. Mit seinen Reflexionen steht Augustinus freilich in philosophischer wie biblischer Tradition. Walter Mesch (Universität Münster) erläuterte sowohl die Zeittheorie Platons und deren Fortführung durch den Neuplatoniker Plotin als auch die des Aristoteles – beide finden später ihren Niederschlag in der Zeitanalyse Augustins. Die hebräische Bibel thematisiert im Unterschied zur griechisch-philosophischen Tradition nicht abstrakt die Zeit „an sich“, sondern stets konkret und relational, führte der Alttestamentler Theodor Seidl (Universität Würzburg) aus. Den Hauptvortrag hielt Norbert Fischer (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) unter dem Titel „Gott und die Zeit in Augustins Confessiones“. Die Frage nach dem Wesen der Zeit stellt sich für Augustinus im Kontext seiner Auslegung des Bibelverses „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (Genesis 1,1). Der Kirchenvater erkennt einerseits die Flüchtigkeit und Nichtigkeit der Zeit, andererseits lehrt ihn die Selbsterfahrung, wie „kostbar mir jeder Tropfen Zeit ist“. Seine Reflexionen führen ihn zu der Einsicht, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur im Rückbezug auf den menschlichen Geist eine Seinsweise zukommt. Dieser erstrecke sich, so Augustinus, auf das ihm in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Begegnende, ohne es selbst dauerhaft bewahren zu können. Der menschliche Geist erfahre so seine Angewiesenheit auf Gott, der allein dem Zeitlichen Sein verleihen kann. Aus der Sicht der physikalischen Zeittheorie richtete Wolfgang Achtner (Universität Gießen) kritische Anfragen an Augustinus. Denn während die Physik der Thermodynamik die Richtung der Zeit festgestellt bzw. festgelegt habe, verneine Augustins Zeittheorie des Bewusstseins mit ihrer Bevorzugung der Gegenwart gegenüber Vergangenheit und Zukunft letztlich die Realität und die Richtung der Zeit. Als Schlusspunkt des erfolgreichen Studientages wurde dem Altmeister der Augustinus-Forschung Cornelius Mayer das erste druckfrische Exemplar der ihm anlässlich seines 80. Geburtstages gewidmeten Festschrift „Spiritus et Littera“ überreicht. Der von seinen Mitarbeitern im Zentrum für Augustinus-Forschung Christof Müller, Andreas E.J. Grote und Guntram Förster herausgegebene Band versammelt, neben Geleitworten von Papst Benedikt XVI. und anderen Persönlichkeiten aus Kirche und Politik, Beiträge von vierzig namhaften Augustinus-Forschern aus aller Welt. Der für sein Lebenswerk Geehrte versäumte es nicht, in seiner Dankesrede das Lob an den Kirchenvater weiterzugeben: Letztlich sei es Augustinus selber, dem er die großartige Resonanz auf seine Forschungsprojekte verdanke, und die „Genugtuung, an der Präsentation eines Denkers mitzuarbeiten, der wie nur wenige auch heute noch etwas zu sagen hat“, habe ihn – ebenso wie seine Mitarbeiter – ein Leben lang zu unermüdlicher Forschungstätigkeit motiviert. Die Beiträge des achten Augustinus-Studientages werden in der Reihe „Res et Signa. Augustinus-Studien“ (Echter Verlag) publiziert. Der nächste Augustinus-Studientag findet am 9./10. Juni 2011 statt mit dem Thema „Ästhetik bei Augustinus“. Kontakt: cmayer augustinus.de Weiterführende Links: Pressebericht in "Die Tagespost" vom 24.06.2010 Pressebericht in "Mainpost" vom 22.07.2010 Programm Dokumentation der Reden Tagungsband Bildergalerie
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