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Mbinga - Partnerdiözese des Bistums Würzburg  > Rückblick: Mbinga 1997

Interview mit Bischof Mapunda im Jahr 1997

Trotz ökonomischer Krise kommt die soziale Öffnung in dem tansanischen Partnerbistum voran - Zweite Phase der Partnerschaft soll nun die Ausbildung qualifizierten Personals sein  

Aufgenommen: 2007 von der Unterfränkischen Lehrerdelegation.
Intensiver Austausch: Thomas Henn vom Katechetischen Institut Würzburg nutzt während des Besuchs der Lehrerdelegation in Mbinga 2007 die Gelegenheit zum Gespräch mit Bischof Emmanuel Mapunda.

Anlässlich seiner Aufenthaltes im Juni 1997 wurde der Bischof von Würzburgs Partnerdiözese Mbinga, Emmanuel Mapunda, in der unterfränkischen Diözese interviewt. Darin zieht der tansanische Bischof eine Bilanz der 1989 begründeten Partnerschaft und berichtet von den Problemen, die das junge Bistum Mbinga auf seinem Weg zu bewältigen hat: Die Basis der kirchlichen Arbeit muß gesichert und die soziale Entwicklung vorangebracht werden. Mit seiner materiellen und ideellen Hilfe leistet das Bistum Würzburg einen wichtigen Dienst. Doch Partnerschaft ist keine Einbahnstraße.

Frage: Was ist der Anlaß Ihres Besuchs im Bistum Würzburg?

Bischof Mapunda: Ich bin hier auf Einladung der Abtei Münsterschwarzach. Die Benediktiner baten mich, einen ihrer Brüder zum Priester zu weihen. Ein Sprichwort sagt: Du kannst mit einem heißen Stein mehrere Betten wärmen. Daher gibt mir der Besuch in der Abtei die Chance, auch unsere Partnerdiözese und Bischof Paul-Werner zu besuchen, Gruppen und Pfarreien zu treffen, Kontakte zu knüpfen und Gedanken auszutauschen.

Frage: Seit 1989 besteht die Partnerschaft zwischen Mbinga und Würzburg. Was sind die bisherigen Ergebnisse des Austauschs? Was hat sich in Ihrer Diözese seither verändert?

Bischof Mapunda: Die Partnerschaft ist ein Geschenk von Gottes Vorsehung, von dem ich nicht zu träumen gewagt hätte. Der Bischof von Würzburg, Bischof Dr. Paul-Werner Scheele, besuchte 1989 Mbinga und fragte, ob eine solche Partnerschaft erwünscht sei. Ich traute damals meinen Ohren nicht. Seither ist viel geschehen. Zunächst kam der Würzburger Bischof und hielt Exerzitien für die Priester der Diözese Mbinga. Das war ein guter Start. Aber Partnerschaft ist keine Einbahnstraße, sondern ein Austausch. So gab es wechselseitige Besuche von Gruppen aus den Bistümern - und diese Beziehungen wachsen von Jahr zu Jahr.

Besonders zu erwähnen ist die Hilfe Würzburgs für unser junges Bistum. Bei der Gründung vor zehn Jahren war Mbinga eine Diözese ohne alles. Es gab nur hier und da ein paar alte Pfarreien. So planten wir ein Zentrum für die Diözese. Bei der Ausführung spielte Würzburg eine wunderbare Rolle. Das Bistum half uns, innerhalb von drei Jahren ein Zentrum zu errichten. Als es vor zwei Jahren fertiggestellt wurde, waren wir alle überglücklich. Danach ermutigte man mich, sofort mit dem Bau einer Kathedrale zu beginnen. Diese ist nun vollendet und wird am 14. August eingeweiht. Das waren große Leistungen Würzburgs für unsere Diözese Mbinga.

Nach diesem ersten Schritt soll nun die zweite Phase der Partnerschaft folgen. Sie besteht in der Ausbildung von qualifiziertem Personal auf verschiedenen Gebieten, um die Arbeit der Diözese zu fördern. Ich denke an die Bereiche Frauenarbeit, Jugend, Katechese.

Frage: Das Diözesanzentrum hat nicht nur kirchliche, sondern auch soziale Funktionen. Was bedeutet das für die Diözese Mbinga?

Bischof Mapunda: Das Zentrum dient nicht nur religiösen Zwecken. Es beherbergt Personal, zum Beispiel die Direktoren diözesaner Arbeitsbereiche wie Caritas, Jugend oder Frauen. Wir erhielten ein Ausbildungszentrum für Schulabgänger, die nicht wissen, was sie nachher arbeiten sollen. Sie werden für vier Jahre ausgebildet in den Bereichen Metallhandwerk, Elektro- oder Wasserinstallation. Nach der Ausbildung sind sie gut qualifiziert und können in den Dörfern arbeiten. Das hilft den Menschen und der gesamten Volkswirtschaft. Auch die Direktoren arbeiten nicht nur innerkirchlich, sondern auch auf dem sozialen und wirtschaftlichen Sektor.

Frage: Was sind die Aufgaben von Lukas Komba? Der junge Priester war in den Jahren 1994 und 1996 in Würzburg, um die Partnerschaft auszubauen.

Bischof Mapunda: Er arbeitet als mein Sekretär und ist verantwortlich für die Kommunikation zwischen den Partnern in Würzburg und Mbinga. So ist er in Beratungen und Unternehmungen in unserem Bistum eingebunden.

Frage: Die Partnerschaft sollte wechselseitig sein. Welche Projekte haben sie vor, um Menschen und Ideen auszutauschen?

Bischof Mapunda: Als Lukas zurückkam, wurde ich gefragt, ob es jemanden gebe, der ihn ersetzen könnte. Ich hatte in diesem Augenblick niemand, hatte aber die Idee, zwei Theologiestudenten zu schicken, die an der Würzburger Universität ihr Studium beenden könnten, um den Kontakt zu halten. Sie sind vorbereitet und kommen in diesen Tagen in Würzburg an. Der eine hat noch ein Jahr, der andere noch drei Jahre bis zur Priesterweihe. Wenn sie selbst und die Verwandten einverstanden sind, könnten sie auch hier durch meinen Partnerbischof Paul-Werner geweiht werden.

Frage: Im letzten Jahr besuchte ein Chor aus Mbinga Würzburg. Was waren die Eindrücke der jungen Leute vom Leben in Deutschland?

Bischof Mapunda: Ein einfacher Jugendlicher, der aus dem normalen Leben Mbingas nach Würzburg kommt und den hohen Lebensstandard hier kennenlernt, hat zuerst das Gefühl, fast den Verstand zu verlieren. Das Leben hier kommt ihm wie ein Wunder vor. Die Frage an diese Jugendlichen ist nun, was sie in ihrem Bistum tun vor dem Hintergrund der überraschenden Eindrücke, die sie in Deutschland bekommen haben. Das ist ein schweres Problem, vor dem wir nicht einfach ausweichen können.

Frage: Gibt es Kontakte zwischen Frauen in den Diözesen Mbinga und Würzburg?

Bischof Mapunda: Noch nicht, aber es gibt Initiativen, sie herzustellen. Ich war in Aachen, um mit dem Bischöflichen Hilfswerk Misereor über die Frauenbewegung in der Diözese Mbinga zu sprechen. Im Moment ist mein Problem, die richtigen Leute zu finden, die mit den Frauen in Mbinga arbeiten und Initiativen starten.

Frage: Hat sich in den letzten zehn Jahren die soziale und wirtschaftliche Situation in der Diözese Mbinga verbessert oder leiden die Menschen unter dem Druck der globalen ökonomischen Entwicklung?

Bischof Mapunda: Das ist ein sehr ernstes Problem. Wirtschaftlich hätten die Menschen eigentlich eine gute Chance, weil sie Kaffee anbauen können. Die einfachen Bauern leiden aber sehr unter den Bedingungen des Weltmarkts. Sie arbeiten hart und erzielen gute Ernten, aber ihre Verkaufserlöse sind jämmerlich; sie sind eine Schande. Doch trotz dieses ernsten ökonomischen Problems machen die Leute soziale Fortschritte. Sie sind nicht mehr isoliert. Dank moderner Kommunikationsmittel öffnet sich die Welt um sie herum. In der Nachbardiözese Songea wurde ein Rundfunksender errichtet, der erfolgreich arbeitet. Der Erzbischof hat mich gebeten, die Ausdehnung des Radios in die Diözese Mbinga zu ermöglichen. Das eröffnet Wege der Kommunikation.

Wir haben inzwischen auch Telefon. Es ist noch sehr einfach und man muß sich von der Vermittlung verbinden lassen. Man hat uns Selbstwähltelefon versprochen, aber aufgrund der wirtschaftlichen Situation des Landes braucht es Zeit. Wir arbeiten auch an der Elektrizitätsversorgung der Stadt. Ein Teil der Stadt Mbinga wird schon mit Strom aus Dieselgeneratoren versorgt.

Ein kritischer Punkt sind noch die Straßen, ohne die Kommunikation kaum möglich ist. Der Transport des Kaffees mit schweren Lastwagen hat die Straßen ruiniert. Aber wir haben Hoffnungen, daß sie repariert werden, um Transport und Kommunikation zu ermöglichen. Wir sind sehr dankbar für eine soziale Öffnung, durch die wir uns als Teil unseres Landes, aber auch als Teil der ganzen Welt zu verstehen lernen.