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Mbinga - Partnerdiözese des Bistums Würzburg

„Ich glaube an eine strahlende Zukunft der Partnerschaft“

Bischof John C. Ndimbo
Interview mit John C. Ndimbo, dem neuen Bischof von Würzburgs tansanischer Partnerdiözese Mbinga – Evangelisation und wirtschaftliche Absicherung der Priester als Aufgaben für die Zukunft

 

Mbinga/Würzburg (POW) Am Sonntag, 5. Juni, wurde John C. Ndimbo (50) im Dom der Würzburger Partnerdiözese Mbinga in Tansania zum Bischof geweiht. Im folgenden Interview, das am Tag darauf entstand, erklärt er unter anderem, wo er Schwerpunkte in seiner Arbeit setzen will und wie das Verhältnis von Staat und Kirche in Tansania aussieht. Außerdem spricht er über die Partnerschaft mit Würzburg.

POW: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie erfuhren, dass Sie der neue Bischof von Mbinga werden?

Bischof John C. Ndimbo: Ich war sehr deprimiert, als mir der Apostolische Nuntius mitteilte, dass ich zum zweiten Bischof von Mbinga ernannt werde. Um ehrlich zu sein: Ich habe vor dem Nuntius sogar geweint. Ich habe mich sehr unwürdig für das Amt gefühlt. Dazu kommt, dass ich 21 Jahre lang im Kleinen Seminar von Likonde gearbeitet hatte. Ich war schon sehr müde und ausgebrannt. Mein Wunsch war es, auf eine Pfarrei zu wechseln. Deswegen hat mich die Nachricht, dass ich der designierte Bischof von Mbinga bin, wirklich deprimiert. Ich habe die Aufgabe aber übernommen, nicht zuletzt, weil mich der Nuntius darin ermutigt hat.

POW: Am 5. Juni sind Sie im Kiliansdom von Mbinga zum Bischof geweiht worden. Welcher Moment der Feier ist Ihnen nachhaltig im Gedächtnis geblieben?

Bischof Ndimbo: Mich hat die große Anteilnahme der Gläubigen beeindruckt. Im Dom hat sich ein repräsentativer Querschnitt des Volkes Gottes eingefunden, aber die schiere Zahl war ungewöhnlich. Das hat mir sehr gut gefallen. Für mich war die große Menge ein Indikator dafür, dass diese Leute Hoffnungen auf mich setzen und mir vertrauen.

POW: Der amtierende und der ehemalige Staatspräsident von Tansania haben der Feier beigewohnt. Gibt es einen besonderen Draht des Bistums Mbinga zur Regierung?

Bischof Ndimbo: Es gibt eine enge Zusammenarbeit was den Bereich der Dienste für die Gesellschaft angeht, besonders im sozialen Bereich. Als Stichworte seien das Gesundheitswesen und die Bildung genannt. Wir unterstützen die staatlichen Bemühungen, wo es nötig ist. Von daher gibt es eine Verbindung. Wir verstehen uns als Hilfskraft und bringen uns aus christlicher Verpflichtung ein, wo der Staat nicht die Fähigkeit und Mittel hat. Das weiß die Regierung zu schätzen.

POW: Das Bistum Mbinga hat etwa 360.000 Katholiken in 26 Pfarreien. Fünf weitere Pfarreien werden in Kürze errichtet. Wo sehen Sie für Ihr Bistum die Herausforderungen der Zukunft?

Bischof Ndimbo: Eine große Herausforderung ist die wirtschaftliche Absicherung meiner Priester. Viele haben ein bisschen die Freude an ihrer Aufgabe verloren, weil sie nur mehr die Schwierigkeiten sehen. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, sich darum zu kümmern, dass sie mit Medizin, Kleidung und Essen versorgt sind und ein wenig Geld für persönliche Wünsche zur Verfügung haben. Damit ich sie wieder für ihr Amt motivieren kann, muss ich ein paar Projekte auf die Beine stellen, mit denen ich meine Priester unterstützen kann. Dann können sie sich wieder mit ganzem Herzen ihrer Aufgabe in den Pfarreien widmen. Als zweite Aufgabe sehen ich es an, das fortzusetzen, was mein Vorgänger begonnen hat: die Evangelisation. Wir haben eine ansehnliche Zahl von Katholiken in der Diözese. Aber nur wenige praktizieren ihren Glauben auch tatsächlich. Deswegen muss ich ein paar Maßnahmen starten, um mit diesen Leuten wieder in Kontakt zu kommen und sie zu motivieren, wieder aktive Katholiken zu werden. Als weitere Herausforderung sehe ich es an, Berufungen zu fördern. Das Priesterseminar ist nicht schlecht besucht. Dennoch kommt es vor, dass es Jahre gibt, in denen es keine Neueintritte gibt. Es gab auch schon Jahre ganz ohne Priesterweihe. Dieses Jahr werde ich nur zwei Diakone zu Priestern weihen. Das ist keine besonders beruhigende Zahl. Deswegen muss unser Augenmerk darauf liegen, Berufungen zu fördern. Ich sehe schon einen Zusammenhang mit der eingangs erwähnten gegenwärtigen Situation der Priester in unserem Bistum. Wenn junge Männer den niedrigen Lebensstandard der Priester sehen, werden sie sich sicherlich überlegen, ob das ihr Lebensentwurf sein kann und soll. Berufung ist wichtig, aber die Begleitumstände sind sehr wohl ein Faktor, der bei der Entscheidung für oder gegen das Priesteramt mit einfließt. Ich nehme das sehr ernst und hoffe, dass es uns gelingt, die Zahl der Priester und Ordensleute wieder zu steigern.

POW: Sie haben jahrzehntelange Erfahrung als Leiter eines kirchlichen Internats mit angeschlossenem Gymnasium. Welche Bedeutung haben in Ihren Augen die kirchlichen Bildungseinrichtungen?

Bischof Ndimbo: Die Regierung hat unser Engagement in diesem Bereich gelobt. Wir haben ein breites Spektrum solcher Einrichtungen: angefangen von Kindergärten über Grundschulen bis hin zu weiterführenden Schulen. Darüber hinaus gibt es Berufsschulen, Fachschulen, Fachhochschulen und Universitäten. Als Bischofskonferenz von Tansania haben wir die Vision, dass es in jeder Diözese eine Zweigstelle der in Mwanza ansässigen Katholischen Universität Sankt Augustin geben soll. Die Mehrzahl der Angestellten im öffentlichen Dienst hat eine Ausbildung in einer kirchlichen Einrichtung genossen. Deswegen hat der Präsident auch bei meiner Weihe in seiner Ansprache betont, dass die Regierung auf die Kirche angewiesen ist, und zwar besonders, was Bildung und Gesundheitswesen betrifft. Deswegen hat er ja auch die Bischöfe ermuntert, die Zahl der Berufs- und Fachschulen zu erweitern. Viele junge Leute würden nach der Schule gerne eine Fachhochschule oder Universität besuchen, können sich das aber nicht leisten. Dann wären die eben genannten Schulen für sie oder auch weniger Talentierte eine Möglichkeit, wenigstens ein paar Fähigkeiten zu erwerben.

POW: Wenn Sie die Partnerbistümer Mbinga und Würzburg betrachten: Wo sehen Sie die Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede?

Bischof Ndimbo: Es gibt mehrere Unterschiede: Unser Partnerbistum Würzburg ist extrem gut durchorganisiert. Und Würzburg hat, im Gegensatz zu unserem Bistum, das gerade mal ein knappes Vierteljahrhundert alt ist, eine gewachsene Geschichte. Die Diözese Würzburg hat eine große Anzahl von Facheinrichtungen fast jeglicher Couleur für die unterschiedlichen Aufgaben. Wir haben dafür einfach nicht genug Personal. Das Personal in Deutschland ist exzellent ausgebildet und jeweils spezialisiert. Bei uns werden die meisten Abteilungen von gewöhnlichen Leuten geleitet, die keinerlei spezielle Ausbildung vorweisen können. Hinzu kommt, dass wir in vielen Bereichen nicht ohne Hilfe von außen auskommen, auch finanziell. Außerdem hat das Bistum Würzburg eine Vielzahl von Heiligen und Seligen vorzuweisen. Erst kürzlich wurde in Person von Georg Häfner ein Priester der Diözese Würzburg seliggesprochen. Von der Fläche her ist unser Bistum deutlich größer, und gleichzeitig ist die Zahl der Gläubigen geringer. Gemeinsam ist aber, dass beide Bistümer um den Glauben bemüht sind. Bei meinem zweiten Würzburgaufenthalt durfte ich an der Kiliani-Wallfahrtswoche teilnehmen. Mich hat beeindruckt, wie viele Menschen jeglichen Alters und jeder gesellschaftlichen Schicht zu den Wallfahrtsgottesdiensten in den Dom kamen. Bei meiner Bischofsweihe war es ganz ähnlich. Das hat meine Brüder im Bischofsamt beeindruckt. Sie fragten mich: Wo kamen denn bitte all die Leute her? Ich bin der Meinung, es gibt einfach einen Hunger nach Glauben und Religion. Unsere Aufgabe ist es, diesen zu stillen. Was unsere Bistümer noch gemeinsam haben: Wir wollen uns gegenseitig unterstützen, wo wir es können.

POW: Wo sehen sie die Partnerschaft in zehn Jahren?

Bischof Ndimbo: Ich glaube an eine sehr strahlende Zukunft. Mein Amtsvorgänger Bischof Emmanuel Mapunda hat sich sehr um die Beziehung unserer Bistümer gekümmert. Deswegen bin ich damals nach Würzburg gesandt worden, ausschließlich mit dem Ziel, dass ich mich mit der Partnerschaft vertraut mache. Er wusste, dass mir das gelingen wird. In Würzburg durfte ich eine Vielzahl von Einrichtungen kennenlernen. Insofern habe ich wenigstens ansatzweise einen Einblick in die Bandbreite der Beziehungen zwischen Mbinga und Würzburg. Ich bekomme Rückmeldungen aus Würzburg, die sehr vielversprechend sind. Einige haben mir geschrieben: Bitte kümmern Sie sich darum, dass die Partnerschaft weitergeht. Das gibt mir allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen.

POW: Wann kommen Sie als Bischof von Mbinga uns in Würzburg besuchen?

Bischof Ndimbo: Das ist in der Tat eine schwierige Frage (lacht). Ich käme gerne morgen, aber ich glaube, ich muss erst einmal hier im Bistum starten. Dann können wir gerne planen. Sowohl Bischof Dr. Friedhelm Hofmann als auch Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele haben mich eingeladen. Es gab auch die Einladung aus Würzburg, auch schon vor der Bischofsweihe dorthin zu reisen. Ich habe mir aber überlegt, dass es besser ist, erst nach der Weihe nach Deutschland zu kommen. Sobald ich hier die Dinge sortiert habe, werde ich mitteilen, wann ich komme.

Markus Hauck (POW) aus Mbinga/Tansania