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Umweltbeauftragter  > Kirchliche Umweltberatung

Kirchliche Umweltberatung -
ein wachsendes und vielseitiges Aufgabenfeld

in: GEMEINDE CREATIV.

Zeitschrift des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Heft 5/2002

"Umweltschutz kann sich rechnen" - Unter diesem Thema standen im Juni zehn Abendveran-staltungen auf Landkreisebene, an denen insgesamt 300 Kirchenpfleger teilnahmen (bei 619 Pfarreien und einer Reihe weiterer Filialkirchen). In Vorbereitung und Gestaltung konnte ich mich verlassen auf den Kreis der acht kirchlichen Umweltberaterinnen und -berater. Sie sind von Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand am 29. Januar 2001 im Rahmen eines Wortgottes-dienstes mit einer von Bischof Dr. Paul-Werner Scheele unterzeichneten Urkunde zu diesem neuen Dienst in unserem Bistum beauftragt worden. Dieser Akt ist bislang bundesweit einma-lig!

Im Folgenden soll

das Profil dieses noch jungen Dienstes in der Kirche aufgezeigt,

über die bisherigen Erfahrungen in der praktischen Arbeit am Beispiel des Bistums Würz-burg berichtet und

die berufsbegleitende Fortbildung zum Erwerb der Zusatzqualifikation als kirchliche/r Umweltberater/-in vorgestellt werden.

Profil entwickeln

Die erwähnten Abende können beispielhaft verdeutlichen, worum es bei "kirchlicher Um-weltberatung" vorrangig geht:

Erprobte und praktikable Lösungswege zeigen: Gerade nach dem Anstieg der Energie-preise im Jahr 2001 mehrten sich die Klagen, dass den Kirchenstiftungen "die Kosten davonlaufen". Zumindest in Teilbereichen ist es möglich, ohne große Investitionen über die Senkung unnötiger Verbräuche von Heizenergie, Strom und Wasser - also ohne Komfortverlust - Geld zu sparen und zugleich die Umwelt zu entlasten (indem begrenzte Rohstoffe geschont und weniger Schadstoffe ausgestoßen werden). Die Teilnehmer erhielten dazu Checklisten für eine erste Bestandsaufnahme und Vergleichswerte zur Einstufung ihrer Ergebnisse an die Hand. Auf Anfrage kommt dazu ein kirchlicher Umweltberater vor Ort.

Wissen vermitteln: Die Umweltberater/-innen stellten vor, welche zukunftsweisenden An-sätze bereits praktiziert werden zum Schutz des Klimas z.B. Umstieg von einer Ölheizung auf Biomasse (Holzpellets oder Hackschnitzel), Einsatz von Sonnenkollektoren auch zur Heizungsunterstützung, von Wärmepumpen oder Blockheizkraftwerken, Dämmstoffe. Sie informierten auch über neuere Wege zur dringend gebotenen Verlängerung der Renovie-rungsintervalle in Kirchen, etwa durch Einbau einer sog. Wandtemperierung, Abkehr von Umluft-Gebläseheizungen oder veralteten elektrischen Bankstrahlerheizungen sowie op-timierte Regelung und Steuerung. Fit gemacht hatten sie sich auch in neuen gesetzlichen Bestimmungen und Förderprogrammen, durch die der Staat ökologisch gebotene, teils noch im Vergleich teurere Umstellungen auch wirtschaftlich interessant zu machen sucht.

Bei der Prüfung von Alternativen begleiten: Die Umweltberater/-innen wollen auf diese Weise zumindest eine Ahnung davon vermitteln, welche umweltfreundlichen Alternativen infolge technischer Weiterentwicklung zur Verfügung stehen. Sie wecken Neugier, bringen Diskussions- und Suchprozesse in Gang und begleiten die bisweilen langwierigen Entscheidungsprozesse, wenn dies die Verantwortlichen vor Ort - z.B. in Binsfeld (Landkreis Main-Spessart) - wünschen. Ihnen ist daran gelegen, dass dabei neben technischen und finanziellen Kriterien auch ethische Aspekte - etwa die Vorsorge für kommende Ge-nerationen und die Verantwortung vor Gott - bedacht werden. Grundlage ihrer Arbeit ist das Papier der deutschen Bischöfe "Handeln für die Zukunft der Schöpfung" vom 22. Ok-tober 1998.

Kontakte zu Spezialisten anbahnen: Wegen der angestrebten Nähe zu den Gemeinden wurden in der Vergangenheit interessierte Pastoral- und GemeindereferentInnen aus allen Regionen des Bistums vorrangig angesprochen, sich über eine berufsbegleitende Fortbildung (s. unten) für diese nebenberufliche, teils ehrenamtliche Aufgabe zu qualifizieren. Sie können und wollen die Experten aus einschlägigen Berufszweigen (Ingenieure,...) nicht ersetzen, sondern mithelfen, die richtigen Leute für eine optimale Projektplanung und -realisierung zusammenzuführen.

"Dazu haben wir doch seit Jahren unseren Umweltbeauftragten", mag da mancher Leser denken. Gewiss gehören Information und Bewusstseinsbildung, Motivieren und Beratung, Kooperation mit den kirchlichen Fachstellen wie mit externen Fachleuten zu meinem alltäglichen Tun. Die Mitarbeit der Umweltberater habe ich in den vergangenen Jahren aber nicht als Konkurrenz erlebt, sondern als Bereicherung und Chance, das Angebot im Umweltbereich zu erweitern.

Erfahrungen im Bistum Würzburg

Dazu trägt neben dem persönlichen Vertrauensverhältnis und mehreren gemeinsamen Besprechungen im Jahr die selbstverständliche Praxis bei, dass die Umweltberater ihre Einsätze mit mir als Umweltbeauftragtem absprechen und Erfahrungen gemeinsam reflektieren.

Dabei haben die Umweltberater/-innen neben der "Umweltberatung im engeren Sinn" (vor allem Energieberatung; s. oben) im ersten Jahr bereits eine ganze Reihe weiterer Dienste wahrgenommen, wie aus ihrem Bericht über ihre "Aktivitäten im Jahr 2001" hervorgeht:

Umweltbildung z.B. im April 2001 Studientag "Neue Energie(n) in der Pfarrgemeinde" - für sog. Umweltbeauftragte in Pfarrgemeinderäten und Mitglieder der Kirchenverwaltung; Familienwochenenden "Gottes Schöpfung erleben", Vorträge zu Fragen eines zukunftsfä-higen Lebensstils.

Mitarbeit in der "Lokalen Agenda 21": In Aschaffenburg, Würzburg und Schweinfurt sind kirchliche Umweltberater/-innen als Vertreter der Kirche in Gremien der "Agenda 21" präsent und aktiv.

 "Kirchliches Umweltmanagement": Im "Kilianeum - Haus der Jugend" in Würzburg ist eine Umweltberaterin mit mir an einem Modellprojekt beteiligt, den Umweltgedanken durch freiwillige, dann aber verbindliche Vereinbarungen in den Verwaltungsabläufen fest zu verankern.

Die "Ansprechpartner für Umweltfragen" im Pfarrgemeinderat begleiten: Hier sollen ab kommenden Winter den neuen Pfarrgemeinderäten auf Dekanats- oder Kreisebene gezielte Angebote zur Fortbildung und zum Erfahrungsaustausch gemacht werden.

Arbeitshilfen z.B. die Sammelmappe "Umweltschutz kann sich rechnen"; dazu 18 Farbfolien, auch als Powerpoint-Präsentation.

Öffentlichkeitsarbeit: Über Pressearbeit, einen eigenen Flyer und gelungene Veranstaltungen gelingt es mehr und mehr, die Dienstleistung "Kirchliche Umweltberatung" vor Ort bekannt zu machen.

Rückmeldungen bestätigen, das der konsequente Einsatz für die "Bewahrung der Schöpfung" und die Unterstützung seitens der Bistumsleitung in der Öffentlichkeit "ankommen" und geschätzt werden. Zu Recht versteht sich also ""kirchliche Umweltberatung" als ein "Dienst der Kirche in der Welt von heute" - für Mensch und Schöpfung, für einen umfassenden Schutz des vom Schöpfer geschenkten Lebens.

„Ein lebendiges Zeugnis für ihren Schöpfungsglauben kann die Kirche insbesondere durch konkretes Handeln für die Zukunft der Schöpfung geben. Denn die Glaubwürdigkeit und Autorität der Kirche in Sachen Umwelt wird wesentlich daran gemessen, ob sie selbst in ihrem eigenen Handeln beispielgebende Impulse setzt.“ Die deutschen Bischöfe: Handeln für die Zukunft der Schöpfung, Ziff.191

Neuer Ausbildungskurs "Wege zum schöpfungsfreundlichen Handeln"

Neben den acht Würzburgern gibt es bundesweit rund 30 weitere Männer und Frauen, die einen der bislang zwei Fortbildungskurse besucht haben. Etliche von ihnen haben sich im "Verein zur Förderung Kirchlicher Umweltberatung (FKU) e.V." organisiert.

Der dritte Kurs wird vom 4. bis 8. Dezember 2002 beginnen. Er umfasst insgesamt sieben fünftägige Einheiten (Mittwoch abend bis Sonntag), von denen vier in Bayern (Freising, Benediktbeuern und Münsterschwarzach) stattfinden.

Themen sind u.a. Selbstverständnis und Methoden der Umweltberatung; Ethik, Theologie und Ökologie; Energie und ökologisches Bauen; Umwelt und Entwicklung; Agenda 21...

Die Zusatzqualifikation befähigt kirchliche Mitarbeiter/-innen, kirchliche Gruppen und Einrichtungen in ökologischen Fragen zu beraten. Für die Teilnahme am Kurs wird eine Anstellung bei der Kirche bzw. Mitgliedschaft in einer Ordensgemeinschaft jedoch nicht zwingend vorausgesetzt. Allerdings besteht in der Regel keine Aussicht, mit dieser Zusatzqualifikation neu bei der Kirche angestellt zu werden. Eine Mitarbeit auf Honorarbasis ist aber denkbar.

Das ausführliche Programm ist auch im Internet zu finden unter www.akademie.kljb.org (Umweltberatung).

Edmund Gumpert

Umweltbeauftragter der Diözese Würzburg

Weitere Auskünfte bei:

Edmund Gumpert, Tel. 0931/ 38663504; e-mail: umweltbeauftragter@bistum-wuerzburg.de

Gotthard Dobmeier, Sprecher der Umweltbeauftragten der bayerischen Diözesen München,
Tel. 089/ 2137-1514; e-mail: umweltbeauftragter@ordinariat-muenchen.de ;

Thomas Ehses, Kursleiter, Trägerverein für politische Bildung und Ökologie, Bad Hon-nef-Rhöndorf,
Tel. 02224/ 946540; e-mail: t.ehses@kljb.org

 

Beim Verfasser sind kostenlos erhältlich:

 "Umweltschutz kann sich rechnen" - Einsparpotentiale - exemplarische Projekte - Fördermöglichkeiten (Lose-Blatt-Sammlung, 25 S. DIN A4);

 "Wege zum schöpfungsfreundlichen Handeln" - Prospekt zur Fortbildung 2002-2004.

 "Aktivitäten im Jahr 2001" (Jahresbericht, 6 S.)

 "Handeln für die Zukunft der Schöpfung. Die kirchlichen Umweltberaterinnen und Umweltberater in der Diözese Würzburg (farbiger Flyer).

Bestelladresse: Edmund Gumpert, Umweltbeauftragter der Diözese Würzburg, Kilianeum - Ottostr. 1, 97070 Würzburg, Tel. 0931/ 386-63449 (Maria Freudinger); e-mail: umweltbeauftragter@bistum-wuerzburg.de