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Umweltbeauftragter  > Sachausschuss "Bewahrung der Schöpfung"

Zwanzig Jahre Sachausschuss „Mensch und Umwelt“ (seit 1994 „Bewahrung der Schöpfung“)

Als damals 13. Sachausschuss hat die Vollversammlung des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Würzburg am 2. Oktober 1983 einen Sachausschuss „Mensch und Umwelt“ beschlossen. Am 16.März 1984 trat er in Würzburg zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

Der damalige Beschluss unseres Diözesanrats war bahnbrechend: Als erster Diözesanrat eines Bistums in Bundesrepublik (ja des deutschsprachigen Raums) haben wir zu diesem seinerzeit besonders spannungsgeladenen Themenbereich einen Sachausschuss gegründet. Und bei den wiederholten Bemühungen, die Zahl der Sachausschüsse zu verringern, hat die Vollversammlung seither diesen Bereich stets als so gewichtig und vielschichtig angesehen, dass ein eigener Sachausschuss „Schöpfung“ beibehalten wurde. Darin kam auch eine Anerkennung der zuvor geleisteten Arbeit zum Ausdruck – und darum danken wir heute auch jenen Frauen und Männern, die durch ihre Mitarbeit im Sachausschuss „Mensch und Umwelt“ unübersehbar Akzente gesetzt, das Profil unseres Diözesanrates gefördert und den Dienst der Kirche in unserem Bistum und darüber hinaus aktiv mitgestaltet haben

Wenn wir heute an die Gründung vor 20 Jahren und an Schwerpunkte der Arbeit erinnern, so geht es nicht um eine Bevorzugung eines SA gegenüber der profilierten und engagierten Arbeit der anderen SA, die ich ausdrücklich würdigen möchte. Nein, es geht um den Diözesanrat als ganzen, der sich den „Zeichen der Zeit“, gesellschaftlichen Herausforderungen und pastoralen Aufgaben gestellt, kontroverse Diskussionen nicht gescheut und – darauf will ich im Folgenden eingehen - weithin sichtbare Zeichen gesetzt hat.

1. Zeichen: Die Aktion „Schöpfung bewahren – Pfarrgemeinde mitgestalten“

Die Kath. Junge Gemeinde (KJG) und die Kath. Landjugendbewegung (KLJB) haben 1989/90 Checklisten für eine ökologische Bestandsaufnahme in acht Bereichen z.B. Energie, Abfall, Verkehr, Büro/Papier entwickelt. Die Verantwortlichen in den Pfarreien sollten ihr alltägliches Handeln unter die Lupe nehmen: Inwieweit berücksichtigen sie bereits ökologische Kriterien und wo sind Veränderungen erforderlich und möglich.

Der Diözesanrat hat – auch auf Empfehlung des SA – diese Aktion mitgetragen. Sie war damals bundesweit einzigartig, wurde von verschiedenen Bistümern (z.B. Re-gensburg, Limburg und Köln) „kopiert“ und vom Bundesverband der KJG unter dem Markenzeichen „öko-logo“ verbreitet.

  • eine echte Arbeits-Hilfe für die Gemeinden und Verantwortlichen vor Ort

2. Zeichen: Der Beschluss „Bewahrung der Schöpfung“ im Rahmen des Pastoralen Gesprächs „Wir sind Kirche – Wege suchen im Gespräch“

Dialogprozesse und Diözesanforen wurden in einer ganzen Reihe deutscher Bistümer durchgeführt. Ein eigenständiges Beschlusspapier – einschließlich Angaben zur erhobenen Situation und theologischen Orientierungen – ist dabei in den seltensten Fällen entstanden. Dafür aber hat sich der Sachausschuss zusammen mit dem Umweltbeauftragten eingesetzt, Entwürfe beraten und eine Vorlage zustande gebracht, die im Diözesanpastoralrat einstimmig angenommen werden konnte.

Unser Bischof Paul-Werner hat dann in den Orientierungshilfen „Unser Weg“ dem Weltauftrag einen eigenen Abschnitt gewidmet (vgl. 4.3)

Die Empfehlungen für die Ebene der Pfarrgemeinde und für die Diözese sind zwar nicht vollständig umgesetzt worden, waren und sind aber wichtige „Orientierungshilfen“.

3. Zeichen: Die Umweltinitiative „Unternehmen Lebensbaum“

Diese vom Diözesanrat der Katholiken (gemeinsam mit dem Bistum, repräsentiert v.a. durch Generalvikar Dr. Hillenbrand) maßgeblich mitgetragene Umweltinitiative „Unternehmen Lebensbaum“ wurde erneut zu einem Modell für andere z.B. für die „Aktion Pro Schöpfung“ im Bistum Hildesheim. Auch beim Katholikentag in Hamburg stellte sich das Bistum Würzburg mit diesem Schwerpunkt vor – und fand viel Beachtung und Anerkennung.

Die Anregungen aus Reihen des Sachausschusses und die begleitende Unterstüt-zung der einzelnen Schritte durch Mitglieder des SA waren wesentlich für das Gelingen dieser Aktion. Bis heute besonders wichtig die „Zehn Thesen“ von Prof. Michael Rosenberger, damals Mitglied des Sachausschusses „Schöpfung bewahren – eine wichtige Dimension der Gemeindearbeit“, die im SA mit beraten wurden.

4. Zeichen: In die kirchliche und gesellschaftliche Öffentlichkeit hinein

Zwei Beispiele:

  • Seit Ende 1997 gibt es im „Würzburger Kath. Sonntagsblatt“ eine Themenseite „Mit der Schöpfung leben“. Die Anregung für eine solche Themenseite kam aus dem Sachausschuss; in einer Reihe von Gesprächen konnte der SA die Bereitschaft von Chefredakteur Wolfgang Bullin erreichen, dem an dieser Stelle besonderer Dank gilt. Er ging das Wagnis ein, verdächtig zu werden, sich „vor den Karren der Grünen spannen“ zu lassen oder dass bald die Beiträge ausbleiben könnten. Sie wissen selbst, dass die Initiative des SA bis heute vom Umweltbeauftragten in Kooperation mit Herrn Bullin umgesetzt wird; an der Themenfindung ist der SA jeweils zu Beginn des Jahres beteiligt. So zählen auch Berichte über die jähr-lichen Exkursionen des SA, über die Arbeit des SA sowie Anregungen für die pfarrlichen Umweltbeauftragten zu den Inhalten dieser Seite.
  • Da wo der unumstrittene Auftrag, als Christen für die „Bewahrung der Schöpfung“ konkretisiert wird in Forderungen nach nötigen Veränderungen, sei es im kirchlichen Beriech, sei es gegenüber Politik und Gesellschaft, sind Konflikte unvermeidlich; da prallen – und prallten – auch im Diözesanrat unterschiedliche Meinungen aufeinander. Die Männer und Frauen, die in den Achtziger Jahren dem SA angehörten, erzählen noch heute von den Diskussionen. die ausgelöst wurden von Anträgen wie zum Katalysator in PKW – als Maßnahme gegen das dramatische Waldsterben. Angesichts des neuen Bayer. Abfallwirtschaftsgesetzes 1991 folgte eine Erklärung zur Abfallvermeidung und –trennung.

5. Zeichen: Wider falsche Berührungsängste zur „Umweltbewegung“

Als 1985 die Kath. Landjugendbewegung beschloss, in den Trägerkreis für den 1. Deutschen Umwelttag im Juni 1986 in Würzburg zu gehen, diskutierte der Diözesanrat in einem AK die Haltung der Kirche gegenüber dieser Veranstaltung (Bereitstellen von Pfarrheimen, eigene Veranstaltungen??). Angesichts teils radikaler Positionen z.B. zur Kernenergie, zur Legitimität von Gewalt o.a. , die von am DUT beteiligten nichtkirchlichen Gruppen vertreten wurden, war diese Diskussion unumgänglich, führte aber zu einer Haltung der Dialogbereitschaft und dem Bekenntnis einer Mitverantwortung, die Entwicklung aktiv mitgestalten zu willen statt Ab- und Ausgrenzung.

6. Zeichen: Für das Leitbild der Nachhaltigkeit

Nach Erscheinen der von MISEREOR mit herausgegebenen Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ hat der Sachausschuss u.a. einen Studientag zu den Inhalten der Studie organisiert, an dem auch der Vorstand des Diözesanrates teilnahm.

Folgewirkungen: Mitglieder des Sachausschusses

  • engagierten sich in der Bildungsarbeit für die Verbreitung der Leitbilder dieser Studie,
  • sammelten Beispiele, wo kirchliche Verbände, Gruppen und Einrichtungen bereits im Sinn der Nachhaltigkeit – also der gleichzeitigen Beachtung ökonomischer Stabilität, sozialer Gerechtigkeit und Umweltverträglichkeit – tätig sind (viele davon gingen in das Buch „Der Zukunft Heimat geben“ ein)
  • suchten die engere Zusammenarbeit mit dem Sachausschuss „Mission – Gerechtigkeit – Frieden“, denn Umwelt und Entwicklung hängen zusammen;
  • diskutierten intensiv den Entwurf für das „Wort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland“ und erarbeiteten eine umfangreiche Stellungnahme dazu, die besonders auf die Erweiterung der Perspektive um den „Schutz der Lebensgrundlagen“ abzielte. In der Endfassung, erschienen im Februar 1997 unter dem Titel „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ – findet sich dann bemerkenswerterweise die ökologische Herausforderung als durchgängige Dimension!

7. Zeichen: Schöpfungsspiritualität

Dem SA war daran gelegen, vom Reden zum Handeln zu führen – auch wenn dieser Weg oft lang und mühsam ist und nicht immer rasch zu den angezielten Ergebnissen führt. Dabei ging es aber weder um Aktionismus noch um das Kopieren anderer. Der SA war und ist auch bemüht, die Eigenart und Eigenständigkeit des kirchlichen Beitrags zur Bewahrung der Schöpfung zu verdeutlichen.

Besondere Verdienste hat hier SA-Mitglied Prof. Michael Rosenberger, der ja vor den Vollversammlung am 13. Okt. 2000 dazu referiert hat (s. Broschüre: Im Zeichen des Lebensbaumes. Einführung in die christliche Schöpfungsspiritualität)

Auch die Anregung, Abt Gregor Hanke heute über benediktinische Schöpfungsspiritualität referieren zu lassen, geht auf den SA zurück.

8. Zeichen: Vernetzung

Was heute gängig ist, nämlich „vernetzt zu denken“, kennzeichnet den SA von Anbeginn: Er war und ist angelegt als ein Beratungsgremium, in dem Vertreter unterschiedlicher Fachrichtungen, gesellschaftlicher Bereiche und Institutionen, politischer Orientierung ihr Wissen. ihre Erfahrung und ihre Ideen einbringen – Biologen und Physiker, Pädagogen, Theologen, Land- und Forstwirte, Fachleute für Ernährung und Verbraucherberatung, Laien und Priester, verantwortliche Mitarbeiter staatlicher Behörden und kirchlicher Verbände (um nur einige Kategorien zu nennen). Im Sachausschuss ist es stets gelungen, in gutem persönlichen Miteinander zu arbeiten, was sich auch am hohen Grad der Beteiligung an den Sitzungen zeigt.

Dank für diese Verbindlichkeit.

9. Zeichen: Kontinuität

Der SA hat in aller Regel auch dann weiter gearbeitet, wenn der Abschlussbericht einer Sitzungsperiode der Vollversammlung vorgelegt war.

Kontinuität zeigt sich aber auch in der Mitarbeit oft über lange Zeit. So gehörte Dr. Burkhard (Domschule) dem Gremium von Anbeginn bis 2002 an, Peter Krämer und Christine Löffler bringen es inzwischen ebenfalls auf 18 Jahre Zugehörigkeit. Dafür Dank!

Zugleich achtete der Vorstand bei der Neuberufung natürlich auch auf den notwendigen Wandel. Die Mischung aus Kontinuität und Innovation scheint uns – dem Vorstand – bei den Berufungen gut gelungen zu sein.

10. Marken-Zeichen: Praxisorientierung

Impulse geben für Christen vor Ort – daran war dem SA von Anbeginn gelegen. Schon in den ersten Jahren erschien eine ganze Sammlung von kleinen „Handzetteln“ unter dem Titel „Kirche und Umweltfragen“ – mit knappen, verständlichen und fachlich fundierten Umwelttipps.

Aus jüngster Zeit seien nur genannt

  • das bereits in 2. Auflage verbreitete Faltblatt „Tischgebete an den Schöpfer“
  • der Flyer „Sachbeauftragte/f für Umweltfragen im Pfarrgemeinderat – eine lohnende Aufgabe.“

In Vorbereitung ist eine Hilfestellung zur Gestaltung von Pfarrfesten.

5. März 2004 Edmund Gumpert