Edmund Gumpert Entwicklungslinien in der kirchlichen Umweltarbeit im Bistum Würzburg- Beitrag zur Vollversammlung des Diözesanrates der Katholiken am 13.März 2004 -Aufbau:1.Entwicklungen/ Veränderungen1.1 Vom Reagieren auf die Umweltkrise zur vertieften Sicht des kirchlichen Selbstverständnisses und veränderten pastoralen Praxis im Bistum 1.2 Vom reinen Ehrenamt zur Professionalisierung 1.3 Vom guten Willen einzelner zum systematischen Vorgehen 1.4 Von „Feigenblatt“ zum „Markenzeichen“ 1.5 Von „Berührungsängsten“ zur Kooperation mit Umweltverbänden u.a. 1.6 Vom Umweltschutz zum Denken in Zusammenhängen (Nachhaltigkeit) 1.7 Vom Reden zum Tun 2.Durchgängige Kennzeichen2.1 Auf der Grundlage des Glaubens an Gott, den Schöpfer und Vollender von Mensch und Welt 2.2 Ausgerichtet an kirchlichen Verlautbarungen 2.3 Motiviert durch eine vertiefte Schöpfungsspiritualität 2.4 Mit Beharrlichkeit und langem Atem 2.5 Hoffung wider Hoffnungslosigkeit 3.Pastorale Überlegungen mit Blick auf absehbare Zukunft1. Entwicklungen1.1 Vom Reagieren auf die Umweltkrise zur vertieften Sicht des kirchlichen Selbstverständnisses und veränderten pastoralen Praxis im BistumDie „Umweltkrise“ löste massive Anfragen an die Kirchen aus: Ich kann hier nur erinnern an die Vorwürfe, Juden und Christen seien daran letztlich schuld (C.Amery: Das Ende der Vorsehung), aber auch die Kritik, die Kirche verschlafe untätig die „Zeichen der Zeit“ wie bei der sozialen Frage des 19. Jahrhunderts. 1985 räumen die Kirchen ein, von der Umweltkrise unvorbereitet getroffen worden zu sein, sie habe nun aber eine vertiefte Reflexion der biblischen Botschaft von der Schöpfung und Vollendung der Welt ausgelöst. In der Theologie hat sich hier viel bewegt – mit pastoralen Konsequenzen im Bistum. - Der Bereich „Bewahrung des Schöpfung“ ist Teil unseres Weges im Bistum Würzburg. Bischof Paul-Werner unterstrich: Wir können es nicht dabei belassen, die akute Gefährdung der Schöpfung zu registrieren; wir sind aufgerufen, alles uns Mögliche für die Bewahrung der Schöpfung zu tun.“ (4.3.3)
- Diese Aufforderung hat mit zur Umweltinitiative „Unternehmen Lebensbaum“ geführt. Wir konnten nach innen und außen dokumentieren, dass es „in unserem Bistum keinen einzigen größeren ‚weißen Fleck’ auf der Umweltlandkarte gibt“ – weder in einem Dekanat noch in einer der Dimensionen Liturgie, Verkündigung, Diakonie oder Gemeindeaufbau (vgl. Prof. Michael Rosenberger: Zehn Thesen: Schöpfung bewahren – eine wichtige Dimension in der Gemeindearbeit)
Auch wenn jeder weiß, dass da und dort noch mehr getan werden müsste und könnte, so „ernten“ wir heute statt Anfragen Respekt. 1.2 Vom reinen Ehrenamt zur ProfessionalisierungEhrenamtlich engagierten sich die Männer und Frauen, die sich 1984 in den ersten Sachausschuss „Mensch und Natur berufen ließen. Unter ihnen Forstdirektor Josef Hirschmann, der zum ersten Vorsitzenden des Ausschusses gewählt wurde. Er ließ sich – eben in Ruhestand gegangen – Mitte 1986 zum ersten Umweltbeauftragten berufen und übte diese Aufgabe vier Jahre lang ehrenamtlich aus (während alle anderen bayerischen Bistümer einen Pfarrer oder hauptamtlichen Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betrauten).Aufgrund seiner beruflichen Verbindungen leistete er enorm viel im Kontakt mit staatlichen Stellen und Naturschutzverbänden, stellte sich fachkundig den Diskussionen zur Überwindung des Waldsterbens und um die Verantwortbarkeit der Kernenergie angesichts des Reaktorunglücks im April 1986 in Tschernobyl. Seine Erfahrung: Will man stärker mit Pfarreien und Verbände in Umweltfragen kooperieren, braucht es einen „Insider“, der auch genügend Zeit dafür hat. Daher seit Ende 1990 ein hauptamtlicher Umweltbeauftragter (bis heute Teilzeit 50%) Die Anforderungen hinsichtlich Bildung und Beratung wuchsen weiter an. 1996 wurde drei pastoralen Mitarbeitern die berufsbegleitende Ausbildung zum/r „kirchlichen Umweltberater/-in“ bewilligt, 1999 vier weiteren. 2001 hat das Bistum Würzburg als erstes deutsches Bistum acht Männer und Frauen formell als „kirchl. Umweltberater“ beauftragt, die diesen Dienst teils ehrenamtlich, teils im Rahmen der Dienstzeit neben einer Hauptaufgabe ausüben (s. Jahresbericht) Seit 2002/2003 können sich Wolfgang Wetzstein (Caritas) und Josef Unser (Kilianeum – Haus der Jugend) als sog. „Umweltmanagement-Beauftragte“ mit einigen Wochenstunden um die konsequente Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen in ihren Einrichtungen kümmern. Zugenommen haben damit auch die Anforderungen hinsichtlich Begleitung und Koordination. 1.3 Vom guten Willen einzelner zum systematischen VorgehenEin Ansatz war, an den guten Willen der Menschen zu appellieren. Immer wieder erlebte und erlebe ich, mit welchem Idealismus und Elan einzelne Jugendliche und Erwachsene in Gemeinden, Räten und Verbänden Umweltthemen und –aufgaben anpacken, Ideen entwickeln und „etwas machen“ wollen – nicht verstanden und nicht ernst genommen wurden und frustriert ihre Mitarbeit eingestellt haben. Besser ist es, wenn sich ein ganzes Gremium auf Ziele, Aufgaben, Zuständigkeiten und Termine verständigt, also auch im Umweltbereich Projekte umschriebt und durchführt. Bei solch systematischem Vorgehen bestehen größere Erfolgsaussichten. Beispiele: - 300 Kirchenpflegern haben wir im Jahr 2002 einfache Checklisten an die Hand gegeben, um regelmäßig die Verbräuche an Strom, Heizenergie und Wasser zu erfassen und Einsparmöglichkeiten zu entdecken.
- Noch einen Schritt weiter geht das Konzept „Kirchliches Umweltmanagement“, das sich in der Geschäftsstelle des Caritasverbandes und im Kilianeum – Haus der Jugend bewährt und auch in einigen Pfarrgemeinden und ihren Gebäuden erprobt werden sollte (s. AK1)
1.4 Von „Feigenblatt“ zum „Markenzeichen“In den ersten Jahren meiner Tätigkeit mehr als einmal gefragt, ob ich nicht eine Alibifunktion hätte –damit man sagen kann „wir haben doch den Umweltbeauftragten“, im Grunde aber nichts ändern wolle. Einem solchen Verdacht, dem ich längst nicht mehr begegne, könnten wir als Bistum selbstbewusst entgegenhalten, in welchen Bereichen überall Würzburg auch bundesweit inzwischen führend ist: - „Schöpfung bewahren – Pfarrgemeinde mitgestalten“: Dieser Ansatz für eine Bestandsaufnahme in Pfarrgemeinden und Einrichtungen – von KJG und KLJB Würzburg entwickelt und vom Diözesanrat mitgetragen – wurde erst in Köln, dann bundesweit unter dem Motto „öko-logo“ übernommen.
- „Unternehmen Lebensbaum“: Die Umweltinitiative von Bistum und Diözesanrat fand starke öffentliche Beachtung; Grundlage für die „Aktion Pro Schöpfung“ im Bistum Osnabrück.
- Die Themenseite „Mit der Schöpfung leben“ – im November 1997 vorsichtig gestartet – ist zu einem typischen Merkmal des „Würzburger Kath. Sonntagsblatts geworden.
- Die meisten kirchlichen Umweltberater (s. oben)
- „Kirchengemeinden für die Sonnenenergie“: Im Rahmen dieser Förderinitiative der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wurden über 20 Solaranlagen kostengünstig gefördert, so dass im Lauf der Nutzung auch finanziell ein „Gewinn“ erzielt wird – bezogen auf die Katholikenanzahl wurden in keinem anderen Bistum so viele Solarprojekte umgesetzt.
- Umweltmanagement: gleich zwei von insgesamt sieben katholischen Einrichtungen, die von 2001 bis 2003 am Modellvorhaben beteiligt waren, liegen im Bistum Würzburg.
„Ich bin neidisch, was in Würzburg geht“ – bekamen wir z.B. beim Katholikentag in Hamburg 2000 am Bistumsstand mit dem Schwerpunkt „Unternehmen Lebensbaum“ zu hören. 1.5 Von „Berührungsängsten“ zur Kooperation mit Umweltverbänden u.a.Noch zu Beginn meiner Tätigkeit befürchteten manche, kirchliche Umweltgruppen und ich könnten uns von gesellschaftlichen Gruppen „vor den Karren spannen lassen“, die zur Kirche konträre Positionen vertraten, ein anderes Menschenbild haben o.a.. Noch deutlicher spürbar waren solche Ängste Jahre zuvor im Vorfeld des „1. Deutschen Umwelttages“ 1986 in Würzburg. Doch bereits Ende 1989 haben beide Kirchen im wegweisenden Wort „Gott ist ein Freund des Lebens“ betont: „Der Schutz des Lebens ist eine allen Menschen, nicht nur den Christen gestellte Aufgabe. Christen werden ihren Einsatz als Tat in der Nachfolge Jesu sehen. Aber bei praktischen Schritten zum Schutz des Lebens kommt es weniger auf die Identifizierbarkeit der eigenen Aktivitäten als vielmehr auf die Zusammenarbeit der nach Herkunft und Orientierung durchaus unterschiedlichen Kräfte an. Was wir brauchen, ist eine umfassende gemeinsame Anstrengung aller zum Schutz des Lebens“ (I.3)
Spätestens seit der von MISEREOR mit herausgegebenen viel beachteten Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ – mit acht Leitbildern für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland – gibt es eine fruchtbare Zusammenarbeit kirchlicher Einrichtungen der Erwachsenenbildung mit dem Bund Naturschutz, Verantwortlichen für die Agenda 21 in Gemeinden und Landkreisen sowie mit der Regierung von Unterfranken. Wo anfangs Skepsis bestand, „“was da im Umweltbereich auf einmal die Kirche will“, schätzt man heute die Fachkompetenz und die verlässliche Mitarbeit. 1.6 Vom Umweltschutz zum Denken in Zusammenhängen (Nachhaltigkeit)Sicher war es anfangs unerlässlich, zu verdeutlichen, welche Aufgaben und Möglichkeiten die Kirche aufgrund ihres Selbstverständnisses, des christlichen Glaubens an Schöpfung, Erlösung und Vollendung von Mensch und Welt hat. Doch nie wurde dieses Anliegen verabsolutiert! Angebahnt vom „konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung“ (seit 1983) – also von den Kirchen - haben die Staats- und Regierungschefs von 178 Staaten auf der viel beachteten UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio 1992 in der Agenda 21 zum Leitbild der Nachhaltigkeit bekannt: Für mehr Gerechtigkeit weltweit und den kommenden Generationen gegenüber ist es unerlässlich, zugleich nach wirtschaftlicher Stabilität, sozialer Ausgewogenheit und Umweltverträglichkeit zu streben. Im Sozialwort „für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ ist dies durchgängiges Prinzip – nicht zuletzt dank einer Stellungnahme der Umweltbeauftragten! Im Blick auf „Erneuern und sparen“ zeigen sich hier noch ungenutzte Potentiale: - Immer mehr Kirchenpfleger fragen nach Lösungen, die vielleicht zunächst mehr kosten, in den Folgejahren aber die laufenden Kosten senken und damit sparen helfen.
- Durch „Umweltmanagement“ werden auch Einsparmöglichkeiten im laufenden Betrieb erkannt und genutzt.
Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit müssen folglich kein Widerspruch sein! 1.7 Vom Reden zum Tunist es bekanntlich ein weiter Weg. War es anfangs nicht einfach, auf vorbildliche Einrichtungen und Maßnahmen zu verweisen, so würde heute eine vollständige Auflistung vorzeigbarer Beiträge zur „Bewahrung der Schöpfung“ den Rahmen dieses Vortrags sprengen. Vieles konnten Sie im Sonntagsblatt lesen; „Zukunftsfähige Lösungen beim Heizen von Kirchen und anderen kirchlichen Gebäuden“ finden Sei im aufliegenden Faltblatt; Das dem Bistum gehörende Jugendhaus und Schullandheim „Thüringer Hütte“ mit „Energiepark“ und „Sinnespark“ sowie das KJG-Haus in Schonungen mit dem Projekt „Lernen in Öko-Werkstätten“ sind anerkannte, vom Feistaat Bayern und Schullandheimwerk geförderte Umwelt-Lernorte (s. AK3)3 2. Durchgängige Kennzeichen2.1 Auf der Grundlage des Glaubens an Gott, den Schöpfer und Vollender von Mensch und WeltStichworte: Mensch als von Gott beauftragter Haushalter, bewahren und gestalten, Überzeugung, dass die Zukunft der Erde nicht allein vom menschlichen Handeln bzw. Unterlassen abhängt, sondern in der Hand Gottes liegt... Beispiele: „Einheit „Bewahrung der Schöpfung“ im Pastoraljahr (Vorbereitungsjahr für angehende Kapläne und PastoralassistentInnen); zwei Studientage für pastorale MitarbeiterInnen, 2.2 Ausgerichtet an kirchlichen VerlautbarungenNur zwei Beispiele: - Unmittelbar nach Erscheinen des Papiers „Handeln für die Zukunft der Schöpfung“ im Herbst 1998 wurde die Umweltinitiative „Unternehmen Lebensbaum“ gestartet, „damit das Papier nicht Papier bleibt, sondern mit Leben gefüllt wird“.
- Anfang 1999 legte ich dem Diözesanpastoralrat einen Bericht über den Stand der Umsetzung der Empfehlungen im Beschluss 13 „Bewahrung der Schöpfung“ vom Nov. 1995 vor.
2.3 Motiviert durch eine vertiefte SchöpfungsspiritualitätHier wegweisende Arbeiten von Michael Rosenberger („Wörterbuch Schöpfungsspiritualität“, Vortrag in der Vollversammlung, Lexikon christlicher Schöpfungsspiritualität; eucharistische Gebetsstunde „Bewahrung der Schöpfung“); Vortrag Abt Gregor Hanke am 12.3.; Dr. Anselm Grün ... 2.4 Mit Beharrlichkeit und langem AtemWir als Kirche können nicht behaupten, wirklich Vorreiter in Eintreten für die „Bewahrung der Schöpfung“ gewesen zu sein. Was aber sehr wohl wahrgenommen wird – im Bistum, in anderen Bistümern, von Kirchenfernen, von Mandatsträgern und Medienleuten ist die Hartnäckigkeit, mit der in unserem Bistum an den Aufgaben in Bildung, Liturgie und Praxis gearbeitet wird – unabhängig davon, ob Umweltprobleme gerade als vorrangig angesehen, totgeschwiegen oder schön geredet werden. Hier erwiesen und erweisen sich auch das Wohlwollen und Zutrauen der Bistumsleitung – stellvertretend genant seien meine Dienstvorgesetzten Prälat Wilhelm Heinz und Domkapitular Hans Herderich, Dr. Karl Hillenbrand und Bischof Dr. Paul-Werner Scheele – als sehr förderlich. Umfragen und Gespräche belegen: Umweltengagement der Kirchen kann beitragen dazu, dass Menschen nicht aus der Kirche austreten. 2.5 Hoffung wider HoffnungslosigkeitDas Grundlagenpapier „Unsere Hoffnung“ der Würzburger Synode als immer neue Mahnung, Welt und Zukunft nicht gleichgültig oder gar mit „apokalyptischer Schadenfreude“ gegenüber zu stehen, sondern die „Spengkraft gelebter Hoffnung“ zu bezeugen Hoffnung – ist etwas anderes als Schönreden, Verharmlosen, Verdrängen; gründet im vertrauen auf Schöpfer-gott, der einen Bund gestiftet hat mit seiner Schöpfung. 3. Pastorale Überlegungen mit Blick auf absehbare ZukunftChristus ist gekommen, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben (Joh 10,10). Neben der Hoffnung auf die Vollendung des Lebens bei Gott geht es um Förderung des Lebens hier und heute: Hier gilt: Die Gabe des Lebens ist in der Gegenwart massiven Bedrohungen ausgesetzt, und darum bedarf es verstärkter Anstrengung, lebenszerstörenden Tendenzen zuwehren, Ehrfurcht vor dem Leben zu wecken und zum Leben zu ermutigen. Dabei kann sich niemand ohne Schaden für die eigene Glaubwürdigkeit auf Dauer nur bestimmten ausgewählten Gefährdungen des Lebens zuwenden und zu anderen schweigen.“ (Gott ist ein Freund des Lebens, 1989)
Glückendes Leben braucht auch einen intakten und gesunden Lebensraum, braucht gerechten Zugang zu den begrenzten Gütern der Erde, braucht Vorsorge für nach uns lebende Menschen. Würden wir diese Zusammenhänge ignorieren und die nichtmenschliche Schöpfung gering achten, träte der genannte „Schaden für die Glaubwürdigkeit“ zwangsläufig ein. Positiv gewendet: Es liegt im Interesse der Kirche und ihres Auftrags, auch künftig in der Sorge um Gottes Schöpfung, um das Leben in all seinen Formen nicht nachzulassen. Im gleichen Jahr 1989 hat dies die Ökumenische Versammlung der Kirchen der DDR in Dresden so formuliert: Wenn die Kirche sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzt, ist sie bei ihrer ureigensten Sache und versucht, die Mitte des Evangeliums zu leben und zu verkündigen. Umgekehrt: Eine Kirche, die es versäumt, sich aus ganzer Kraft für die Schöpfung einzusetzen, verrät ihren eigenen Auftrag.
In Anlehnung an die Erklärung „Verantwortung für die Schöpfung“ heißt es im Handbuch Praktische Theologie (2001), S.375 bzw. 374: Da die Kirchen keinen partikulären gesellschaftlichen Interessen verpflichtet sind, hätten sie wie kaum eine andere gesellschaftliche Kraft die Chance, sich als Lobby der kommenden Generationen zu machen und der Menschen, die zu den ersten Opfern der ökologischen Zerstörung zählen werden.“ Und weiter: „Die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen müsste wegen der Dringlichkeit, der kaum zu ermessenden Zahl prognostizierter Opfer und der historisch beispiellosen Qualität in Verkündigung und diakonischem Handelnd er Kirche die erste Priorität bilden.“
Selbst wenn man sich nicht dieser geradezu dramatischen Beschwörung anschließt, bleibt aus theologischen Gründen die Frage: Wie könnten wir die Botschaft vom Reich Gottes, von der Erwartung des neuen Himmels und der neuen Erde glaubwürdig verkünden, wenn wir Gottes Schöpfung (die „alte Erde“) achtlos sich selbst überlassen würden? Denn – so ist im Beschluss 13 „Bewahrung der Schöpfung“ (2.2) nachzulesen: „Wer die Zerstörung der Natur weiterhin widerspruchslos geschehen lässt, lässt auch zu, dass Menschen der Schöpfung als Ort der Gotteserfahrung beraubt werden“, Der neue Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch nennt als Leitfragen für die Schwerpunktsetzung in der Pastoral: - Kann die Aufgabe dazu beitragen, dass sie die Wirklichkeit und Lebendigkeit des Reiches Gottes stärker aufleuchten lässt?
- Kann die Aufgabe dazu beitragen, dass der Glaube verkündet und von den einzelnen als persönlicher Glaube angenommen wird?
- Kann die Aufgabe dazu beitragen, dass die Charismen der einzelnen entdeckt und fruchtbar gemacht werden können?
- Kann die Aufgabe dazu beitragen, dass die Gemeinschaft der Kirche als Ganze und vor Ort gestärkt wird?
Beantworten Sie selbst diese Fragen mit Blick auf die Aufgabe „Bewahrung der Schöpfung“! Ich hoffe, dass die Antwort derjenigen, die über die künftigen Prioritäten der Pastoral im Bistum Würzburg entscheiden, lautet: JA. 12.3.2004 Edmund Gumpert |