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Umweltbeauftragter  > Sachausschuss "Bewahrung der Schöpfung"

Nachhaltige Landwirtschaft

Antragssteller: Sachausschuss III , Bewahrung der Schöpfung

Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Würzburg spricht sich für eine Neuorientierung hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft aus. Das Prinzip der Nachhaltigkeit hat seine Wurzeln in dem christlichen Verständnis von Solidarität und Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen. Mit dieser Position unterstreicht der Diözesanrat die Stellungnahmen der Deutschen Bischofskonferenz, der EKD und des ZdK.

Der Diözesanrat setzt sich ein für eine Landwirtschaft mit folgenden Zielen:

  • Nachhaltigkeit
    Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft ist die Erhaltung der natürlichen Ressourcen und ihrer Funktionsfähigkeit für die heutige und die nachfolgenden Generationen. Nachhaltiges Bewirtschaften bedeutet, dass im Rahmen einer verantwortungsbewussten und ökologisch orientierten, aber auch betriebswirtschaftlich rentablen Kreislaufwirtschaft der Verbrauch der Ressourcen minimiert wird und Umweltbelastungen vermieden werden. Das bedeutet insbesondere, dass die Bodenfunktionen, der Wasserhaushalt und -qualität und die biologische Vielfalt erhalten, verbessert und bereits eingetretene Schädigungen und Fehlentwicklungen begrenzt werden.
  • Globale Verantwortung
    Eine nachhaltige Landwirtschaft ist sich ihrer weltweiten Verantwortung bewusst. Sie trägt zum Erhalt einer nachhaltigen und Existenz sichernden Landwirtschaft bei.

Im Einzelnen bedeutet dies:

  • Umweltverträglicher Landbau und Landschaftspflege
    Eine nachhaltig umweltschonende Landbewirtschaftung, einschließlich der Schonung von Boden und Grundwasser, muss gewährleistet sein. Der ökologische Landbau ist ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Landwirtschaft und verdient Wertschätzung und Unterstützung seitens der VerbraucherInnen.
  • Verantwortungsbewusster Import
    Die Chancen der so genannten Entwicklungsländer zur selbständigen Versorgung muss vor allem durch den Ausbau ihrer Eigenproduktion verbessert werden. Dieser Prozess darf nicht durch Importe von Futtermittel-Rohstoffen aus Entwicklungsländern oder durch Agrarexporte der Industrieländer gefährdet werden.
  • Artgerechte Tierhaltung
    Artgerechte Tierhaltung dient dem Schutz von Natur und Umwelt und bildet die Grundvoraussetzung für die Erzeugung gesunder und vollwertiger Lebensmittel. Sie entspricht darüber hinaus dem ethischen Gebot, empfindungsfähige Lebewesen wie Tiere vor vermeidbaren Schmerzen und Leiden zu bewahren.
  • Gentechnik
    Solange die gesundheitlichen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen des Einsatzes gentechnisch veränderter Organismen im landwirtschaftlichen Bereich nicht hinreichend geklärt und entsprechende Risiken nicht definitiv ausgeschlossen bzw. sicher beherrschbar sind, stellt die Anwendung der Gentechnik keinen Beitrag zu einer nachhaltigen Landwirtschaft dar.
  •  Umfassende und transparente Verbraucherinformation
    Lebensmittel müssen so gekennzeichnet werden, dass die Herkunft der Produkte, ihre Inhaltsstoffe sowie ihre Behandlung nachvollziehbar sind. Außerdem ist eine effektive und einheitliche Kontrolle von der Futtermittelproduktion bis zu Verarbeitung und Handel konsequent umzusetzen. Regionale Verarbeitung und Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten und der Aufbau regionaler Märkte tragen zu einer größeren Transparenz bei.
  • Engagement der Kirche
    Das Prinzip der Nachhaltigkeit und die daraus abgeleiteten Forderungen müssen inner- wie außerkirchlich in die Diskussion gebracht werden. Die Aufgabenfelder der Kirche liegen in der Beratung und Fortbildung sowie in der Begleitung und finanziellen Förderung von konkreten Projekten. Dies erfordert eine verstärkte Kooperation und Vernetzung mit Initiativen, Gruppen und Verbänden.

Konkrete Handlungsschritte eines solchen Engagements sind:

  • Umstellung von kirchlichen Einrichtungen auf Lebensmittel aus Direktvermarktung, regionalem und Fairem Handel.
  • Die Gewährleistung einer nachhaltigen und gentechnikfreien Landbewirtschaftung auf kircheneigenen Flächen.
  • Die dauerhafte Unterstützung von landwirtschaftlichen Beratungsstellen/Sorgentelefone, die in der Trägerschaft der ländlichen Verbände geführt werden.
  • Die Entwicklung einer Landpastoral, die die Auswirkungen des ländlichen Strukturwandels ernst nimmt.
  • Unterstützung von Projekten zur Förderung des Fairen Handels und der regionalen Wirtschaftskreisläufe.

Der Diözesanrat fordert die VerbraucherInnen, also alle Menschen in unserem Bistum, die Kirchengemeinden und die Bildungshäuser zur Überprüfung des eigenen Lebensstils und zur Orientierung an dem genannten Leitprinzip der Nachhaltigkeit auf. Der Diözesanrat ruft die Gremien der Diözese auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und spricht sich dafür aus, bei seinen eigenen Veranstaltungen, insbesondere den Vollversammlungen, zukünftig Produkte aus regionalem und ökologischem Anbau zu verwenden.

Begründung:

Die Landwirtschaft in Deutschland, Europa und weltweit befindet sich in einer tiefen Umbruchphase. Der Produktivitätssteigerung stehen ungleiche Verteilung, Preisdumping und zahlreiche ökologische Probleme gegenüber. Die gegenwärtige Situation ist für die soziale Lage der landwirtschaftlichen Familien, für die Volkswirtschaft und für die ökologische Situation von Boden-, Gewässer- und Tierschutz mit hohen Belastungen verbunden. Zugleich ist die weltweite Krise der Landwirtschaft ein Kernproblem globaler Gerechtigkeit: Während auf den Weltmärkten ein Überschuss an Nahrungsmitteln herrscht, die Preise weiter fallen und subventionierte Überschussprodukte aus den USA und der EU die Eigenproduktion von Nahrungsmitteln in Entwicklungsländern zurückdrängen, ist es nicht gelungen, das Problem der Welternährung zu bewältigen. Diese anhaltende Krise der Landwirtschaft ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die nur durch eine neue Orientierung und Kooperationen zwischen unterschiedlichen Politikfeldern, Berufsgruppen und Verbänden sowie eine verhaltensrelevante Bewusstseinsveränderung der VerbraucherInnen bewältigt werden kann.

Landwirtschaft und der ländliche Raum geraten zunehmend aus dem Blick der Kirche. Das Engagement von Kirche muss hier verstärkt eingefordert und konkrete Projekte initiiert werden. Eine nachhaltige Landwirtschaft trägt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen und ihrer Funktionsfähigkeit für die heutige und die nachfolgenden Generationen bei.