Startseite Bistum Würzburg
Bistum Information Rat+Hilfe Glauben Seelsorge Pfarreien Lebensphasen Verbände Bildung+Schule Kunst+Musik
   Neumann-Kirchen:
  Übersicht    
  Etwashausen    
  Maria Limbach    
  Gaibach    
  Holzkirchen    
  Wiesentheid    
  Euerbach    
  Kloster Oberzell    
  Retzbach    
  Werneck    
   Suche
   
   Service
  Gottesdienste    
  Gebetsanliegen    
  Gästebuch    
  Kontakt zum Bistum    
  Veranstaltungen    
  Download    
  Direktorium 2012    
  Liedpläne zum Download    
   Surfbrett
  Pressedienst    
  Sonntagsblatt    
  Radioredaktion    
  Fernsehredaktion    
  Caritas    
  Jugend    
  Bistum intern    
 
Bistum Würzburg  > Kunst  > Kirchen  > Neumann-Kirchen

Kreuzkapelle Etwashausen

Vorderansicht der Kreuzkapelle in Etwashausen.
Der Entwurf Balthasar Neumanns für die Etwashäuser Heilig-Kreuz-Kirche ist von 1740 datiert. Am 17. Oktober 1745 wurde die Kreuzkapelle eingeweiht, dem 1000. Jahrestag der Gründung des Benediktiner- klosters Kitzingen. Die Weihe gestaltete sich so aufwändig, dass nach dem Urteil der Zeitgenossen "dergleichen dieser Ort niemalen gesehen". 

Auftraggeber war der Würzburger Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn. Heilig-Kreuz ist Neumanns aufwendigste Dorfkirche, sollte sie doch ein bedeutender Widerpart zu der mit Schönborns Erlaubnis in unmittelbarer Nähe errichtete evangelische Kirche Sankt Michael sein. Der Fürstbischof wollte zum einen Liberalität, zum anderen den absoluten Vorrang der Katholischen Kirche demonstrieren. Es entstand einer der schmucklosesten, ganz auf die Architektur konzentrierten Bauten Neumanns. Auch die rechtwinklig zur Heilig-Kreuz-Kirche angeordnete evangelische Kirche, 1817 profaniert und heute kaum noch als Gotteshaus zu erkennen, stammt aus Neumanns Büro.

Der Grundriss von Heilig-Kreuz entspricht dem in Franken weit verbreiteten Fassadenturm-Typ, der sich – dem Patrozinium entsprechend – aus der Form des lateinischen Kreuzes entwickelt. Das Baumaterial ist fränkischer Sandstein, das Dach wurde mit Schiefer gedeckt. Die Fassade zeigt sich rund gebogen und fast ganz auf die Mittelachse zentriert, aus der der relativ niedrige Turm mit Zwiebelhaube erwächst. Wegen der Brandgefahr wünschte der Fürstbischof eine feste Einwölbung.

Der Innenraum besitzt keine Malerei und keinen Stuck, er ist lediglich weiß ausgemalt. Nach dem Wunsch des Bauherrn sind auch Altäre und Kanzel zurückhaltend gestaltet. Durch die geringe Betonung des Langarmes im Verhältnis zu den anderen drei Kreuzarmen erscheint der Raum auf die Vierung konzentriert und somit als Zentralraum. Die Kreuzung bildet ein ungleichseitiges Achteck mit tief herabgezogener Kuppelwölbung.

Die Kreuzkapelle von Etwashausen heute.
Neumanns ursprüngliche Pläne sahen eine optimale Rotunde im Vierungsbereich vor. Durch Ausrundung der Ecken wurde die Vierung noch vor der Fertigstellung 1745 in ihrer Grundfläche erweitert. Die Ausrundungen verlaufen über einen gemeinsamen Grundkreis, die Rotunde ist bereits in der Außenmauer zu erkennen. Die Vierungsrotunde ist eine Vier-Arkaden-Rotunde mit Säulenpaaren, die schematisch auf der Konstruktion der Schönbornkapelle des Würzburger Doms aufbaut. Im Vergleich zu dieser sind jedoch die Säulen von der Rücklage gelöst, so dass zwischen den Wandteilen und den Säulen ein Umgang entsteht. Der Raum erscheint immer wie in Bewegung, da sich Raumöffnungen und Durchblicke bilden und sich das Licht an den Säulen bricht. Zudem sitzt die Wölbung direkt auf dem Säulengebälk. Es fehlen die zylindrischen Zwickelwände, weshalb die Bogenarkaden im Ursprungskonzept wieder in die Wölbschale einschneiden und das Ganze so niedrig wird, dass eine einheitliche Gewölbezone entsteht. Der innere Aufbau gewinnt dadurch Transparenz und Weite. Die Säulenpaare und die ausschwingenden Bögen bilden die innere Schale der Rotunde, die äußere wird durch die gerundeten Mauerstücke der Vierungsecken erzeugt, die konzentrisch um die innere Rotunde herum gelegt sind. Sie bildet die Rücklage für die Säulenpaare. Den Effekt, einen Raum durch Raum zu umgeben (Hüllraumeffekt) verwendet Neumann auch für die Gestaltung von Chor und Empore. Den Chorschluß trennt er durch eine Dreierarkade toskanischer Ordnung vom Chorjoch. Pendant ist ein ähnliche Arkatur, nun mit Pilastern, im Eingangs- und Emporenbereich.

Neumanns Pläne hinsichtlich der Wölbung überforderten jedoch die örtliche Bauleitung. Daher ersetzte der Baumeister Bogenarkaden und Zwischengewölbe durch vier Stichkappen. Sie schneiden nun in spitzer Dreiecksform tief in die Wölbschale ein, die nur noch aus schmalen Füßen und einer flachen Scheitelkalotte besteht. Die Rotundenidee des Unterbaus wird somit in ihr Gegenteil verkehrt. Die ursprünglich geplante elegante Bogenführung wird in der Wölbung durch eine Härte und Sperrigkeit der Erscheinung ersetzt.

Der Altar verfügt über einen Aufbau mit Engelsfiguren und wurde wahrscheinlich von einem Meister aus dem Umfeld von Johann Peter Wagner geschaffen. Gestiftet hat ihn Johann Caspar Barthel (1697 bis 1771), Dekan von Stift Haug in Würzburg und Regens des Priesterseminars.  Ein Kreuz mit Maria Magdalena erhebt sich an der Rückwand. Figuren von Maria und Johannes thronen über den Eingängen, in den Fenstern der Seitenarme Petrus und Paulus vom ehemaligen Hochaltar der Pfarrkirche Sankt Johannes. Die Kanzel von 1799 stammt von Heinrich Nickel, einem Schüler von Johann Peter Wagner.

Der Grundriss der Kreuzkapelle fand sich zu Zeiten der D-Mark auf der Rückseite der 50 Mark-Scheine, unten rechts.