Ehemalige Benediktinerpropsteikirche Holzkirchen
Propst Bonifatius von Hutten hatte die Planung des Neubaus der Benediktinerpropstei an Johann Dientzenhofer übertragen. Nach dessen Tod erhielt 1726 Balthasar Neumann den Auftrag, konnte aber 1728 bis 1730 nur die Kirche verwirklichen.
Der Grundriss ist als Rotunde angelegt und besitzt einen Durchmesser von 14 Metern. In der Außenansicht ist sie als ungleichseitiges Achteck gestaltet, mit weiß verputzten Wandflächen und Werksteinteilen aus Rotsandstein. Eine monumentale Säulenädikula rahmt die ebenfalls in Rotsandstein gehaltene Portalfront. Flache Wandpfeiler (Pilaster) auf hohen Sockeln heben die Kanten des Oktagons hervor. Die von Neumann konzipierte Kuppelhaube wurde im 19. Jahrhundert Opfer eines Brands, ist aber inzwischen rekonstruiert worden.
Den Innenraum beherrschen acht kannelierte (senkrecht gerillte) Dreiviertelsäulen kompositer Ordnung mit hohem Gebälk. Darüber erhebt sich eine leicht gestelzte Kuppel in der Form einer Halbkugel. Sie wird von einer Laterne gekrönt.
Neumanns Vorbilder für das Grund- und Aufrissschema waren die Diagonalkapellen des Pariser Invalidendoms von Jules Hardouin-Mansart sowie ein Entwurf Maximilian von Welschs zur „Kirche im Oval“ der Würzburger Residenz. Das Eigenständige des Holzkirchener Baus bildet die Verbindung eines herkömmlichen Aufrissgerüsts mit Halbsäulen und differenziert gedachten Wandintervallen. In den Diagonalen sind ihnen Rundbogenfenster mit kegelförmig (konisch) eingeschnürten Gewänden zugewiesen. Die Rundbogenfenster in den Hauptachsen liegen in breit eingetieften, flachen Nischenwölbungen (Konchen) mit korbbogigen Schlüssen. Diese Flachnischen und Okuli darüber in der Kuppel betonen die Hauptintervalle ebenso wie die Altäre und die Empore über dem Haupteingang. Der gleichförmig ordnende Rhythmus der Säulenstellungen und der dynamisch wechselnde Rhythmus der Wände dazwischen prägen das Raumbild.
Das Licht strömt rundum in die Rotunde und hebt die Architekturelelmente plastisch hervor. Durch Stukkaturen im Régencestil an Kuppel, Gebälk und Fenstern löst Neumann traditionelles Gestalten aus der Erstarrung.
Die Raumkonzeption setzt sich aus der äußeren Schale der Ringmauer und der inneren Schale der Kolonnade zusammen. Diese Zerlegung in Schalen zieht sich von Anfang bis Ende durch Neumanns Werk. Als zweites Mittel kommt dazu die Schichtung. Fensternischen und –abseiten sind nicht einfach nur in die Ringmauer eingeschnitten, sondern durch eine eigene Wandschicht abgesetzt. Durch die Schichtung werden Nischen und Abseiten zu einem eigenen Motiv. Erst hierdurch werden die Intervalle zwischen den Säulen gleichberechtigt mit der Kolonnade. Die Sinnzusammenhänge von Neumanns Architektur erschließen sich nicht nur in Holzkirchen aus den Prinzipien von Schalen und Schichtung sowie Raumbildung und Lichtführung. |