Sankt Mauritiuskirche Wiesentheid
Katholische Pfarrkirche (Kreis Kitzingen)
1464 wird erstmals eine dem heiligen Mauritius geweihte Pfarrkirche urkundlich erwähnt. Von 1557 bis 1627diente sie dem evangelischen Gottesdienst, bis sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Gegenreformation durchsetzte. Im Zuge der wiederhergestellten Glaubenseinheit wurde der gotische Bau unter Graf Johann Otto von Dernbach durch den Barockbaumeister Antonio Petrini (1621-1701) 1681 bis 1684 umgestaltet. Graf Rudolf Franz Erwein von Schönborn gab schließlich den völligen Neubau der Kirche in Auftrag.
1726 legte Balthasar Neumann die ersten Entwürfe vor, die von Schönborns gräflichem Werkmeister Johann Georg Seitz (1689-1739) vereinfachend bearbeitet wurden. Im Frühjahr 1727 begann die Ausführung und bereits 1928 stand ein Großteil des Rohbaus. In den Turmbau griff Neumann selbst wieder ein – es entstand ein Hintereinander von Blendfassade und Turm. 1732 weihte Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn, der Bruder des Bauherrn, die neuerrichtete Kirche. Sie ist eines der besten Zeugnisse standesherrlicher Kirchenbautätigkeit in Franken.
 | Außenanlage: Der Bau wurde zum Großteil aus Sandstein errichtet. Eine breite Freitreppe ist ihm vorgelagert. Über dem Hauptportal halten zwei Löwen das Ehewappen der Erbauer, des Grafen und seiner verstorbenen Gemahlin Maria Eleonore. Ihre Namenspatrone, die heilige Eleonora und der heilige Franz von Assisi, stehen in Nischen an den Flanken der Schauseite. Die Nische im Obergeschoß ist von einer Statue des Kirchenpatrons Sankt Mauritius besetzt. Wappen, Figuren, Kapitelle und Ziervasen schuf Heinrich Stahler 1728 bis 1729. Über der Laterne des Turms erhebt sich das in der Barockzeit häufig verwendete Prälatenkreuz mit zwei Querbalken. Es trägt, neben den Initialen der Stifter und der Jahreszahl 1729, die Anfangsbuchstaben von Bibelsprüchen, die seit dem 16. Jahrhundert in Kreuzform gegen die Pest getragen wurden. Die mächtige Wirkung des hohen Mansarddachs lässt die Kirche als dominierendes Gegenüber des breit lagernden Wiesentheider Schlosses erscheinen. Zwischen Kirche und Pfarrhaus steht die vom Würzburger Hofbildhauer Lukas van der Auwera zwischen 1762 und 1766 geschaffene Kreuzigungsgruppe.
Innenraum: Das Langhaus umfasst vier Achsen. Seine Wände und das flache, aus Holz errichtete und verputzte Spiegelgewölbe hat Giovanni Francesco Marchini 1728 bis 1730 vollständig mit perspektivischen Illusionen in Fresko bemalt. Die Kombination von wirklicher und vorgetäuschter Plastizität fördert die optische Wirkung. So ragen etwa die Kapitelle in den Außenkonturen hervor, sind in der Binnenzeichnung jedoch nur gemalt. Im Deckenfresko türmte Marchini eine mächtige Säulenarchitektur mit wuchtigen Säulen und Gesimsen auf. In der Mitte erhebt sich eine hohe Kuppel, helles Licht flutet durch Laterne und Fenster herein, hoch im sommerlich blauen Himmel schwebt die Taube des Heiligen Geistes. An den Ecken des Freskos sitzen als symbolische Pfeiler die vier Kirchenväter Gregor, Augustin, Hieronymus und Ambrosius. Zum Chor vermittelt ein halbrunder Triumphbogen mit den Bildnissen der Heiligen Eleonora und Franz von Assisi. Im Kranzgesims des Chors hat Marchini eine reiche Scheinarchitektur ohne real ausgeführte Teile gestaltet. Putten in leuchtenden Gewändern schweben mit Musikinstrumenten auf Wolken, im Zentrum des Himmels erscheint die Heilige Dreifaltigkeit. Bleibt der gemalte Raum im Langhaus irdisch umschlossen, so wird hier der Blick in den Himmel freigegeben. Auf beiden Seiten des Chors stehen die Oratorien für die gräfliche Familie. Der Hochaltar entstand 1728-1730. Zwischen zwei mal drei Säulen triumphiert in der Mitte der heilige Mauritius sieghaft über einen Drachen. Seitlich sieht man die Heiligen Franz von Assisi, Bonifatius, Kilian und Johannes von Nepomuk, die wie die Mauritiusfigur, von Jakob van der Auwera stammen. Ein gelb verglastes Rundfenster mit der Taube des Heiligen Geistes in Wolkenglorie von Johann Thomas Wagner bildet das Zentrum der Altarbekrönung. Die Tabernakeltür zeigt mit der Offenbarung des Johannes eine der bedeutendsten Arbeiten Johann Georg Neßtfells (1694-1762). Außerdem gestaltete Neßtfell Seitenaltäre, Kanzel , Beichtstühle und Bänke und übernahm die Schreinerarbeiten an der Orgel.
Nach Joachim Holtz
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