Seminarkirche Sankt Michael
Decke
Die Deckenmedaillons
Die Decke des Kirchenschiffs von St. Michael ist durch großflächige, 4,2 x 5,2 m große ovale Medaillons gegliedert. Sie zeigen die Engel mit Posaunen (Kapitel 8), die apokalyptischen Reiter (Kapitel 6) und die Frau mit dem Kind (Kapitel 12), sowie den Kampf des Johannes mit dem Drachen. In der künstlerischen Gestaltung tritt bei dieser Thematik die Schwierigkeit auf, eine Spannung zwischen der realen Unheilserfahrung einerseits und der stärkeren rettenden Macht Gottes andererseits darzustellen, von der die Visionen des Johannes geprägt sind.
Die apokalyptischen Reiter
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| Die apokalyptischen Reiter auf einem Deckenmedaillon der Seminarkirche Sankt Michael. | |
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| | "Dann sah ich: Das Lamm öffnete das erste der sieben Siegel; und ich hörte das erste der vier Lebewesen wie mit Donnerstimme rufen: Komm! Da sah ich ein weißes Pferd; und der, der auf ihm saß, hatte einen Bogen. Ein Kranz wurde ihm gegeben, und als Sieger zog er aus, um zu siegen. Als das Lamm das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite Lebewesen rufen: Komm! Da erschien ein anderes Pferd; das war feuerrot. Und der, der auf ihm saß, wurde ermächtigt, der Erde den Frieden zu nehmen, damit die Menschen sich gegenseitig abschlachteten. Und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben. Als das Lamm das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte Lebewesen rufen: Komm! Da sah ich ein schwarzes Pferd; und der, der auf ihm saß, hielt in der Hand eine Waage. Inmitten der vier Lebewesen hörte ich etwas wie eine Stimme sagen: Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar. Aber dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu. Als das Lamm das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten Lebewesens rufen: Komm! Da sah ich ein fahles Pferd; und der, der auf ihm saß, heißt "der Tod"; und die Unterwelt zog hinter ihm her. Und ihm wurde die Macht gegeben über ein Viertel der Erde, Macht, zu töten durch Schwert, Hunger und Tod und durch die Tiere der Erde." [Offb. 6,1-8]
Die Symbolik der vier Reiter drückt vier große Plagen aus, unter denen die Erde immer wieder zu leiden hat: Völkerkonflikt, Bürgerkrieg, Hungersnot und tödliche Bedrohung durch Seuchen. Diese Thematik zeigt in Verbindung mit dem Ort - Kirche des Priesterseminars, eines Ortes universitärer Ausbildung, dass Glaube und Wissenschaften sich immer wieder durch konkrete Notwendigkeiten anfragen lassen, dass sie sich den Herausforderungen der Zeit stellen müssen.
Die Engel mit den Posaunen
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| Die sieben Engel mit den sieben Posaunen auf einem Deckenmedaillon der Seminarkirche Sankt Michael. | |
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| | "Und ich sah: Sieben Engel standen vor Gott; ihnen wurden sieben Posaunen gegeben. […] Dann machten sich die sieben Engel bereit, die sieben Posaunen zu blasen." [Offb. 8,2.6; vgl. auch Offb 8,7-9,21; 11,15-19] Die Posaunen assoziieren eine Reihe von Signalen, auf die hin Katastrophen eintreten, die zunächst den Lebensraum der Menschen verändern und durch das Gestörtsein des scheinbar Selbstverständlichen im Naturlauf darauf verweisen, dass die Welt sich nicht selbst genügt und ihre Geschichte nicht einfach vorprogrammiert ist.
Die Frau mit dem Kind und das Michaelsmotiv
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| Die apokalyptische Frau und das Michaelsmotiv auf einem Deckenmedaillon der Seminarkirche Sankt Michael. | |
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| | "Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt." [Offb. 12,1]
Aus dieser Bibelstelle heraus hat sich in der Tradition ein ausdrucksstarker Typus an Mariendarstellungen entwickelt. Ursprünglich ist die apokalyptische Frau aber Symbol für das Gottesvolk im Alten Bund, das den Messias hervorbringt und sich im neuen Gottesvolk vollendet. In der Kunst fließen auch noch die Vorstellungen der apokalyptischen Frau mit denen von Maria als der neuen Eva, die der Schlange den Kopf zertritt (Protoevangelium von Maria), zusammen.
"Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel herabgeworfen." [Offb. 12,6-9] Hinter dieser Symbolik steht zweierlei: zum einen ein Ernstnehmen der Realität des Bösen, das seinen Urgrund im personalen Widerstand ursprünglich als gut geschaffener Wesen gegen Gott hat. Es geht um die grundlegende Pervertierung der Gottesbeziehung und nicht bloß um anonyme "Betriebsunfälle". Das Motiv des Michaels zeigt aber andererseits auch die Überlegenheit der Macht Gottes. Michael (= "Wer ist wie Gott?") besiegt die widergöttliche (= "satanisch") Macht, die das tödliche Durcheinander (= "diabolos") in der Welt bewirkt. |