Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

„Wir hängen vom Himmel ab“

Bischof Martin Boucar Tine berichtet bei Besuch im Bistum Würzburg über die Situation im Senegal – Partnerschaft der Katholischen Landvolkbewegung Würzburg mit der Diözese Kaolack blickt auf 40-jähriges Bestehen

Würzburg/Kaolack (POW) Als einen „Dialog des Lebens“ beschreibt Bischof Martin Boucar Tine aus dem senegalesischen Bistum Kaolack das Wirken der katholischen Kirche in seiner Heimat. Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen der Diözese Kaolack und der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) Würzburg sowie als Gast von Missio München im Monat der Weltmission 2021 besucht er derzeit mit einer Delegation zum ersten Mal das Bistum Würzburg. Bei einem Pressegespräch am Donnerstag, 21. Oktober, im Medienhaus der Diözese Würzburg berichtete er über die Situation im überwiegend muslimisch geprägten Partnerbistum. Dabei ging es auch um die Folgen des Klimawandels und der Coronapandemie.

Die Coronapandemie habe das öffentliche Leben vor allem in der ersten Welle zum Stillstand gebracht, berichtete Bischof Boucar Tine. „Man wusste nicht viel darüber. Man konnte nicht mehr reisen, und die Menschen konnten keine Waren mehr verkaufen.“ Um die Menschen vor Ansteckung zu schützen, seien zudem sieben Monate lang keine heiligen Messen gefeiert worden, und auch die Schulen seien geschlossen worden. „Es gab viele Tote in unseren Gemeinden“, sagte Abbé Pierre Dione, ehemaliger Vorsitzender des Partnerschaftskomitees in der Diözese Kaolack. Besonders hart sei die dritte Welle gewesen, doch mittlerweile habe sich die Situation gebessert. Das liegt nach Ansicht des Bischofs auch daran, dass die Bevölkerung im Senegal im Durchschnitt sehr jung sei. Der Staat habe zwar versucht, zu helfen, doch je länger die Pandemie andauert, desto schwieriger sei das geworden. Die Caritas habe zusammen mit ihren Partnern – der KLB und Missio – Nahrungsmittel gekauft und verteilt. So seien zum Beispiel 1000 Familien mit Zehn-Liter-Säcken mit Reis versorgt worden. „Man kann nicht alles vom Staat erwarten“, sagte der Bischof.

Hilfe zur Selbsthilfe, so lautet auch das Prinzip hinter den Projekten, die im Rahmen der Partnerschaft initiiert wurden. Gemeinsam mit der Caritas versuche die Kirche, den Menschen eine Lebensgrundlage zu geben“, sagte Bischof Boucar Tine. Ein großes Problem der Region, deren Bevölkerung zu rund 80 Prozent von der Landwirtschaft lebt, sei beispielsweise die Versalzung des Bodens. Mit Ausnahme einer Region sei das Grundwasser in der Diözese Kaolack sehr salzig, erklärte Bischof Boucar Tine. Als in der Nähe des Dorfes Boly ein Staudamm leckte, der das Süßwasser vom Meerwasser trennt, habe das die Lebensgrundlage von sieben Dörfern mit insgesamt rund 100 Bauernfamilien gefährdet. Doch mit Hilfe der KLB habe man rund 40.000 Euro an Spenden für die Reparatur gesammelt.

Einen Einblick in ihre Arbeit gab Brigitte Traoré, Leiterin der Mädchenschule Claire Amitié in Kaolack. Hier werden rund 170 junge Frauen aus schwierigen Familienverhältnissen gefördert. „Manche haben nie eine Schule besucht“, schilderte Traoré. In der Schule erhalten sie Bildung und können einen beruflichen Abschluss erlangen, zum Beispiel im Gastgewerbe oder als Schneiderin. „Es ist wichtig, dass sie Selbstbewusstsein gewinnen, um ihren Weg zu finden“, sagte Traoré. Auch dieses Projekt werde von der KLB gefördert. „Sie machen eine exzellente Arbeit“, lobte Bischof Boucar Tine.

Ein großes Problem der Kirche sei es, überhaupt zu den Menschen zu kommen, sagte der Bischof. Das Gebiet der Diözese Kaolack umfasst rund 22.000 Quadratkilometer und ist damit zweieinhalb Mal so groß wie die Diözese Würzburg. Es ist aufgeteilt in 18 Pfarreien, die von rund 40 Priestern betreut werden. „Stellen Sie sich die Entfernungen vor!“, sagte der Bischof. Schon die Fortbewegung sei ein Problem, da zum Beispiel die Treibstoffpreise vergleichbar seien mit jenen in Deutschland, ergänzte Otto Kram vom KLB-Arbeitskreis „Partnerschaft mit dem Senegal“. Während der Lockdowns seien die Spenden eingebrochen, mit denen die Priester zum Teil ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dazu kommt, dass die Christen im Senegal eine Minderheit sind. Rund 80 bis 90 Prozent der Einwohner seien Muslime. Oft lebten in einem Dorf nur ein oder zwei christliche Familien, erzählte der Bischof. Er lobte den Mut seiner Priester: „Sie vollbringen Wunder, um ihre Mission zu erfüllen und nahe bei den Menschen zu sein.“ Auch im Bistum Kaolack wird über eine Strukturreform nachgedacht. So sei beispielsweise eine große Pfarrei in zwei kleinere geteilt worden, um die Menschen besser zu erreichen.

Als vorbildhaft und geschwisterlich bezeichnete der Bischof das Zusammenleben der Christen und Muslime im Senegal. Das liege unter anderem auch daran, dass es in vielen Familien sowohl christliche als auch muslimische Familienmitglieder gebe. Auch alle seine Cousins und Cousinen seien muslimisch, sagte der Bischof. An Weihnachten kämen sie selbstverständlich, um gemeinsam mit ihm zu feiern, und an muslimischen Festtagen besuchten die Christen ihre muslimischen Verwandten.

Sorgen bereiten dem Bischof auch die Folgen des Klimawandels. Die Natur spielt im Bistum Kaolack eine große Rolle. Die dreimonatige Regenzeit sei sehr wichtig für die Landwirtschaft, von der rund 80 Prozent der Bevölkerung lebt. „Wir hängen vom Himmel ab“, erklärte Bischof Boucar Tine. „Wenn die Wetterbedingungen gut sind, dann geht es den Menschen gut.“ Doch in diesem Jahr sei die Regenzeit, die normalerweise bis Ende Oktober dauere, im September plötzlich abgebrochen. Dadurch fehlte nicht nur der Regen, auch die Aussaat verzögerte sich. Für den Eigenbedarf werde etwa Hirse, Mais, Reis und Gemüse angebaut, erklärte Michel Sene, Vorsitzender des „Mouvement des Adults Ruraux Catholiques du Sénégal“ (MARCS) Kaolack, wie die katholische Landvolkbewegung im Senegal heißt. Dazu kämen Erdnüsse, Wassermelonen und Baumwolle für den Handel. Doch aufgrund des Klimawandels falle immer weniger Regen, schilderte Sene.

Bischof Boucar Tine ist es wichtig, in seinem Bistum den Dialog zwischen den Menschen und den Religionen zu fördern. „Die Projekte der Kirche kommen allen Menschen zugute, nicht nur den Christen“, betont er. Von Projekten wie der Reparatur des Staudamms oder der Mädchenschule Claire Amitié würden alle profitieren. „Es ist ein ,Dialog der Werke‘. Die Freude der Christen wird zur Freude der Muslime und umgekehrt.“ Gerd Schneider, ehrenamtlicher KLB-Vorsitzender, ergänzte: „Die Kirche ist sehr respektiert und hoch angesehen in der Gesellschaft. Jeder profitiert irgendwann von den Projekten, ob es um Gesundheit, Bildung oder ländliche Entwicklung geht.“

„Wir wollen weiterhin das Gute tun“, erklärte Bischof Boucar Tine mit Blick auf das Motto des diesjährigen Weltmissionssonntags, der am 24. Oktober begangen wird: „Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun.“ Er fühle sich als Bischof für alle Menschen in seiner Diözese verantwortlich, Christen wie Muslime. Die Partnerschaft mit der KLB habe ihm gezeigt: „Wir sind alle wie in einer Synode. Die Deutschen und die Senegalesen laufen zusammen auf einem gleichen Weg, um einem Ruf Gottes zu antworten.“

40 Jahre Partnerschaft der KLB Würzburg und der Diözese Kaolack (Senegal)

Bereits 1980 hatte die Katholische Landvolkbewegung (KLB) Würzburg einen „Entwicklungspolitischen Arbeitskreis“ gegründet. 1981 reiste erstmals eine Delegation in die senegalesische Diözese Kaolack. 1984 kam der damalige Bischof Theodor Adrien Sarr zum Gegenbesuch nach Würzburg. Seitdem sind regelmäßige gegenseitige Besuche – von Bischöfen wie von Delegationen – ein fester Bestandteil der Partnerschaft. Im Dürrejahr 1984 startete die KLB eine Hilfsaktion, dabei kamen rund 62.000 Mark für die Menschen in der Diözese Kaolack zusammen. Weitere Unterstützung gab es unter anderem, als das Land 2004 von einer Heuschreckenplage heimgesucht wurde. Zuletzt gingen 2020 unter dem Motto „Nothilfe Senegal“ über 50.000 Euro in das von der Coronapandemie und Missernten geschüttelte Land. Neben Begegnungen prägen gemeinsame Projekte die Partnerschaft. So unterstützt die KLB unter anderem das Kleine Seminar in Kaolack, in dem Jungen von ländlicher Herkunft Schulbildung bis zum Abitur erhalten, ein Zentrum für behinderte Kinder in Sokone, ein landwirtschaftliches Berufsbildungszentrum in Ndiebel, ein Kinderkulturzentrum in der Stadt Kaolack sowie aktuell ein Rindermastprojekt. Seit 1998 gibt es im Senegal das „Mouvement des Adults Ruraux Catholiques du Sénégal“ (MARCS) Kaolack, das Pendant zur deutschen KLB.

Weitere Informationen zur Partnerschaft und den Projekten gibt es im Internet.

sti (POW)

(4321/1035; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung