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Risiken identifizieren und beherrschbar machen

Studientagung der "Pfarrerinitiative Deutschland" setzte sich kritisch mit dem Thema Macht in der Kirche auseinander

Retzbach (POW) Die Kirche muss ihre Schwäche zu ihrer Stärke machen. Das kann durch einen Wandel der Schuldkultur zur Schamkultur erfolgen. So lautet eine Erkenntnis einer Studientagung der „Pfarrerinitiative Deutschland“ mit dem Titel „Bei euch aber soll es nicht anders sein. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Macht in der Kirche“. Auf der Benediktushöhe Retzbach – Haus für soziale Bildung diskutierten Priester und Diakone aus ganz Deutschland, teilen die Veranstalter mit. Es referierten unter anderem der Dogmatik-Professor Dr. Dr. Hans-Joachim Sander (Salzburg) zum Thema „Macht und Machtmissbrauch in der Kirche – aktuelle Herausforderung“ sowie der Moraltheologe Professor Dr. Michael Rosenberger (Linz) zum Thema „Umgang mit Macht in der persönlichen Verantwortung. Anthropologische und ethische Überlegungen“. Über Anregungen aus dem Führungsalltag in der Wirtschaft sprach Diplom-Ingenieur Franz Alig, langjähriger Manager im Medizintechnik-Konzern Syntellix AG.

Wie Sander in seinem Impuls am Ende der Tagung ausführte, gehe es in der Schuldkultur darum, den Schuldigen zu finden, und alles laufe danach so weiter wie bisher. Zur Schamkultur gehöre es, die Fehler und Schwächen, das Versagen zu sehen und zu benennen und deutlich zu machen. „Es wird eine Unterbrechung gesetzt und so unmöglich, so wie bisher weiterzumachen.“ Diese Scham muss nach Sanders Worten öffentlich gemacht werden, mit anderen geteilt werden. So öffneten sich auch Türen für andere, diesen Schritt in die Öffentlichkeit zu machen.

Ausgangspunkt der Tagung waren persönliche Erlebnisse mit Macht und Machtmissbrauch. Beim Austausch wurde schnell deutlich, dass jeder Teilnehmer schon diverse, zum Teil auch schmerzliche Erfahrungen gemacht hatte. Keiner sei davor sicher, seine Machtposition, die er in der Hierarchie der Kirche kraft seines Amtes innehat, anderen gegenüber nicht auszuspielen. Neben dem Missbrauch der geistlichen Macht (mit Folge von direktem sexualisiertem Missbrauch) wurden noch weitere Kritikpunkte benannt, die die Unglaubwürdigkeit befeuerten und im hierarchischen System grundgelegt seien. So nannten die Teilnehmer unter anderem fehlende Gewaltenteilung, mangelnde Transparenz, nicht vorhandene Mitentscheidungsmöglichkeiten der Gläubigen, den männerbündischen Charakter des Klerus, die nicht nachvollziehbare Kombination von Priesterdienst und Pflichtzölibat, den Umgang mit Sexualität und auch die Rolle der Frauen sowie die zunehmende Entfremdung und Anonymität durch riesige „Seelsorge-Einheiten“.

In einem ersten Impulsvortrag machte Professor Sander den Zusammenhang von Auctoritas und Potestas (Autorität und Macht) deutlich. Anhand aktueller Persönlichkeiten wie Donald Trump, Jürgen Klinsmann und Papst Franziskus zeigte Sander, wie die Mechanismen von Autorität und Macht zusammenwirken und wie schnell Machtmissbrauch zu Autoritätsverlust führe. Im Weiteren wurde der Blick mit Hilfe der Philosophen Weber, Hegel und Foucault auf weitere Phänomene der Macht geweitet. Macht mache den Menschen erst zu dem, was er ist, in einem einfachen binären System zu Mann oder Frau, Herr oder Knecht. Da das aber auch zu kurz greife, müsse als dritte Größe noch der Raum mitbedacht werden. Macht wird immer in einem bestimmten Raum ausgeübt. Wenn sich jemand gegen den Missbrauch der Macht stellen wolle, sei es nötig, einen Gegenraum aufzubauen.

Rosenberger knüpfte an Sanders Impulse an und lenkte den Blick auf die ethische Seite der Machtausübung: Macht zwischen Eigenmächtigkeit und Verantwortungsscheu. Damit wurde der Blick auf die Frage hin geweitet, woher jemand seine Macht ableitet und wie er selbst verantwortlich mit der Macht umgehen kann. Theologisch betrachtet stehe dahinter der Schöpfungsauftrag Gottes aus dem Buch Genesis, die Macht richtig zu gebrauchen. Im Weiteren seien dazu Tugenden der Machtbegrenzung und -lenkung entwickelt worden.

An erster Stelle stehe die Dankbarkeit als Wertschätzung dafür, dass Macht verliehen sei, aber ebenso die Demut, in der Begrenzung der Macht frei zu sein. Bei allem müsse Macht respektiert werden, was den Wert der Ehrfurcht erfordere, aber gleichzeitig einen fairen Umgang (Gerechtigkeit). „Letztlich gehören die Gelassenheit, Macht zulassen zu können, und die Einsicht, dass Macht kein Selbstzweck sein kann, mit zum rechten Gebrauch der Macht“, betonte Rosenberger. In der anschließenden Gruppenarbeit und Diskussion sei eine große Sehnsucht deutlich geworden, Macht in richtiger Weise zu gebrauchen. Zu diesem Ziel seien Schritte der Professionalisierung des eigenen Handelns ebenso wie Punkte zur Organisationsentwicklung der Kirche wichtig.

Konkrete Anregungen gab Alig, der versuchte, aus dem Bereich der Wirtschaft einige Mechanismen auf die Kirche zu übertragen. Ein Wirtschaftsbetrieb gehorche zwar ganz anderen Grundsätzen als die Organisation Kirche. Auch wenn diese wirtschaftlich handeln müsse, sorge sie sich in erster Linie um das Heil der Menschen. Aufgabe des Chefs ist es laut Alig, der „erste Assistent“ der Organisation zu sein und mitzuhelfen, dass gut gearbeitet werden könne. Er solle sich der Sorgen und Nöte der Mitarbeiter annehmen und Hilfen geben, wo es nötig sei. Die Entscheidungen sollten sinnvoll und gemeinsam im Team herbeigeführt, den Mitarbeitern qualitative Feedbacks gegeben werden. All diese Punkte zielten darauf, mögliche Risiken zu identifizieren und sie so beherrschbar zu machen. Alig zitierte Würzburgs Bischof Dr. Franz Jung: „Wir müssen durch unsere Arbeit überzeugen, denn wir werden von den Gläubigen letztlich wie jedes andere ‚Unternehmen‘ nach der Qualität unseres Tuns beurteilt.“

(1120/0283; E-Mail voraus)

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