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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Inspiration
Inspiration

Wer will denn urteilen...

Eine lebendige Ehe ist ein Geschenk, genau wie der Partner ein Geschenk ist. Nicht jedem ist dieses Glück vergönnt. Ich bin mir sicher, dass Jesus heute Mahlgemeinschaft mit wiederverheirateten Christen hätte, denn die Liebe zu den Menschen war ihm immer wichtiger als Gebote und Verordnungen, die Menschen gemacht haben.

Evangelium

In jener Zeit kamen Pharisäer zu Jesus und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen. Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet. Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie. 

Markus 10,2–16

Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Wie oft haben wir diesen Text schon bei Hochzeiten gehört? Voll Liebe und Optimismus trauen sich Menschen, und dann scheitert die Ehe doch. Dafür gibt es so viele Gründe, wie es getrennte Ehen gibt. Zurück bleiben Enttäuschung, Trauer, Wut. Darf das sein, so eine Scheidung, wird Jesus von den Pharisäern gefragt. Jesus war in seiner Aussage sehr klar, strenger noch als das jüdische Gesetz. Das erlaubte dem Mann, der Frau den Scheidebrief zu geben, freilich nicht aus oberflächlichen Gründen.

Indem Jesus den Ehebruch von Mann und Frau gleichstellt, wertet er indirekt die Frauen seiner Zeit auf. Grundsätzlich, wir lesen es bei Markus, lehnt Jesus die Scheidung ab. Er bezieht sich auf die Schöpfung, aus der Mann und Frau gleichberechtigt hervorgehen und zu einem Fleisch werden. So hat Gott es gewollt. Irgendwie kann man an diesem Jesuswort wenig deuten oder es anders verstehen. Ja, es gibt Theologen, die hier weit ausholen und die Jesusworte interpretieren. Ich will das an dieser Stelle nicht tun. Diese Aussage ist die biblische Begründung, dass eine neue Ehe Ehebruch ist, weshalb eine zweite Eheschließung in der katholischen Kirche ausgeschlossen wird.

Diese Bibelstelle irritiert mich immer. Warum ist Jesus denn so streng? So kenne ich Jesus nicht. Und ich frage mich, trotz seiner eindeutigen Ansage, ob Jesus den Ausschluss von Wiederverheirateten von den Sakramenten gutheißen würde. Ich kann mir das ja nicht vorstellen. Wenn eine Ehe in die Brüche gegangen ist, suchen gläubige Menschen vielleicht Trost und Unterstützung in ihrem Glauben und in ihrer Glaubensgemeinschaft. Ich rede nicht von Menschen, die sich von der Gemeinschaft abgewendet haben und denen es sowieso egal ist, dass sie die Sakramente nicht empfangen können. Wir wissen, dass Jesus gerade Menschen, denen es schlecht ging, seine Aufmerksamkeit geschenkt hat. Noch nicht einmal die Ehebrecherin, die herbeigezerrt wurde, verurteilte er. „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ „Geh und sündige nicht mehr“, das war alles, was er zu dieser Frau sagte.

Deshalb will es mir nicht in den Kopf und schon gar nicht in mein Herz, warum das heute nicht mehr so sein soll. Wer will denn urteilen, warum eine Ehe gescheitert ist? Mitunter gibt es dafür gute Gründe, und manchmal ist eine Trennung für alle Beteiligten die beste Lösung. „Ich bin froh, dass meine Eltern geschieden sind, jetzt ist endlich Ruhe im Haus.“ Das habe ich nicht nur einmal gehört. Muss es wirklich sein, dass zwei Menschen zusammenbleiben, um sich gegenseitig zu schaden? Natürlich glaube ich, dass es Ehen gibt, die ein Leben lang halten. Partner, die miteinander wachsen, Eheleute, die Konflikte so lösen können, dass es sich lohnt, zusammen zu bleiben. Eine lebendige Ehe ist ein Geschenk, genau wie der Partner ein Geschenk ist. Nicht jedem ist dieses Glück vergönnt. Ich bin mir sicher, dass Jesus heute Mahlgemeinschaft mit wiederverheirateten Christen hätte, denn die Liebe zu den Menschen war ihm immer wichtiger als Gebote und Verordnungen, die Menschen gemacht haben.

Ich wünsche mir so sehr, dass zu unseren Gemeinden alle Menschen gehören, auch wenn sie in einem Teil ihres Lebens einen holprigen Weg gegangen sind.

Rosemarie Becker („rosemarie.becker@bistum-wuerzburg. de“) ist Religionslehrerin an der Staatlichen Realschule Elsenfeld.

Das "Wort zum Sonntag" erscheint wöchentlich im Würzburger katholischen Sonntagsblatt.

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