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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Inspiration
Inspiration
Wort zum Sonntag 17. Mai 2020

An die Seite gestellt

Krisen sind Angebote des Lebens, sich zu wandeln. Man braucht noch gar nicht zu wissen, was Neues entstehen soll, man muss nur bereit und zuversichtlich sein.

Evangelium

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Johannes 14,15–21

Gerade, als ich diese Betrachtung schreibe, befinden wir uns mitten in der Corona-Krise. Fachleute gehen davon aus, dass diese Ausnahmesituation noch eine ganze Weile andauern wird. Langsam wird unübersehbar, dass sich durch die Krise vieles verändern wird. Und für manche Menschen ist es extrem schwer, Unsicherheit zu ertragen, in diesem Fall auch Ausgeliefertsein und soziale Isolation auszuhalten. Deshalb lassen sich die einen lähmen von Angst, andere suchen Halt in Verschwörungstheorien, wieder andere stürzen sich in blinden Aktionismus. Ob dies geeignete Wege sind, um aus einer Krise gestärkt hervorzugehen?

Von Luise Rinser ist der Satz überliefert: „Krisen sind Angebote des Lebens, sich zu wandeln. Man braucht noch gar nicht zu wissen, was Neues entstehen soll, man muss nur bereit und zuversichtlich sein.“ In dieser Situation lese ich das Evangelium vom Beistand, den Jesus uns geben wird. Ein tröstliches Versprechen! Gerade jetzt. Ein Beistand also, der Geist der Wahrheit. Was mögen sich die ersten Generationen darunter vorgestellt haben? Sie hatten ja im Vergleich zu uns noch keine lange Geschichte mit dieser Jesusglaubensbewegung, die erst viel später „Christenheit“ genannt wurde. Sie hatten noch keine Sprache für die umwerfenden Erlebnisse um Jesu Tod und sein neues Leben.

Sie rangen um Worte, Begriffe, um Formeln, wie sie das Erlebte weitergeben könnten. Die Begeisterung, mit der sie ihr bisheriges Leben zurückgelassen hatten und dem Wanderprediger gefolgt waren. Das Entsetzen über die Gefangennahme und die Verurteilung. Die Verzweiflung und Trauer bei seinem grau­samen Tod. Und die nackte Panik, dass sie als nächstes ins Visier der Mächtigen geraten könnten. Das Sich-Verkriechen und die ersten unsagbaren Erlebnisse mit Jesus nach Ostern. Das war womöglich die größte Krise, die Christen je durchgemacht haben. Da kommt Beistand gerade recht.

Aber was genau ist das denn nun, der versprochene Beistand? Jedenfalls keine reale Figur, die bei einem steht, so viel war klar. Geist wird der Beistand sein, nicht ein beliebiger Geist, nicht einmal so etwas wie Team- oder Sportsgeist. DER Geist. Der Geist der Wahrheit. Der Geist, der Jesus mit seinem Vater und mit seinen Jüngern verbindet, sie miteinander vereint. Der Geist, der in der Gemeinschaft der Jesusjünger herrscht. Der Geist, der die Zusammengehörigkeit, mehr noch, das In-eins-Sein erleben lässt. Der Geist, der Menschen als Jesu Jünger erkennbar macht. Das Schlüsselwort heißt Liebe.

An der Art zu lieben kann man erkennen, wes Geistes Kind jemand ist. Liebe ist nicht das Halten von Geboten aus Pflichterfüllung. Liebe ist die Antwort, das innere Bedürfnis, die Haltung, die aus der Ver­bundenheit mit Gott und Jesus erwächst. Liebe findet ihren Ausdruck in der Haltung, mit der ich auf Menschen zugehe, in der ich meinen Aufgaben nachkomme. Sie findet Ausdruck in der Art, wie ich mit mir selbst umgehe, wie ich Krisen angehe. Auch in der Art, wie ich anderen Beistand sein will.

Liebe ist weit mehr als ein Gefühl. Liebe erfüllt, beflügelt, stärkt. Liebe macht sehend, mitfühlend und einfühlsam. Liebe bewirkt Offenheit und Weite, Wachheit und Zuversicht. Liebe ist die Kraft, die uns befähigt, jede Krise durchzustehen und dabei das Angebot des Lebens zu Wandlung und Neuerung anzunehmen. Das Versprechen Jesu gilt. Die Verbindung steht. Bleibt mir die Frage: Was mache ich daraus?

Christine Endres ist Pastoralreferentin und leitet den Bereich Diakonische Pastoral/Sonderseelsorge des Bistums Würzburg.

Das "Wort zum Sonntag" erscheint wöchentlich im Würzburger katholischen Sonntagsblatt.

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