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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Wort zum Wochenende am 9. Oktober 2020

Das gute Gefühl der Angst

Sich der eigenen Angst stellen, hilft eigene Möglichkeiten wahrzunehmen, so Pastoralreferent Felix Lamprecht.

„Der Schrei“ - die vier berühmten Bilder von Edvard Munch, die diesen Titel tragen, zeigen einen Menschen in existentieller Angst. Zweimal waren sie aus dem Museum gestohlen: 1994 wurde die Version von 1883 entwendet, 2004 die Version von 1910. Mit dem Fehlen der Bilder fehlte „Der Schrei“, fehlte die Angst. Gewissermaßen passt das zum allgemeinen Lebensgefühl, denn Angst zeigt man nicht. Ängstliche Menschen haben kein Ansehen. Menschen, die ihre Angst zeigen, werden wohl kaum Karriere machen. Die eigene Angst aufhängen oder ausstellen wird kaum jemand. Und man schützt sich vor Angst, nur gut gesichert nähert man sich ihr – wie nun zwischen Museumsbesucher und den wieder gefundenen Bildern sich weit bessere Sicherungstechnik befindet.

Dabei ist die Angst ein gutes, wichtiges, manchmal sogar überlebenswichtiges Gefühl: Sie warnt vor Gefahren. Sie warnt davor, dass etwas nicht stimmt und man daher aufmerksam sein muss. Sicherlich, es kommt darauf an, wie mit der Angst umgegangen wird. Dies ist ein großes Thema in der Bibel. Zum Beispiel die Geschichte von David und Goliath: Die Israeliten sind durch das Heer der Philister bedroht. Voran steht ein sehr groß gewachsener Krieger, Goliath. „Als alle Israeliten den Mann sahen, flohen sie vor ihm und fürchteten sich sehr.“ (1Sam 17,24). Flucht als erster Impuls ist sicher sinnvoll, denn so vermeiden sie zunächst, sich unvorbereitet in einen ungewissen Kampf zu stürzen. Aber sie kommen aus ihrer Furcht nicht heraus. Ausgerechnet ein junger Hirtenjunge, David, schafft dies. Eigentlich wollte er nur seinen Brüdern, die unter den Kämpfern waren, Verpflegung bringen. David sieht Goliath und ist dennoch fähig, seine Chancen abzuwägen: Als Hirte war er geübt, mit einer Steinschleuder wilde Tiere von seiner Herde abzuhalten. Wenn ihm das auch bei Goliath gelänge, bevor er in Reichweite seines Schwertes kommen würde, würde er gewinnen. David hatte seine Möglichkeiten abgeschätzt und die Schwäche von Goliath erkannt. Das ging nur, weil er ihn genau betrachtet hatte. Sein Plan ging auf, er besiegte Goliath.

Angst zu leugnen und zu verdrängen, Warnsignale zu missachten, kann schlimm ausgehen. Sich hingegen der eigenen Angst stellen, sie anzuschauen und sie als gutes und überlebenswichtiges Gefühl anzunehmen, hilft eigene Möglichkeiten wahrzunehmen und Wege zu finden, mit all dem Bedrohlichem des Lebens umzugehen. In diesem Sinne ist es auch ein Glück, das Bild „Der Schrei“ von Edvard Munch wieder anschauen zu können.

Felix Lamprecht, Pastoralreferent

Der Impuls "Wort zum Wochenende" erscheint wöchentlich auf der Internetseite der Kirche in der Region Würzburg.

Wort zum Wochenende

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