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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Durst nach Leben

Hunger und Durst gehören zu den Grundbedürfnissen der Menschen, so Pfarrerin Dr. Anni Hentschel.

Hunger und Durst gehören zu den Grundbedürfnissen der Menschen, im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Ein Psalmbeter beschreibt seine Sehnsucht nach Gott mit dem Bild des Durstes: Wie ein Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. (Psalm 42,2). Wasser ist ein Urstoff des Lebens, notwendig, damit Pflanzen, Tiere und Menschen leben können. Ohne Wasser würde alles vertrocknen und erstarren. Nach der Dürre in diesem Jahr können auch wir in Deutschland erahnen, was das bedeutet. Besonders die Landwirte, die auf den Feldern unsere Lebensmittel säen oder pflanzen, pflegen und ernten, wissen genau, wie sehr das Wachsen und Gedeihen vom Regenwasser abhängt. So lange etwas im Überfluss oder zumindest im ausreichenden Maß vorhanden ist, neigen wir Menschen dazu, die Bedeutung und den Wert eines Gutes zu unterschätzen. Oft lässt uns erst ein Mangel wieder bewusster und dankbarer leben.

Eine Kurzgeschichte, noch aus alten Zeiten der D-Mark, bringt das anschaulich auf den Punkt: Als Tim Bone zwei Tage durch die Wüste gefahren war, traf er auf einen Wasserverkäufer. "Was kostet ein Liter Wasser?", fragte er. "Zwei Mark", sagte der Wasserverkäufer. "Das ist zu teuer", sagte Tim Bone und fuhr weiter. Am dritten Tag ging sein Auto kaputt, am vierten Tag fiel ihn Fieber an, am fünften Tag schrie er in die weite, leere Wüste hinein: "1000 Mark für einen Becher Wasser!" Er dankte Gott, als er am siebten Tag aus der Ohnmacht erwachte: Eingeborene benetzten seine Lippen mit Wassertropfen.

Kenia leidet schon seit Jahren immer wieder unter extremen Dürreperioden. Knappes Wasser gehört zum Alltag. Kaum ein Dorf hat eine eigene Wasserversorgung. Die Frauen müssen oft jeden Tag mehrere Kilometer weit laufen, um mit 30-Liter-Behältern Wasser für die vielköpfige Familie zu holen – das ist etwa ein Viertel einer Badewannenfüllung. Eine Landwirtin aus einem Dorf in der Nähe des Mount Kenya war dafür täglich fünf Stunden unterwegs. Schon um 3 Uhr in der Nacht traf sie sich mit ihren Nachbarinnen, laut liefen sie die Strecke, um wilde Tiere wie Pythons oder Leoparden wegzuhalten. Größer als die Angst vor Tieren oder Überfällen war jedoch die Sorge, nach dem Marsch lange anstehen zu müssen, in Streit zu kommen oder kein Wasser mehr zu bekommen. Wenn die Flüsse kein Wasser mehr führen, müssen die Frauen graben und brauchen Glück, bis etwas schmutziges Wasser zusammenläuft. Vor allem die Kinder bekommen von diesem Wasser oft Durchfall. Dann hat eine lokale Baufirma eine Regenauffangvorrichtung gebaut, so dass das Dorf sich mit Regenwasser vom nahegelegenen Berg versorgen kann. Damit sparen sich die Frauen jetzt viel Zeit und Arbeit, vorausgesetzt, es regnet genug.

Ein andere Familie freut sich über ein neues Bewässerungssystem. Der kleine Garten musste bei Dürre pro Tag mit 400 Litern Wasser gegossen werden, damit das Gemüse für den eigenen Bedarf gewachsen ist. Jetzt fließt aus einem Tank auf Stelzen das Wasser durch Schläuche direkt zu den Pflanzen, tröpfchenweise, so dass nun 140 Liter pro Tag reichen. Umgerechnet einhundert Euro hat die Anlage gekostet, die der Familie hilft, sich trotz der zunehmenden Trockenheit ernähren zu können.

Diese Berichte machen mich nachdenklich, wie ich mit dem umgehe, was die Natur uns an Lebensmitteln zur Verfügung stellt. Und dankbar, dass kleine Schritte in die richtige Richtung viel bewegen können.

Dr. Anni Hentschel ist Pfarrerin und Direktorin des Rudolf-Alexander-Schröder-Hauses Würzburg. Der Impuls "Sinn & Religion" erscheint wöchentlich auf der Internetseite der Kirche in der Region Würzburg.

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