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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Kreuzwort am 5. Juni 2021

Entsorgte Kreuze

Wer freut sich nicht über die Müllabfuhr, die treu unsere bunten, oft prall gefüllten Mülltonnen leert und uns die Last des Entsorgens abnimmt. In den vergangenen Monaten stieß ich in einem ganz anderen Zusammenhang auf das Wort "entsorgen".

Ich hörte den Satz : "Die Leute haben halt ihre Kreuze und Madonnen – entsorgt." Die Rede ist von Kapellen, in denen sich im Lauf der Jahre Kreuze aller Variationen und Madonnenbildnisse angesammelt haben. Man hat sie dorthin entsorgt, weil in der häuslichen Wohnung kein Platz mehr für sie war. Oma und Opa sind gestorben, oder das alte Kruzifix ist einem neuen gewichen. Es gibt wohl auch andere, persönliche Gründe. Entsorgte Kreuze – für mich ein bedenkliches Phänomen, so mit Zeichen jahrtausendealter christlicher Hoffnung umzugehen.

Mir fallen Bilder aus dem Mittleren Osten von Christen ein, die sich Kreuze in ihre Haut haben eintätowieren lassen, oder die Autos und Busse, die mit großformatig aufgemalten Rosenkränzen durch muslimische Städte fahren, oder die libanesischen "Hällchen" vor dem Wohnhaus mit Statuen von Christus, Maria und den Heiligen. Die orientalischen Christen sind stolz darauf, Christen zu sein. Von vielen ihrer Berggipfel leuchten in der Nacht die Kreuze, toleriert von der muslimischen Mehrheit.

Ich erinnere ich auch an eine Bekannte, die sich als Nichtgläubige über den "Masochismus" der Christen lustig machte, weil sie einen Toten am Kreuz verehren. Sie wurde krebskrank und konnte im Krankenzimmer dem Blick auf das Kreuz nicht ausweichen. Kurz vor ihrem Tod sagte sie mir: "Ich bin dankbar, dass ich vom Kreuz her Trost empfangen habe." Andere Bilder fallen mir ein: So die Jakobuspilger am Cruz de Ferro in Spanien, die nach ihrem langen Pilgerweg aus ihrem Rucksack einen Stein hervorholen und ihn unter das schlichte, hoch aufragende Kreuz auf dem wachsenden Steinhügel legen. Sie haben den Stein, der auf ihnen lastete, Christus anvertraut – sich sozusagen "entsorgt".

In der Tat ist das Kreuz ein Zeichen der Hoffnung: Der Tod und der Verfall, wie auch böswillige Macht, haben nicht das letzte Wort. Dem Ende folgt die Vollendung in Gott. Für die Dichterin Ulla Hahn flüstert Christus – sich vom Kreuz befreiend – ins Ohr des Suchenden: "Irgendwann stell' ich dich meinem Vater vor. Lass dir Zeit. Ich kann warten."

Peter Spielmann, pastoraler Mitarbeiter in Obernau

Der Impuls "Kreuzwort" erscheint wöchentlich auf der Internetseite der Region Aschaffenburg.

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