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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Jenseits der Oberfläche

Vor einigen Tagen stand im Main-Echo zu lesen, dass die christlichen Kirchen ein gemeinsames Problem haben: Sie verlieren immer mehr Mitglieder.

Mehr als eine halbe Million Menschen haben den Kirchen im letzten Jahr den Rücken gekehrt. Über die Gründe lässt sich trefflich spekulieren und ich bin mir sicher, dass es dafür keine einfache Erklärung gibt. Was mir aber zu denken gibt, ist zweierlei. Erstens: Ich erlebe bei vielen Menschen ein spirituelles Bedürfnis. Dieses Bedürfnis hat häufig damit zu tun, dass diese Menschen spüren, es muss „mehr als alles" geben. Dieses Bedürfnis oder diese Bedürftigkeit wird aber in vielen traditionellen kirchlichen Angeboten nicht mehr gestillt.
Und das hat für mich mit dem zweiten Punkt zu tun. Die religiöse Sprache ist über weite Strecken nicht mehr die Sprache der Menschen. Sie verstehen häufig nicht mehr, was mit Glauben und Gott gemeint ist. Sie sehen wenig bis kaum Verbindungen zwischen den Inhalten des Glaubens, wie sie kommuniziert werden und dem, was sie täglich bewegt. Religiöse Inhalte leben aber von der Verbindung in den Alltag des Menschen. Und die religiöse Sprache braucht zunehmend mehr Menschen, die diese Inhalte auf der Höhe der Zeit angemessen übersetzen. So ist für viele Menschen die Frage nach Gott nach wie vor durch patriarchale und überholte Vorstellungen massiv verdunkelt. 
Vor über 50 Jahren hat genau dieser Sachverhalt Paul Tillich zu folgenden Gedanken veranlasst: Wenn das Wort „Gott" für euch nicht viel Bedeutung besitzt, so übersetzt es und sprecht von der Tiefe in eurem Leben, vom Ursprung eures Seins, von dem was euch unbedingt angeht, von dem, was ihr ohne Vorbehalt ernst nehmt. Wenn ihr das tut, werdet ihr vielleicht einiges, was ihr über Gott gelernt habt, vergessen müssen. Vielleicht sogar das Wort selbst. Denn wenn ihr erkannt habt, dass Gott Tiefe bedeutet, so wisst ihr viel von ihm. Ihr könnt dann nicht mehr sagen: Das Leben hat keine Tiefe, das Leben ist seicht, das Sein selbst ist nur Oberfläche. Wer um die Tiefe weiß, der weiß um Gott.
Als ich diesen Satz vor über 30 Jahren das erste Mal gelesen habe, ist er mir in die Knochen gefahren und lässt mich seitdem nicht mehr los. Gerade in Urlaubszeiten ist etwas mehr Zeit, genauer hinzuschauen und zu erleben: Die Tiefe ist da! Ich wünsche Ihnen viele solcher Erfahrungen.

Dr. Peter Müller
Fachakademiedirektor

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