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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Wort zum Sonntag am 8. November 2020

Ölkrise

Reicht mein Vorrat an Lebens- und Glaubenskraft, um auch dunkle Zeiten zu überbrücken? Reicht mein Vorrat an Zuversicht, um auch in schweren Zeiten auf Gott zu vertrauen?

Evangelium

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen mit ihren Lampen noch Öl in Krügen mit. Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf: Siehe, der Bräutigam! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus! Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es nicht für uns und für euch; geht lieber zu den Händlern und kauft es euch! Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen, kam der Bräutigam. Die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen. Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen und sprach: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.    
Matthäus 25,1–13

Ob es zum Wort des Jahres 2020 wird? „Coronakrise“. Keine Nachrichtensendung, keine Zeitung, in der es nicht auftaucht. Das Virus hat die Welt, die Wirtschaft, die Kirche, die Menschen eiskalt erwischt und in eine tiefe Krise gestürzt, die es in sich hat.

Um eine Krise geht es auch im Evangelium. Um eine Ölkrise. Ich kann mich gut an die Siebzigerjahre erinnern, als das Öl knapp wurde und der Verkehr stillstand. Nichts ging mehr. Genau wie im Evangelium bei den jungen Frauen, die in eine Krise geraten, weil sie halbe Sachen machten. Ihre Lampen hatten sie dabei, aber kein Öl zum Nachfüllen. Mitten in der Nacht gibt es für sie ein böses Erwachen. Als es ernst wird, sind sie nicht bereit, nicht vorbereitet. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

Nacht – das ist die Zeit, in der das Gleichnis spielt. Es gibt die Nacht, die von außen zu uns kommt, in der es finster und zappenduster wird. Und es gibt die Nacht, die sich von innen her auf uns legt. Eine solche Nacht kann schlimmer sein als der dunkelste Tunnel und der einsamste Pfad. Manche können ein Lied davon singen – nicht nur in der Düsternis der Coronakrise: von der Nacht der Zweifel und der Depression, der Nacht der Ratlosigkeit und der Rastlosigkeit, der Nacht der Trostlosigkeit und der Ohnmacht, der Nacht des Ausgebranntseins und der Leere.

Die klugen Frauen nahmen zu den Lampen Öl in Krügen mit. Klug sind jene, sagt Jesus, die mit dem Einbruch der Nacht rechnen, mit der Nacht im Leben, der Nacht im Glauben, der Nacht in der Liebe. Die vorausschauend leben und sich bevorraten. Wir können nicht auf allen Hochzeiten tanzen, drauflos leben, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Und wir können nicht alles auf den St.-Nimmerleinstag verschieben. „Und wir haben nicht einmal eine Patientenverfügung“, sagte mir ein Frau in den ersten Wochen der Coronapandemie, die sie in eine tiefe existentielle Krise gestürzt hatte.

Wir sind nicht immer in Hoch(zeits)-stimmung. Wie bin ich auf solche Situationen vorbereitet? Das Gleichnis kann uns aufrütteln, nicht gedankenlos in den Tag hinein zu leben. An diesem Text lerne ich, wie wichtig es ist, Lebens-Proviant zu haben, um die Zeiten der Nacht durchstehen zu können. Wie sagte meine Oma oft: „Von nichts kommt nichts!“ Es gibt dieses „zu spät“, es gibt die Zeit, von der aus es kein Zurück mehr gibt. Hätte ich doch ...

Nun könnte man erwarten, dass die Klugen mit den anderen ihr Öl teilen. Das würde doch die Nächstenliebe erfordern. Mit diesem Gleichnis will Jesus uns aber etwas anderes sagen: Es gibt im Leben Dinge, die ich selber tun muss. Für meinen Ölvorrat bin ich allein verantwortlich. Die Grundausrichtung meines Lebens, meinen persönlichen Lebensentwurf, meine Quellen, meine Werte, meine Ziele kann ich mir nicht von anderen ausleihen oder borgen. Verhindern, dass ich die (Öl-)Krise kriege, dass mein geistliches Leben ausbrennt, dass mein Glaube nur noch auf Sparflamme brennt, das kann nur ich selbst. Im Gleichnis leuchten Würde und Ernst meiner menschlichen Freiheit auf, die auch Gott achtet.

„Seid also wachsam!“ Reicht mein Vorrat an Lebens- und Glaubenskraft, um auch dunkle Zeiten zu überbrücken? Reicht mein Vorrat an Zuversicht, um auch in schweren Zeiten auf Gott zu vertrauen? Bin ich gerüstet? Um ein waches, aufmerksames Leben geht es. Um die Aufforderung: „Kümmere dich beizeiten, dann hast du in der Not!“ – „Wir haben keine Zeit als diese. Kein Morgen bringt das Heute uns zurück“ (Mascha Kaleko).

Heribert Kaufmann ist Pfarrer in solidum für Kleinost­heim, Mainaschaff und Stockstadt

Das "Wort zum Sonntag" erscheint wöchentlich im Würzburger katholischen Sonntagsblatt.

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