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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Inspiration
Inspiration

Predigt und Informationen von Bischof Dr. Franz Jung am 4. Fastensonntag

Messe in der Sepultur im Würzburger Dom

Liebe Schwestern und Brüder,

Ich darf Sie herzlich zu unserem Sonntagsgottesdienst aus der Sepultur des Domes begrüßen.

Freue dich, Stadt Jerusalem!
Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart.
Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung.

Dieses Wort steht über dem Vierten Fastensonntag und hat ihm auch seinen Namen gegeben nach der lateinischen Fassung des Eröffnungsverses:

„Laetare Jerusalem“.

  • Freude, weil wir auf unserem Weg zu Ostern die Mitte der Fastenzeit erreicht haben.
  • Zur Freude gehört die Stillung unseres Durstes nach Leben:
  • Deshalb werden wir aufgefordert:

„Trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung“

Der Verweis auf die Quelle göttlicher Tröstung ist wichtig – gerade jetzt, wo es vielen Menschen nicht leicht fällt, sich zu freuen.

Denn die diesjährige Fastenzeit wird für viele zur Belastungsprobe

  • durch die Ausgangsbeschränkungen,
  • durch die Sorge um die eigene Gesundheit und die der Angehörigen
  • und durch die existentiellen Nöte der Geschäftsleute, die um den Fortbestand ihrer Unternehmen fürchten.

Die Liturgie eröffnet uns die Quellen göttlicher Tröstung.

  • Ein Trost, der uns von Gott her zugesprochen wird, weil wir ihn uns selbst nicht sagen können.
  • Ein Trost, der uns nicht untergehen lässt in der Traurigkeit dieser Zeit, sondern uns mit Gott verbindet.

Und so wollen wir uns in dieser Stunde unter das Erbarmen Gottes stellen:

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes        (erweiterte Kurzfassung)

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.
Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst?
Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?
Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.
Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.
Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!

Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte.

Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten:

Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.
Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.
Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.

Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?

Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.

Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.

Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Liebe Schwestern und Brüder,

Vier Punkte zu unserem heutigen Evangelium möchte ich mit Ihnen betrachten:

1. Nicht Klärung der Schuldfrage, sondern Einladung, Gottes Wirken offenbar werden zu lassen

Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?

Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.

Das ist so typisch menschlich: Angesichts eines Problems, einer Lebenskrise oder einer Krankheit stellen wir sofort die Schuldfrage. Wer hat das angerichtet?

Wer ist dafür verantwortlich? Wer trägt die Schuld?

Trägt der Blindgeborene selbst die Schuld? Oder muss der Arme nur ausbaden, was seine Eltern an Schuld auf sich geladen haben?

Die Klärung der Schuldfrage ist sehr komfortabel. Denn sie schiebt das Problem erstmal weit weg. Wenn man weiß, wer schuld ist, muss man keine Verantwortung übernehmen und kann die Lösung des Problems getrost anderen zuschieben. Sollen die doch sehen, wie sie zurecht kommen. Ich für meinen Teil bin raus.

Da überrascht die Antwort Jesu: Keiner hat gesündigt. Die Klärung der Schuldfrage führt nicht weiter. Nein, keiner hat gesündigt. Vielmehr soll an diesem Menschen das Wirken Gottes offenbar werden. Das ist befreiend. Die Not dient nicht zum Anlass, andere zu verklagen und sich über andere zu erheben, sondern sie ist als Einladung zu verstehen, etwas Gutes aus dieser bedrängenden Situation zu machen.

Das gilt auch in der jetzigen Krise. Es geht nicht um Schuldzuweisungen. Wir sollen nicht zurückblicken, auch wenn wir den Ursachen werden nachgehen müssen. Nein, jetzt geht es darum, das Beste aus der aktuellen Herausforderung zu machen, weil genau darin das Wirken Gottes offenbar werden soll, wie Jesus so wunderbar sagt.

2. Mitarbeiten mit Jesus als dem Licht der Welt

Jesus fährt fort:

Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.

Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Besser kann man nicht sagen, was jetzt zu tun ist! Jesus ist das Licht der Welt. Er ist unser Licht. Und in diesem Licht gilt es, die jetzige Krise sehen zu lernen.

Dieses Licht wollen wir in der Nacht der Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit neu entzünden, damit es in unserer Welt heller Tag werden kann.

Von Herzen danke ich allen, die Christus, das Licht, zu den Menschen tragen.

  • Mein Dank geht an unsere Priester, Diakone und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und an unsere Ordenschristen, wo auch immer sie ihren Dienst tun:

in den Pfarreien, in den Krankenhäusern und Pflegehilfeeinrichtungen, in der Telefonseelsorge und bei den Beratungsdiensten.

  • Mein Dank geht an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas, die jetzt beratend oder pflegend den Menschen in Not zur Seite stehen.
  • Mein Dank geht an unsere Krisenstäbe im Ordinariat und bei der Caritas, die einen hervorragenden Job machen und dabei sind, alle eingehenden Fragen und Anregungen, Nöte und Angebote entgegenzunehmen.
  • Mein Dank geht an alle unsere Gläubigen, die jetzt ihren Beitrag leisten im persönlichen Beten in der großen Gebetsgemeinschaft der Kirche und in der Sorge um ihre unmittelbaren Nächsten mit Ausdauer, Kreativität und Phantasie.
  • Mein Dank geht an alle Menschen in unserem Bistum und in Unterfranken, die jetzt das ihnen Mögliche tun. Wir wollen als Kirche gerne unseren Beitrag leisten und mithelfen, die Not zu lindern und hilfreich zur Seite zu stehen.

Der Blick auf die eingegangenen Hilfeangebote und die vielen Anregungen zur Gestaltung von Gebetskreisen und Hausgottesdiensten zeigt mir, wie viel Einfallsreichtum bei unseren Gläubigen und bei den Verantwortlichen vor Ort vorhanden ist. Das macht mich froh und zuversichtlich, dass wir gemeinsam gut diese herausfordernden Tage bestehen werden.

3. Gemeinsam die Nacht durchstehen

Jesus sagt aber auch: Es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.

Auch das erleben wir als große Belastung in diesen Tagen. Es ist die Erfahrung der eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit.

  • Solche Erfahrungen müssen die Angehörigen von erkrankten Personen machen, die mit ihnen ringen um Leben und Tod und die nur sehr eingeschränkt Zugang zu ihren Lieben erhalten.
  • Diese Erfahrung bleibt im Todesfall den Hinterbliebenen nicht erspart, gerade in Zeiten, in denen auch die Praxis der Beisetzung sehr restriktiv zu handhaben ist. Das belastet zusätzlich beim Abschiednehmen und der eigenen Trauer.
  • Die Erfahrung der Nacht machen auch viele, die sich auf ein Fest gefreut hatten. Paare, die heiraten wollten. Eltern, die sich auf die Taufe ihrer Kinder gefreut hatten. Unsere Kommunionkinder, die sich jetzt auf den Empfang der heiligen Erstkommunion vorbereitet haben. Die Firmlinge, deren Firmung jetzt sehr kurzfristig verschoben werden musste. Sie alle müssen sich nun in Geduld üben, solange bis Entwarnung gegeben wird.
  • Diese Ohnmacht erfahren auch Geschäftsleute und Unternehmer. So sehr sie die Einschränkungen des öffentlichen Lebens nachvollziehen können als Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung, so sehr fragen sie sich, ob sie es nach der Krise noch einmal schaffen werden, ihr Geschäft oder Unternehmen weiterführen.

„Es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.“

Auch das gehört zu unserem Leben. Diese Nacht ist Teil des Trauerprozesses, den wir alle derzeit durchlaufen. Die Trauer darüber, dass sich die Dinge so ganz schnell und so ganz anders entwickeln, als wir es uns gewünscht hätten und wie wir es eigentlich geplant hatten.

Gemeinsam wollen wir als Kirche und als Gemeinschaft der Glaubenden einander tragen im Gebet. Das fürbittende Gebet stärkt uns. So ermutigen wir uns gegenseitig im Glauben an die Auferstehung Jesu Christi, der das Dunkel in Licht gewandelt hat.

Uns tröstet das Wort aus dem Johannesevangelium: „Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst“ (Joh 1,4).

Der Herr erleuchte die Augen unseres Herzens, damit wir erkennen, zu welcher Hoffnung wir durch ihn berufen sind (Eph 2,18).

Diese Hoffnung aber lässt uns nicht zugrunde gehen (Röm 5,5).

4. Die verordnete Sabbatzeit als Zeit des Heils begreifen lernen

Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. So hat es im Evangelium geheißen.

Jesus heilt den Blindgeborenen bewusst an einem Sabbat. Er macht damit deutlich: der Sabbat ist nicht ein Tag der Totenstille.

Der Sabbat ist der Tag der Neuschöpfung der Welt. Wie am ersten Schöpfungstag wird am Sabbat das Licht von der Finsternis geschieden und eine neue Welt geht auf. Er dient so zur Heilung unserer angeborenen Blindheit, durch die wir Gott nicht erkennen können. Auf diese Weise wird der Sabbat zur heilsamen Unterbrechung.

So seltsam es klingen mag, das ist auch die Chance im jetzigen Augenblick. Die uns verordnete Sabbatzeit kann dazu dienen, Christus, das Licht, neu sehen lernen.

Die unerwartete Zwangspause bietet uns die Gelegenheit, uns noch einmal neu zu orientieren. Es geht eben nicht um Totenstille.

Die aktuelle Unterbrechung wird dann zur heilsamen Unterbrechung, wenn wir beginnen, neue Räume auszuloten, in denen wir ratsuchenden und hilfsbedürftigen Menschen begegnen können - auch über die Grenzen unserer Pfarreien und Gemeinschaften hinaus.

Die kommenden Wochen können uns helfen, unser pastorales Tun zu überbedenken und zu fragen, wo wir andere Schwerpunkte setzen könnten, mit wem wir weiter kooperieren und was wir künftig nicht mehr oder ganz anders machen wollen. Vielleicht werden uns ja auch beim Suchen, Ausprobieren und Improvisieren die Augen für hilfreiche Initiativen und Projekte geöffnet, die es mit anderen anzugehen lohnt und die Bestand haben auch über die aktuelle Notlage hinaus.

Auch auf diese Weise würde die Krise zur Chance und zum Angebot, in die Sehschule des Herrn zu gehen.

So bleibt meine Bitte: Herr öffne uns die Augen, damit wir Dich als Kirche von Würzburg in diesen Tagen besser erkennen können.

Denn mit dem geheilten Blinden rufen wir: Ich glaube, Herr!

Amen.

Hinweise

  • Mein Dank geht heute zuerst an die Verantwortlichen von TV Mainfranken, die es möglich machen, die Gottesdienste per Fernsehen ins Bistum zu übertragen,

sonntags um 10 Uhr und

werktags um 12 und um 19 Uhr

  • Während des Gottesdienstes und im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Austausch per Chat und Kommentar.

ab Dienstag wird es auch möglich sein, dass Sie ihre eigenen Anliegen und Fürbitten einbringen

  • Unsere Notfall-Hotline im Ordinariat ist weiterhin besetzt
  • Die Telefonseelsorge ist auch wie immer erreichbar
  • In Notfällen können sie sich telefonisch an das örtliche Pfarrbüro wenden, auch wenn es derzeit für den Publikumsverkehr geschlossen ist
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