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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Inspiration
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Sinn & Religion am 13. September 2019

Rückbesinnung auf alte Werte

Die jüdische Religion bietet eine Fülle von Ge- und Verboten, die dem Menschen nicht nur ein festes Wertegerüst, sondern auch Halt im Leben geben, so Dr. Josef Schuster.

An so genannten runden Jahrestagen blicken wir zurück auf Ereignisse, die unser Leben oder unser Land geprägt haben. Und stets stellt sich die Frage, ob diese Ereignisse bis heute Spuren hinterlassen und noch eine Bedeutung für uns haben. Dieses Jahr fielen auf einen dieser historischen Jahrestage auch noch aktuelle politische Ereignisse: Am 1. September vor 80 Jahren begann der Zweite Weltkrieg. Und am 1. September dieses Jahres wurden in Sachsen und Brandenburg neue Landtage gewählt – mit Ergebnissen, die republikweit für Diskussionen sorgen.

Wir müssen uns ernsthaft fragen, wie nachhaltig unser Land wirklich aus der Geschichte gelernt hat und welche Werte uns heute eigentlich leiten? Unabhängig von Herkunft, Religion oder Hautfarbe muss es einen verbindenden Wertekodex geben, der ein friedliches Zusammenleben ermöglicht.

Dieser Wertekodex ist in Deutschland maßgeblich geprägt vom Christentum, von der Aufklärung – und vom Judentum. Die jüdische Religion bietet eine Fülle von Ge- und Verboten, die dem Menschen nicht nur ein festes Wertegerüst, sondern auch Halt im Leben geben.

Die Rückbesinnung auf diese Werte kann auch für Menschen hilfreich sein, die einer anderen Religion angehören oder gar keiner Religion. Zu den zentralen ethischen Werten des Judentums zählen die Ehrfurcht vor dem Leben, die Achtung vor Menschen und ihr Recht auf unversehrtes Leben und Besitz, die Pflicht zur Sorge um Arme und Kranke, das Streben nach Frieden, Wohltätigkeit gegenüber Anderen, gute Taten und soziale Gerechtigkeit.

Die Achtung vor dem Leben drückt sich zum Beispiel darin aus, dass die Rettung eines Menschenlebens sogar vor dem Arbeitsverbot an Schabbat, also dem jüdischen Ruhetag, Vorrang hat. Während es ansonsten am Schabbat nicht gestattet ist, Auto zu fahren, wird ein schwer verletzter Mensch auch am Schabbat selbstverständlich mit einem Krankenwagen ins Krankenhaus befördert und dort behandelt.

Ebenso gehört es zum Wesen der jüdischen Ethik, dass sie universell ist. Die Achtung vor dem Menschen, Fürsorge und Wohltätigkeit sollen allen Menschen zu Gute kommen, nicht nur einer bestimmten Religion. Das Christentum teilt diese Ethik.

Darauf sollten wir uns stärker zurückbesinnen. Wenn Werte über Jahrtausende Bestand haben, hat dies einen Grund. Sie haben sich als tauglich erwiesen. Es wäre fatal, diese Werte aufzugeben und einer Partei nachzulaufen, die Schein-Lösungen verspricht, dabei genau diese jüdisch-christliche Ethik mit Füßen tritt und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft gefährdet.

Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Der Impuls "Sinn & Religion" erscheint wöchentlich auf der Internetseite der Kirche in der Region Würzburg.

Sinn & ReligionImpuls

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