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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Wort zum Sonntag am 12. Juni 2022

Unvollkommen – dennoch verkünden

„Komm herab, oh Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt“, heißt es im Pfingsthymnus. Die Frage ist: Wollen wir uns diesem Licht der Wahrheit aussetzen? Es könnte sein, dass damit einiges ans Licht kommt, was wir lieber verborgen hätten.

Evangelium

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Johannes 16,12–15

Wahrheit. Ein großes Wort. „Was ist Wahrheit?“, fragt schon Pilatus. Information gibt es in unserer Zeit so viel wie noch nie. Fast alles, was man wissen will, kann man im World Wide Web nachlesen und recherchieren. Informationen ohne Ende. Aber wo finden wir in der Flut der Halbwahrheiten und Fake-News die Wahrheit? Aber: Wollen wir die Wahrheit überhaupt wissen? Wäre es uns nicht manchmal lieber, die eigene Ansicht bestätigt zu wissen? Die ganze nackte und ungeschminkte Wahrheit ist manchmal schwer zu ertragen. In Scheinwelten lebt es sich einfacher.

Im Evangelium dieses Sonntags geht es um die Wahrheit, in die der Heilige Geist seine Jüngerinnen und Jünger leiten soll. Grammatikalisch und inhaltlich ein schwerer Satz. Wir deuten ihn so, dass der Heilige Geist seinen Jüngern helfen wird, diese Wahrheit ganz zu verstehen. Er lehrt sie, die Wahrheit von den vielen anderen Informationen zu unterscheiden. Er gibt auch die Kraft, sie anzuschauen und auszuhalten. Dieser Heilige Geist ist seit Pfingsten da, bei den Jüngern und Jüngerinnen und auch bei uns. Bis heute. Wenn wir ihn bitten, wird er uns Weisheit und Erkenntnis schenken.

„Komm herab, oh Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt“, heißt es im Pfingsthymnus. Die Frage ist: Wollen wir uns diesem Licht der Wahrheit aussetzen? Es könnte sein, dass damit einiges ans Licht kommt, was wir lieber verborgen hätten. Wir könnten entdecken, dass wir alle schwache, fehlerhafte und halbherzige Menschen sind. Wir könnten entdecken, dass das vorteilhafte Bild, das wir gern nach außen zeigen, nicht die Wahrheit ist. Oder zumindest nicht die ganze Wahrheit. Das könnte schmerzhaft werden.

Aber wir könnten auch entdecken, dass die Wahrheit, von der Jesus spricht, noch weiter geht: Wir könnten entdecken, dass Gott keine perfekten Menschen sucht, sondern ehrliche und solche, die sich trotz ihrer eigenen Unvollkommenheit nicht scheuen, die frohe Botschaft unter den Menschen sichtbar und spürbar zu machen. Er ist nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder und Sünderinnen. Also solche, die wissen, dass sie Sünder sind und sich nicht selbst für gerecht oder etwas ganz Besonderes halten. Wir könnten verstehen, dass es ihm darum geht, dass wir geliebt sind mit allen unseren Licht- und Schattenseiten und dass wir diese Botschaft weitergeben sollen, damit sein liebevolles Wesen in der Welt sichtbar wird.

Stefanie Schwab ist christliche Liedermacherin und arbeitet zudem in der Krankenhausseelsorge. Dr. Martin Schwab ist Fundraiser des Bistums Würzburg und arbeitet zudem als Gemeindeberater und Supervisor.

Das "Wort zum Sonntag" erscheint wöchentlich im Würzburger katholischen Sonntagsblatt.

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