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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Wort zum Sonntag am 4. Oktober 2020

Verschlagenheit im Weinberg des Herrn

Jesus kennt den Weg, der vor ihm liegt. Doch geht er diesen Weg. Für alle, die am Reich Gottes teilhaben wollen, für alle, die Früchte des Reiches Gottes bringen wollen.

Evangelium

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen? Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt.     

Matthäus 21,33–44

Das Gleichnis von den Morden im Weinberg ist – wieder einmal – eine Parabel aus der Lebenswelt der Zuhörer Jesu. Jesus erzählt sie Hohepriestern in den Tagen zwischen seinem umjubelten Einzug in Jerusalem und seiner Passion. Es sind Tage, in denen er und die Hohepriester und Ältesten des Volkes häufig aneinandergeraten. Dem Evangelium dieses Sonntags geht zum Beispiel die Erzählung von der Tempelreinigung voraus.

Gutsbesitzer, die ihren Weinberg an Winzer verpachten, gab es schon immer. Auch, dass manche dieser Winzer auf die reichen Gutsbesitzer wütend waren, wenn diese ihren Anteil durch die Knechte abholen ließen. Es gab – wie immer und wie überall – sicher auch das Verprügeln oder schlimmstenfalls einen Mord, um den Abgaben zu entgehen. Dass aber auch eine zweite Abordnung und selbst der Sohn des Gutsbesitzers Opfer der Winzer werden, ist dann doch zu viel.

Als Jesus fragt, was der Gutsherr wohl mit den Winzern macht, ist das Urteil der Zuhörer Jesu klar: „Er [der Gutsherr] wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern ...“

Diese Antwort musste ja kommen. Aber während die Hohepriester diese Antwort gaben, kam ihnen in den Sinn, was Jesus ihnen klar­machen wollte: Sie sind gemeint als Winzer. Mit ihrer Arbeit im Weinberg des Herrn ist er absolut nicht zufrieden. Im Weinberg arbeiten, aber die Früchte nicht dem geben, dem sie zustehen, geht nicht. Im Weinberg zu arbeiten und den Sohn des Winzers zu töten kann nicht gut ausgehen für die Winzer.

Wie am Anfang gesagt, diese Diskussion ist nicht die erste in den Tagen vor Jesu Passion. Ich versuche mir bildlich vorzustellen, dass da sicher Emotionen auf beiden Seiten mitgespielt haben – und dass die Stimmung Jesus gegenüber nicht besser wird bei den „Oberen“.

Doch kommt da noch mehr: Jesus wirft den Hohepriestern (!) vor, nicht ordentlich in der Schrift gelesen zu haben. Haben sie nicht mitbekommen, dass der von den Bauleuten verworfene Stein, der getötete Sohn im Gleichnis, zum Eckstein wurde? Also zum Hauptstein! Jesus kennt den Weg, der vor ihm liegt. Er weiß, dass auch er ein getöteter Sohn sein wird. Dass er der Eckstein sein wird. Er weiß auch, dass der Weg zum Eckstein kein leichter sein wird.

Doch geht er diesen Weg. Für alle, die am Reich Gottes teilhaben wollen, für alle, die Früchte des Reiches Gottes bringen wollen.

Ich möchte auch am Reich Gottes teilhaben. Also geht Jesus diesen Weg auch für mich. Und da kommen mir einige Fragen in den Sinn. Wie halte ich es mit Dingen, die mir anvertraut sind?

Bin ich auf der Seite der Winzer? Halte ich mich an den Gutsbesitzer? Gott hat mir auch einiges anvertraut: Menschen, Aufgaben, außerdem Besitz und in manchen Bereichen Macht. Wie gehe ich damit um? Nutze ich es für mich? Nutze ich es aus? Beute ich es aus und will ich auch nichts mehr davon zurückgeben?

Gott wird nachfragen. Nicht, um Leistung meinerseits zu sehen, sondern um meinetwillen und seinetwillen. „Wen hast Du geschätzt – wem hast Du genützt – wen hast Du geliebt um meinetwillen“, heißt es in einem Lied.

Jetzt ist die Zeit. Das Reich Gottes beginnt unter uns. Wir sind Früchte und wir können Frucht bringen. „Wir“ – alle, die mitwirken am Reich Gottes, an den Früchten im Weinberg, am Kontakt mit dem Gutsbesitzer. Das ist das einzige, was zählt.

Claudia Nowak ist Pastoralreferentin in der Pfarreiengemeinschaft „St. Kilian, Haßfurt“

Das "Wort zum Sonntag" erscheint wöchentlich im Würzburger katholischen Sonntagsblatt.

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