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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Wort zum Wochenende am 1. April 2022

Wo kommen "Hater" her?

Die Würde des anderen achten, niemanden abwertend behandeln, so Pfarrer Jürgen Reichel.

Der „Drachenlord“ stand in Nürnberg vor Gericht: Ein junger Mann aus einem winzigen mittelfränkischen Dorf, der sich wegen Körperverletzung verantworten musste. Der „Drachenlord“ stellt Beiträge ins Netz und hat 200.000 Follower, Menschen, die sich seine Beiträge anzeigen lassen. Viele davon tun das nur, um ihn zu beleidigen. Denn was er ins Netz stellt und wie er aussieht, ruft bei vielen Häme hervor. Der „Drachenlord“ beging die Ungeschicklichkeit, mitzuteilen, wo er wohnt. Von da ab hatten er und sein Dorf keine Ruhe mehr. An manchen Tagen versammelten sich mehrere Hundert Menschen vor seinem Grundstück, um ihn zu verspotten und zu piesacken, manche offenbar weit angereist. Auf einige war er nun losgegangen.

Was ist da bloß los? Es scheint bei vielen Menschen fast keine Hemmungen mehr zu geben, andere im Netz zu beleidigen, und sich lustvoll als „Hater“, „Hasser“ also, zu betätigen. Hunderte opfern ganze Tage, um denjenigen, den sie „hassen“ in einer Gruppe zu bedrängen. Was für ein scheußliches Vergnügen bereitet das? Wo sind diese Menschen? Das habe ich mich gefragt, und gehe in Gedanken meinen Bekanntenkreis durch. Da ist doch sicher nicht einer von ihnen in und mit solchen Gruppen unterwegs? Oder bin ich nur nicht aufmerksam genug, wenn Menschen sich abfällig äußern? Kann mir nicht vorstellen, dass das, was einer abschätzig über andere sagt, in der Anonymität des Internets brutaler und gemeiner wird? Dass der Schritt zum Zusammenrotten im Dunstkreis der „Hater“ ganz schnell gehen kann?

Und jeden und jede von uns kann es treffen. Die Kommunalpolitikerin, die sich engagiert für die Belange anderer einsetzt, und auf die ein Kesseltreiben beginnt. Der Nachbar, der im Internet unüberlegt Bilder postet, die man lustig finden kann oder aber lächerlich.

Der Verteidiger des Drachenlords hat einen der „Hater“, einen Medizinstudenten, direkt angesprochen. Er müsse noch „in die Lehre gehen, was Anstand und Moral bedeutet“, bevor er einmal Arzt werde. Mir erscheint oft, dass wir bei der Aufforderung Jesu, man solle den „Nächsten lieben wie sich selbst“ an gar keine aufopfernden Taten der Liebe denken müssen, sondern einfach daran, dass wir untereinander immer und überall Anstand walten lassen; dass wir die Würde des anderen achten; dass wir niemanden abwertend behandeln und andere, die im Begriff sind, das zu tun, davon abhalten.

Pfarrer Jürgen Reichel, Würzburg St. Johannis

Der Impuls "Wort zum Wochenende" erscheint wöchentlich auf der Internetseite der Kirche in der Region Würzburg.

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