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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Wort zum Wochenende am 6. Mai 2022

Zusammenleben gelingt

Ich würde mir wünschen, dass wir mehr erfahren über jene, die Stille und Ruhe bewahren, so Dr. Josef Schuster.

Israel hat gestern seinen Unabhängigkeitstag gefeiert – vor 74 Jahren, im Mai 1948, wurde der jüdische Staat gegründet. Ein Staat, in dem nicht nur Juden leben: Mehr als 20 Prozent der israelischen Bürger sind Araber. Im Land, das den drei großen Weltreligionen heilig ist, leben auch Muslime, Christen, Drusen und viele andere Menschen.

Wenn wir in der Pessach- und Osterzeit in den Medien von Israel gehört haben, waren die Schlagzeilen fast immer negativ. Fast jeden Tag ging es um „Zusammenstöße auf dem Tempelberg“ – wobei vielen vielleicht nicht klar ist, wie sehr sich Israel dafür einsetzt, dass die Religionsfreiheit an diesem für Juden und Muslime heiligen Ort in Jerusalem gewahrt wird. Der Status quo bedeutet, dass es Menschen aller Religionen zu bestimmten Zeiten erlaubt ist, den Tempelberg zu besuchen, aber nur Muslime dort öffentlich beten dürfen. Die israelische Regierung hat seit der Eroberung der Altstadt von Jerusalem durch Israel 1967 dafür gesorgt, dass kein Religionskrieg entsteht: Auf dem Plateau wurde keine Synagoge errichtet, bis heute beten Juden an der Kotel, der Klagemauer, unterhalb des Bergs.

Doch gerade jenseits der Brennpunkte gibt es - besonders in kleineren Orten in Israel - viele Beispiele, wie das Zusammenleben von Angehörigen unterschiedlicher Religionen funktionieren kann. Wer einmal in dem jüdisch-arabischen Friedensdorf Neve Shalom/Wahat al-Salam in der Nähe von Jerusalem war, das von dem Dominikanerpater Bruno Hussar gegründet wurde, wird beeindruckt sein, wenn er dort das „Haus des Schweigens“ aufsucht. Es ist ein pluralistisches spirituelles Zentrum, in dem Angehörige aller Religionen sich auf ihre eigene Weise Gott nähern, meditieren und zur Ruhe kommen können.

Das kleine Haus heißt „Dumia Sakinah“, in Bezug auf eine Stelle aus Psalm 65 „Für Dich ist tiefe Stille ("Dumia") Lob Gottes“ und den Koranvers: 48,4: "Er ist es, der die innere Ruhe ("Sakinah") in die Herzen der Gläubigen herabgesandt hat, damit sie in ihrem Glauben noch an Glauben zunehmen." In diesem Sinn handelten auch arabische Bürgermeister in Israel, die in den vergangenen Wochen gewalttätige Demonstrationen für die angebliche „Verteidigung der Al-Aksa-Moschee“ verhindert haben. In diesem Sinn verhalten sich viele friedfertige Menschen Tag für Tag in Israel. Ich würde mir wünschen, dass wir mehr erfahren über jene, die Stille und Ruhe bewahren – anstatt nur über die zu lesen, die Lärm, Gewalt und Unruhe verbreiten.

Dr. Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrat der Juden

Der Impuls "Wort zum Wochenende" erscheint wöchentlich auf der Internetseite der Kirche in der Region Würzburg.

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