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Impulse

Unterschiedlichste Autoren im Bistum Würzburg veröffentlichen regelmäßig spirituelle Texte in Tageszeitungen, im Internet oder in Druckwerken. Die Interpretationen der christlichen Botschaft bestärken im Glauben, im alltäglichen Leben und regen zum Nachdenken an. Einige dieser Texte stellen wir hier für Sie zusammen.

Inspiration
Inspiration

Womit wir geschmückt sind

Martin Luther hat den Text einmal "ein schrecklich Evangelium" genannt. In der Tat, nimmt man dieses Gleichnis für sich alleine, so zeigt es nur, Gott und Mensch kommen nicht zusammen.

Gedanken zum Sonntagsevangelium – 28. Sonntag im Jahreskreis

Evangelium

In jener Zeit erzählte Jesus den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert, eingeladen zu werden. Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein. Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. 

Als sie sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte. Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen. Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen. Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.

Matthäus 22,1–14

Immer wieder staune ich, mit welcher Begeisterung und mit welchem Aufwand junge Paare ihre Hochzeit vorbereiten. Nichts wird dem Zufall überlassen. Das Design von Hochzeitskarten bis Tischdekoration ist perfekt, am besten farblich auf den Brautstrauß abgestimmt. Programm und Menü sind durchgeplant. Schon beim Lesen der Einladung freue ich mich auf das Fest und mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Ich bin beeindruckt.

Diese Bilder kommen mir beim Hören des Evangeliums in den Sinn. Offensichtlich fehlte es schon damals an Vorbereitungen zur Hochzeit nicht. Das Menü konnte sich sehen lassen. Ochsen, vielleicht am Spieß, dann besonders zartes Fleisch, sicher auch Geflügel und andere Köstlichkeiten. Damals wie heute: Glücklich, wer eingeladen ist. Dumm nur, wenn sich andere Ereignisse in den Vordergrund schieben und ich der Einladung deswegen nicht Folge leiste. Dabei kann man sich so etwas eigentlich nicht entgehen lassen. Doch genauso ist es mit dem Himmelreich, sagt Jesus. Viele Menschen sind eingeladen, dabei zu sein. Doch sie schlagen die Einladung Gottes aus.

Die wichtigen Leute von damals verstanden, dass Jesus damit sie meinte. Die Geschichte wird bedrohlich. Dennoch, das große Fest wird nicht abgeblasen. Jetzt werden die Gäste von weit her geholt. Die ersten Leser des Matthäusevangeliums fühlten darin sich und ihre Gemeinde, die über das jüdische Volk hinausging, angesprochen. Doch sie erfahren: Auch sie sind nicht einfach eine glänzende Hochzeitsgesellschaft, sondern "Gute und Böse" sitzen beieinander. Und so entdeckt der König schließlich einen Gast ohne das für ein Fest passende Gewand.

Dieses Gleichnis fordert uns heraus. Nicht nur Menschen zurzeit Jesu, vergangene Generationen oder ganz allgemein die "anderen" nahmen die Einladung zum Fest Gottes nicht an. Sondern auch die Kirche, egal welcher Konfession, die sich gerne in der Rolle der von weit her gekommenen Gäste sieht, macht keine sonderlich gute Figur. Sie bleibt eine "gemischte Gesellschaft". "Gute und Böse sitzen beieinander." Licht und Schatten liegen auch heute noch nahe beieinander. Und wenn ich ehrlich bin, dann muss ich sogar sagen: Licht und Schatten liegen bei mir selbst nahe beieinander. Das macht mich betroffen.

Martin Luther hat diesen Text einmal "ein schrecklich Evangelium" genannt. In der Tat, nimmt man dieses Gleichnis für sich alleine, so zeigt es nur, Gott und Mensch kommen nicht zusammen. Es endet schrecklich. Umso befreiender war es für Martin Luther, das Gleichnis im Gesamtrahmen von Jesu Leben, Sterben und Auferstehen zu sehen. Nikolaus Ludwig von Zinzendorf hat diese Entdeckung im 17./18. Jahrhundert in einem Lied treffend beschrieben. Die entsprechende Strophe liest sich wie eine Fortsetzung des Gleichnisses. Sie ist eine Antwort auf die Frage, wie wir denn nun zu einem passenden "Hochzeitsgewand" kommen: "Christ Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid. Damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel wird eingehn." 

Wir bleiben als Kirche eine gemischte Gesellschaft. Wir haben keinen Grund, auf andere herabzusehen, die sich der Einladung Gottes gegenüber ablehnend verhalten. Auch in meiner eigenen Person liegen Licht und Schatten nahe beieinander. Ich darf mich aber Christus neu zuwenden. Nicht mit dem, was ich erarbeite, sondern mit dem, was er schenkt, darf ich mich schmücken. Diese befreiende Erfahrung wünsche ich uns allen.

Gisela Bornowski ("regionalbischoefin.an-wue@elkb.de") ist Regionalbischöfin im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Ansbach-Würzburg.

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