Sozialraumorientierung – es steckt viel mehr dahinter, als man zunächst zu ahnen vermag! „Eine Seh- und eine Hörhilfe, um als Kirche in Pastoral und Caritas gemeinsam nahe bei den Menschen zu sein“, so beschreibt Bischof Dr. Franz Jung Sozialraumorientierung in einer Predigt. Es geht dabei nicht um eine zusätzliche Aufgabe, es ist vielmehr eine Haltung. Keine neue Haltung, aber eine, die uns in der heutigen plural-fluiden Gesellschaft dahingehend unterstützt, dass unsere Perspektive immer wieder neu bewusst geweitet wird auf die Bedürfnisse aller Menschen, nicht nur der bereits in der Gemeinde aktiven.
Es geht um die Lebenssituation der Menschen mit ihren konkreten Anliegen, ihren Sorgen und Freuden, aber auch ihren Kompetenzen. So, wie Jesus den zunächst nicht in seinem Blickfeld stehenden blinden Bartimäus mit seinen Bedürfnissen wahrnimmt und fragt: „Was willst du, das ich dir tue?“, ihn dann aber nicht einfach heilt, sondern mit der Aufforderung „Geh!“ selbst in die Verantwortung nimmt und seinen Fähigkeiten vertraut. Auch Pastoral und Caritas können sich verstärkt zusammenschließen im Bemühen um ein heilsames Dasein für die Menschen in ihrem verletzlichen und fragilen Leben mit ganz verschiedenen Anliegen – materiellen, seelischen, körperlichen und spirituellen.
So können wir mit dieser Perspektive ganz bewusst in Verkündigung und Liturgie, im Dienst am Nächsten und der Pflege der Gemeinschaft das Leben vor Ort positiv mitgestalten. Dieser Blick über den eigenen Kirchturm hinaus ermöglicht neue Kooperationen, kann dadurch Freiräume schaffen und entlasten.