Mein Herz beginnt zu schlagen, Sehnsucht keimt auf: Ja, ich möchte gerne so voller Mut und Zuversicht sein, dass ich Heimat finde in der Zukunft, die doch so ungewiss und voller Unsicherheiten erscheint. Doch das ist schwer...ich suche nach Vorbildern.
In der Adventszeit erschien in einer Zeitschrift ein Bericht über eine Nonne aus Niedersachsen,
Sr. Makrina. Ich kenne sie, denn sie lebt und arbeitet in „meinem Kloster“, der Abteiburg Dinklage, die ich seit Jahrzehnten regelmäßig besuche. Die Nonnen dort haben seit 2015 jesidischen Flüchtlingen Kirchenasyl gewährt. Seitdem leben, beten und feiern die benediktinischen Nonnen gemeinsam mit ihren „Gästen“ und lernen voneinander über ihr Leben und ihren Glauben.
Sr. Makrina hat deren Sprache gelernt. Sie will mehr als nur vorübergehende Gastgeberin sein. Sie will „Häuser im Morgen bauen“- eine Zukunft für die Menschen, die inzwischen wie Freunde für sie geworden sind. Irgendwann ist sie in deren Heimat, in den Irak gereist. Alle jesidischen Siedlungen dort sind zunichte gemacht, die Menschen sind vertrieben worden, alle Gärten, Oasen, alle Obst-und Gemüseplantagen sind zur Wüste geworden. Die Menschen, die noch dageblieben sind, stehen vor dem Nichts.
Der Zeitungsartikel schreibt: „Eine Nonne will die Wüste grün machen, dazu braucht sie nicht mehr als ein Wunder.“ Sr. Makrina und ihr Team glauben nicht nur an dieses Wunder, sie leben es. Neun mal ist die Benediktinerin inzwischen dorthin gereist, sie hat einen deutschen Landschaftsgärtner mitgenommen und außerdem einen einheimischen Ansprechpartner gefunden.
Alles will sie mit diesem kleinen Team unternehmen, dass die Geflüchteten eines Tages wieder zurückkommen können und diese Wüste wieder mit Leben gefüllt wird.
Ich kenne Sr. Makrina nicht gut. Ich weiß von ihr eigentlich nur, dass sie mit heller Stimme die uralten gregorianischen Gesänge im Stundengebet anstimmt. Kraftvoll und stark wirkt diese Frau.
Sie baut Häuser im Morgen - weil sie sich hat irritieren lassen vom Leid der Menschen.
Niemals würde ich es wagen, ein solches Projekt anzugehen. Aber vielleicht kann ich etwas anderes versuchen: Mich irritieren lassen von all dem, was nicht stimmt und nicht passt in unserer Welt, in unseren Städten und Gemeinden-bei den Menschen um mich herum. Und bei mir selbst. Und dann anfangen, Zukunftshäuser zu bauen.
Zwischen den Jahren wäre Zeit für einen ersten Schritt.
Eva Meder-Thünemann