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Kar- und Ostertage

Der Weg zum Hochfest des christlichen Glaubens: Ostern ist das höchste Fest, das Christen überhaupt feiern. Es geht um die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

Dokumentation

„Genau darum geht es am Karfreitag“

Predigt von Bischof Dr. Franz Jung am Karfreitag, 3. April 2026, im Würzburger Kiliansdom

Die Tränen sollen in diesem Jahr mein Leitfaden sein für die Betrachtung von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu.

KARFREITAG: DIE TRÄNEN DES PETRUS, DER FRAUEN UND DER MUTTER JESU

Jesus und die Tränen des Petrus – Tränen der Reue

Petrus aber erwiderte: Mensch, ich weiß nicht, wovon du sprichst. Im gleichen Augenblick, noch während er redete, krähte ein Hahn. Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, das der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich. (Lukas 22,60-62)

Petrus weint – alles lief ab wie im Film, Petrus war ganz gefangen in der Situation, er konnte gar nicht anders, als zu leugnen, diesen Mann aus Nazareth zu kennen. Erst als der Hahn kräht und der Blick Jesu ihn trifft, lichtet sich der Nebel, sieht er klar, wird ihm schlagartig bewusst, dass er sich verfehlt hat gegen die Liebe zu seinem Herrn – „und er weinte bitterlich“, heißt es. Es sind Tränen der Reue – alles hatte sich in seinem Innersten verkrampft im Kampfmodus, plötzlich löst sich die ganze innere Anspannung, er fühlt den Schmerz, lässt ihn an sich heran, und die Spannung entlädt sich im Weinen, wir kennen das… Ein Moment der Gnade, wenn das möglich wird. Wenn man einsieht, dass man schuldig geworden ist. Wenn man zu der eigenen Schuld stehen kann und wenn man das an sich wirklich heranlässt und fühlt als Schmerz. Eine Reue nicht aus Angst vor Strafe, sondern eine Reue aus dem Wissen, hinter der Gottesliebe zurückgeblieben zu sein und diese Gottesliebe wieder erlangen zu wollen. Das macht nach kirchlicher Lehre die „vollkommene Reue“ aus. Die Tränen des Petrus werden zum Beweis dieser tief empfundenen Reue, die dem Sünder den Weg ebnet zu echter Umkehr und dem Willen, seinem Leben eine neue Wendung zu geben und den Herrn wieder lieben zu wollen. Die alte Kirche sprach in diesem Zusammenhang gar von der „Tränentaufe“, weil die Tränen zum eigentlichen Taufwasser werden, in dem der alte Mensch reingewaschen wird von der Schuld und der neue Mensch mit Christus aufersteht. Die Tränen der Reue sind die schönste Frucht des Karfreitags und ein Lichtblick in allem Dunkel dieses schwarzen Freitags.

Jesus und die weinenden Frauen – Rührselige Tränen

Es folgte ihm eine große Menge des Volkes, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Töchter Jerusalems, weint nicht über mich; weint vielmehr über euch und eure Kinder! (Lukas 23,27-28)

Die achte Station des Kreuzwegs trägt den Titel: „Jesus begegnet den weinenden Frauen“. Die Frauen weinen über den Delinquenten, der seinen letzten Weg antritt zur Hinrichtung und sein Kreuz selber trägt. Ihre Klage hat aber etwas Ritualisiertes, Aufgesetztes – das unterscheidet ihre Tränen von denen des Petrus.

Man sieht zwar das Leid der Anderen, man nimmt es wahr oder nimmt es gar auf mit dem Smartphone, aber es bleibt eben das Leid der Anderen, das einen im Letzten nicht wirklich berührt. Geht es uns nicht oft genauso angesichts der zahllosen Bilder des Leids, die uns tagtäglich erreichen? Man beklagt das Leid, aber geht gleich wieder zur Tagesordnung über – eine Nachricht unter vielen an einem Tag – was kann man schon machen? Die Reaktion Jesu fällt harsch aus. Er kann das Weinen der Frauen nicht anerkennen, vielmehr sagt er mehr als deutlich, sie sollten lieber über sich selbst weinen und ihre Kinder. Denn wo das Leid des Gerechten nur zum Rührstück wird, aber nicht wirklich zur Umkehr mahnt und daran erinnert, dass diese Welt komplett aus den Fugen geraten ist, da werden die Tränen falsch, eben nur rührselig, ohne wirklich anzurühren, ohne dazu zu führen, dass man auch nur einen Finger rührt, um die Welt zu verändern. Für Jesus sind das nur „Krokodilstränen“, die nichts bewirken. Solche Tränen braucht‘s am Karfreitag wirklich nicht.

Jesus und die Tränen der Mutter Jesu – Tränen des Mitleids

Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. (Johannes 19,37)

So hieß es eben zum Schluss der Passionsgeschichte. „Auf den blicken, den sie durchbohrt haben“ – das gilt vor allem für Maria. Man kann sich die Szene bildlich vorstellen: das furchtbare Werk der Henker ist getan, der Leichnam abgenommen, alle anderen sind weg. Maria ist mit ihrem toten Sohn allein. Und erst jetzt bricht der ganze Schmerz auf und mit dem Schmerz fließen die Tränen, wird das ganze Elend überhaupt erst ermessen. Auf Golgotha wird die Gottesmutter zur „Schmerzensreichen Mutter“, zur „Königin der Märtyrer“, zur „Regina Martyrum“. Unter dem Kreuz geht so die Weissagung des greisen Simeon in Erfüllung (Lukas 2,35): „deine Seele wird ein Schwert durchdringen“. Keiner kann so mit Jesus mitfühlen wie seine Mutter. Maria steht dabei für alle Mütter dieser Welt, die über den Tod ihrer Kinder trauern, die das Schlimmste erleben, nämlich das eigene Kind zu Grabe tragen zu müssen. Wir sehen es täglich, aber wir erleben es auch leider allzu oft im eigenen Umfeld. Marias Tränen sind echte Tränen des Mitleids, denn mit dem Kind stirbt immer auch ein Teil des eigenen Lebens. Im Hymnus „Christi Mutter stand mit Schmerzen“ („Stabat Mater“) zum „Fest der Schmerzen Mariens“ heißt es in der vorletzten Strophe so eindrücklich:

„Drücke deines Sohnes Wunden, wie du selber sie empfunden, heilge Mutter in mein Herz.

Dass ich weiß was ich verschuldet, was dein Sohn für mich erduldet, gib mir teil an deinem Schmerz.“

Mit Maria geht es darum, kein mitleidiges, sondern ein mitleidendes Herz zu bekommen. Denn nur wer den Schmerz über den Tod des Sohnes Gottes fühlt, ermisst auch den Preis, den Gott gezahlt hat für uns – und kehrt um. Und genau darum geht es am heutigen Karfreitag!